Dafür werden rechts und links auf der Straße sogenannte Schutzstreifen für Radfahrende aufgemalt, in der Mitte bleibt eine einspurige Fahrbahn für Autos. Der Bürgersteig bleibt ausnahmslos den Fußgängerinnen und Fußgängern vorbehalten.
Im Begegnungsverkehr müssen und dürfen die Autos auf die Fahrradstreifen ausweichen, ebenso beim Überholen von Fahrradfahrenden. Ist ein Überholen oder ein aneinander Vorbeifahren nicht möglich, bleiben die Autos hinter den Rädern, bis wieder Platz ist.
Als ich das gelesen habe, bin ich erstmal stutzig geworden, weil ich aus Beobachtung und persönlicher Erfahrung zu dem Schluss kommen muss, dass Radschutzstreifen, bzw. eine gemeinsame Fahrbahnnutzung durch Fahrräder und Kraftfahrzeuge das Gegenteil von Sicherheit für Radfahrende bedeutet. Zu oft hab ich erlebt und gesehen, wie Überholabstände nicht eingehalten, Radfahrende beschimpft, geschnitten, abgedrängt oder beim Abbiegen übersehen/vergessen werden.
Deswegen bin ich von folgendem ehrlich überrascht:
Entgegen der Bedenken gab es im gesamten Versuchszeitraum seit 2023 keinen einzigen Unfall, bei dem Menschen zu Schaden gekommen wären, zudem sank der Anteil der Überholvorgänge, bei denen Autos den Mindestabstand von 1,50 Metern zum Fahrrad nicht einhielten, von zu Beginn 30 auf elf Prozent Mitte 2025.
Allerdings geht es hier um eine Ortschaft mit 19k Einwohner*innen, und der größte Teil meiner Erfahrung bezieht sich auf eine Großstadt mit typischem Chaos. Berufsverkehr, Baustellen, Straßenbahnen, bekloppte Kreuzungen usw. Den Punkt, dass es in Schweden und den Niederlanden funktioniert, kann ich auch nur halb akzeptieren, weil dort, insbesondere in den Niederlanden, ohnehin eine völlig andere Fahrradkultur herrscht.
Ich wäre daher auch dafür, erst einmal weiter zu testen, allerdings nicht in der beschaulichen 19k-Gemeinde, sondern in Berlin, Bremen, München, Köln, Stuttgart, Essen oder so.
Aber was wir davon halten ist egal, im Kanzleramt, dem Verkehrsministerium und den Landesregierungen sitzen Leute, die sich einen Dreck für Verbesserungen interessieren und der Autolobby den Arsch hinhalten.
