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[–] 10 points 21 hours ago (4 children)

Find ich auch gut, im Prinzip. Allerdings muss man den Gedanken auch weiterdenken, finde ich.

Die Mächtigen, die heute ihren Willen durch Lobbyismus (oder straight up corruption) durchsetzen, werden ja nicht einfach die Hände zusammenfalten bei nem Losverfahren. Sie werden weiter versuchen, Ihren Willen durchzusetzen.

Das würde für die gewählten Bürger enormen Druck bedeuten - teils von der Presse (die den Reichen gehört), die eventuelle Gegner in aller Öffentlichkeit diffamieren wird. Teils von bestehenden Lobbygruppen, die alles daran setzen werden, die Entscheidungsträger zu beeinflussen.

Der Grund wieso das bei existierenden Bürgerräten kein Problem ist, ist, dass sie einfach nicht so viel Macht haben.

Ich sage nicht, dass das Problem unlösbar wäre (zb. hohes Gehalt und hohe korruptionsstrafen könnten wirken), aber ich fände es mal interessant, die 2nd order effects zu beleuchten.

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  • [–] 8 points 21 hours ago (3 children)

    Dies. Das eigentliche Problem in der Demokratie liegt in der wie auch immer gearteten Manipulation des Repräsentanten. Da ist der Entscheidungsmodus wie dieser Repräsentant gefunden wird fast egal.

    Man muss also Manipulation selbst angehen oder so einplanen dass es kein Problem ist.

    Ich weiß nicht in wie weit die Reps mit Geld zu schütten hilft. Bezweifle ich sogar.

    Die Idee des Lobbyismus muss komplett neu gedacht werden, da das "Expertenwissen" faktisch eher der Demokratie abträglich ist, wie es derzeit organisiert ist.

    Man könnte evtl Lobbyisten nur aus Rentnern rekrutieren, die dann nicht mehr auf ihre alte Firma/Holding Struktur verweisen dürfen.

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  • [–] 6 points 20 hours ago (1 child)

    FWIW, hab noch ein bisschen recherchiert, es gibt Hinweise darauf dass Bürgerräte, da, wo sie tatsächlich Macht haben, tatsächlich (gegen Lobbies) besser funktionieren als klassische Demokratie.

    Das liegt hauptsächlich daran, dass die Bürgerräte nicht wiedergewählt werden müssen. Der wichtigste Hebel für Lobbyisten (Mittel für Wahlkampf) wirkt dadurch nicht, und sie können nur noch mit Drohung arbeiten.

    Das scheint in der Praxis ganz gut zu funktionieren:

    • Macron berief einen Klimabürgerrat ein, der dann weitreichende Maßnahmen erlassen hat (Werbeverbote, SUV Abgaben, Inlandsflugverbot) - trotz hartem gegenwind
    • in Texas (of all places) hat ein Bürgerrat effektiv dafür gesorgt, dass sie massiv in erneuerbare investiert haben und nun ist Texas (trotz Öl Lobby) führender US Bundesstaat in Windenergie.
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  • [–] 2 points 19 hours ago

    Das liegt hauptsächlich daran, dass die Bürgerräte nicht wiedergewählt werden müssen. Der wichtigste Hebel für Lobbyisten (Mittel für Wahlkampf) wirkt dadurch nicht, und sie können nur noch mit Drohung arbeiten.

    Ich fürchte, dass man das Argument umdrehen könnte. In einem Losverfahren, wo ein zufälliger Mensch für vier oder fünf Jahre Macht kriegt, gibt es riesige Incentives, diese Macht dann auch in Geld umzuwandeln. Etwas platt gesagt, wenn du die Chance nicht nutzt, um möglichst viel Geld rauszuschleppen, dann machst du etwas falsch. Dann bist du ein ganz normaler Arbeitnehmer oder irgendein armer Schlucker und hast die Chance, durch entsprechende Lobbyzuwendungen mehrere hunderttausend Euro oder mehr an Land zu ziehen. Aktuelle Politiker können ja nach ihrer Karriere dann ihr Telefonbuch zu Geld machen. Das funktioniert aber nicht, wenn du nach dem Losverfahren plötzlich komplett neues Personal hast. Das ist ein Vorteil, aber gleichzeitig auch wieder ein anderes Incentive.

