Heidelberg. Graffiti an der Fassade, Nägel auf dem Abstellplatz, beschädigte Beleuchtung und negative Google-Bewertungen: Der Inhaber des Fahrradladens Habibikes an der Mannheimer Straße sieht sich seit Monaten mit Vandalismus und Rufschädigung konfrontiert. Ward Joumaa führt die Vorfälle auf den Wegfall eines kostenlosen Luftpump-Services zurück – und auf die Schließung eines weiteren Wieblinger Fahrradladens.
Der 35-Jährige kam 2015 als syrischer Geflüchteter nach Heidelberg, machte eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker und eröffnete im Juni 2023 seinen eigenen Laden in Wieblingen, Mannheimer Straße 279. Sein Laden gilt in der Stadt als Erfolgsgeschichte – ein Geflüchteter, der sich in Deutschland selbstständig gemacht und einen funktionierenden Betrieb aufgebaut hat. Doch seit einigen Monaten hat sich die Lage verändert.
Jahrelang hatte er eine Luftpumpe rund um die Uhr vor dem Laden bereitgestellt. Da sie wiederholt beschädigt wurde und Reparaturen sowie Ersatz rund 240 Euro kosteten, stellte er den Dienst vor etwa einem Jahr ein. Seitdem verweist er auf die nächste öffentliche Fahrradpumpe – einen städtischen Radservice am Kerwe- und Messplatz. Für viele Alltagswege entlang der Mannheimer Straße ist dieser Standort jedoch nicht günstig gelegen.
Als Ende 2025 ein benachbarter, seit Jahrzehnten ansässiger Fahrradladen schloss, verschärfte sich die Situation laut Joumaa spürbar. Viele frühere Kunden des geschlossenen Geschäfts hätten sich an Habibikes gewandt – teils mit der Erwartung kostenloser Leistungen wie Luftpumpen-Nutzung, Kettenölen oder dem Ausleihen von Werkzeug.
Zwischen Januar und März dieses Jahres sei es zu durchschnittlich zwei Konfrontationen pro Woche gekommen, berichtet er. Auch Werkzeug sei mehrfach entwendet worden, wenn er kurz nicht hingeschaut habe.
An der Fassade des Geschäfts tauchte mehrfach der Schriftzug "Free pumping" auf. Erst vergangene Woche wurde die Säule vor dem Eingang mit den Worten "Where is (your) Pump?" ("Wo ist deine Pumpe?") beschmiert. Auf dem Fahrradabstellplatz im Hof habe er schon Nägel gefunden, auch die Solarbeleuchtung des Ladens sei beschädigt worden.
Die Vorfälle beschränken sich nicht auf Vandalismus. Joumaa berichtet auch von zunehmend feindseligen Begegnungen im Geschäft selbst. Manche Kunden hätten abwertend reagiert, wenn sie erfuhren, wer der Inhaber sei. Andere hätten ihn mitten in einem Gespräch gefragt, ob er Deutsch verstehe.
Joumaa beobachtet diese Entwicklung seit dem Bundestagswahlkampf, in dem Migration zum zentralen Thema wurde. Seitdem, sagt er, sei das Klima rauer geworden – auch auf der Straße. "Das sind einzelne Fälle, aber sie gehen auf den Zeiger", sagt er. Er wolle niemanden pauschal verurteilen – die große Mehrheit der Wieblinger begegne ihm freundlich und unterstützend.
"Diese Liebe und Unterstützung ist nicht verschwunden." Dennoch belaste ihn die Entwicklung. Als Gewerbetreibender könne er keine kostenlose Infrastruktur für die Allgemeinheit vorhalten. "Ich bin kein Verein und keine Nichtregierungsorganisation. Ich muss arbeiten, um Miete, Personal und Steuern zu bezahlen."
Joumaa will sich nun an den Stadtteilverein Wieblingen wenden. Er erhofft sich dort Unterstützung auf zwei Ebenen: zum einen, dass der Verein bei der Stadt für eine Pumpstation an der Mannheimer Straße eintritt; zum anderen, dass er den Bewohnern des Stadtteils vermittelt, dass ein Fachbetrieb auf Einnahmen angewiesen ist.
Laut der Stadt gibt es in Heidelberg 20 solcher Radservice-Punkte, die 2023 insgesamt rund 89.000 Euro kosteten – also etwa 4500 Euro pro Standort, teilweise gefördert durch die Initiative Radkultur des Landes Baden-Württemberg. Der Standort in Wieblingen am Kerwe- und Messplatz wurde gewählt, weil dort eine dauerhaft geeignete Fläche verfügbar war.
Ein weiterer Ausbau des Netzes ist der Verwaltung zufolge derzeit nicht geplant. Aufgrund der Haushaltslage stünden keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung; der Fokus liege auf Betrieb und Unterhaltung des Bestands.
Für Joumaa wäre eine Pumpstation an der Mannheimer Straße mehr als nur eine praktische Lösung. Es wäre auch ein Signal, dass lokale Gewerbetreibende nicht allein gelassen werden, wenn sich das Umfeld gegen sie wendet.
Das war 1:1 auch meine Erfahrung bei Rock Am Ring - vor 20 Jahren.
War mein letztes großes Festival, weil es so scheiße war. Seitdem Obergrenze ~20000 Besucher