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  • [–] 1 point 19 hours ago

    Ich weiß nicht in wie weit die Reps mit Geld zu schütten hilft. Bezweifle ich sogar.

    Das passiert doch schon. Die kriegen ja schon absurd hohe Gehälter, von denen normal arbeitende Menschen nur träumen können. Und kriegen nach sehr kurzer Amtszeit auch absurd hohe Pensionen, während normal arbeitende Menschen nicht mal mehr mit einer Rente rechnen können, von der man leben kann.

    Einfach viel Geld draufwerfen hilft nicht gegen Korruption, die Leute können den Hals nicht voll genug kriegen. Die Leute, die es in den etablieren politischen Organisationen bis in die Landes- oder Bundespolitik schaffen, haben Jahre von Arschkriecherei hinter sich und sind in einem System aus Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft groß geworden. Sogar in der Kommunalpolitik wird innerhalb von Parteien selten jemand was, der nicht ein rückgratloser Arschkriecher ist, sich total der Parteilinie unterordnet, und bei der Vetternwirtschaft und Korruption mitspielt.

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  • [–] 7 points 20 hours ago* (2 children)

    Ich denke dieses Verfahren hätte die meisten Probleme unseres aktuellen Systems genauso.

    Die Beeinflussung von Leuten, die nur kurzzeitig Macht haben und überhaupt nicht mehr auf ihren politischen Ruf angewiesen sind, halte ich sogar für noch leichter.

    Außerdem bräuchte es weiterhin Gremien oder Ministerien, die die Politiker fachlich beraten. Nicht jeder kann alles wissen, für politische Entscheidungen ist Wissen aber essentiell und das eignet man sich nicht eben in wenigen Wochen an. Diese Gremien wären also a) massiv das Ziel von Lobbyisten und b) wären sie das neue Machtzentrum, das man eigentlich loswerden wollte.

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  • [–] 2 points 19 hours ago* (last edited 15 hours ago) (1 child)

    Das Risiko, beim Versuch, zufällig ausgeloste Leute, die nur kurz im Amt sind, zu bestechen, erwischt zu werden, ist ungleich höher, als das Risiko, erwischt zu werden, wenn man Berufspolitiker besticht, die aus Parteien kommen, die dieses Spiel schon seit Jahrzehnten spielen, und deshalb Strukturen aufgebaut haben, die systematisch Korruption ermöglichen und fördern. In den etablierten Parteistrukturen wird niemand was, der nicht ein absolut rückgratloser Arschkriecher ist. Das Risiko, in dem Umfeld auf jemanden zu stoßen, der nicht korrupt ist, und zudem noch das Rückgrat hat, einen Bestechungsversuch anzuzeigen, ist eher überschaubar.

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  • [–] 4 points 20 hours ago (1 child)

    Das hauptsächliche Problem, das ich damit sehe, ist, dass die durch Los ausgesuchten Machthaber dann keine echten Anreize haben, (für die Allgemeinheit) gute Politik zu machen, statt nur möglichst viel Geld in ihre eigenen Taschen fließen zu lassen. Gewählte Politiker müssen sich immerhin einer Wahl stellen und dort ihre Entscheidungen rechtfertigen; ausgeloste nicht.

    Ich könnte mir eine Mischform vorstellen, etwa dass eine kleine Minderheit (z.B. 5%) der Mitglieder von Parlamenten ausgelost wird, der allergrößte Teil aber gewählt. Das könnte dann dazu führen, dass manche der ausgelosten Mitglieder bei der nächsten Wahl für die gewählten Sitze antreten, wenn ihnen der Job gefallen hat, und dadurch ihre Stimmen etwas mehr Gewicht in der Politik bekommen.

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  • [–] 22 points 1 day ago

    Bin ernsthaft dafür. Nach meinem Eindruck sind die meisten Menschen im brauchbaren Rahmen vernünftig und entscheiden sehr sachdienlich und altruistisch, wenn sie ordentlich gefragt und eingebunden werden.

    Und genau das schaffen die etablierten Parteien kaum noch bis gar nicht (und die Nazis überhaupt nicht, die simulieren Volksnähe ja nur).

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  • [–] 5 points 1 day ago

    Kann’s bitte erst mal ein kleineres Land ausprobieren? Ich glaube ja dass es fairer ist. Ob was besseres dabei rauskommt, weiß ich nicht.

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