Ich habe vor kurzem einen sehr umstrittenen kommentar zum Thema Fernstromleitungen (Stromtrassen) geschrieben, wo ich kurz gesagt behauptet habe dass Stormtrassen nicht so toll sind wie die populären Zeitungen schreiben. Dort hatte ich auch gesagt dass ich das mal recherchiert hatte, war dann zu faul es zu erklären. Nun möchte ich das weiter ausführen.
Es gibt Studien wie diese hier die sich mit dem Thema "Kosten für die Netzinfrastruktur" beschäftigen.

Darin steht: Für die Distanz Hamburg - München (ca. 776 km (OpenStreetMaps), das sind 482 miles) werden für den Stromtransport ca. 0,482 · 4,15 ¢/kWh = 2,0 ¢ / kWh fällig. (Dies gilt aber nur wenn die Stromleitungen voll ausgelastet werden! Wenn der Strom nur jahreszeitlich transportiert wird, dann haben wir Auslastungen von maximal 50%, demnach verdoppeln sich die Übertragungskosten pro kWh auf mindestens 4,0 ¢/kWh.)
Man vergleiche dies mit den ca. 7¢ / kWh Stromgestehungskosten (LCOE, levelized cost of electricity) für Windstrom (onshore) und den ca. 8¢ / kWh für Windstrom (offshore) (laut Fraunhofer ISE; Juli 2024).

Dieser Artikel hier schlüsselt das noch etwas genauer auf:
- Für Böblingen (eine Stadt in Baden-Württemberg) werden Wind-LCOE von ca. 7,1 bis 9,2 ct/kWh genannt.
- Für Windkraftanlagen an guten Standorten (z. B. an der Nordseeküste) werden Wind-LCOE von 4,3 bis 5,5 ct/kWh genannt.
Das macht eine Wind-LCOE Preisdifferenz von ca. 3,25 ct/kWh. Nun vergleicht man das mit den Stromtransportkosten von ca. 4,0 ¢/kWh die wir oben errechnet haben. Man sieht schnell dass es wirtschaftlicher ist, die Windkraftanlagen im Süden zu bauen, obwohl es dort windärmer ist, anstatt den Strom vom Norden nach Süden Deutschlands zu transportieren.
Nur um das ganze mal etwas überschlagsmäßig durchzurechnen.
Edit: hatte vergessen km in miles umzurechnen. habe gefixt.
Die Grenzkosten jeder einzelnen Methode zur absoluten Versorgungssicherheit sind zu hoch, weshalb nur ein entsprechender Mix die einzig ökonomische Option ist.
Die Diversifizierung durch mehr Sonne in Süddeutschland, mehr Wind in Norddeutschland, dazu streckenweise auf Grund unterschiedlicher Wettermuster getrennt von einander, macht das gesamte System stabiler als getrennte (Spiecher-)optionen. Und dort endet die Diversifizierung ja nicht, dann da ist ja noch das europäische Netz... Hydro im Norden, Atomstrom im Südwesten. Was uns im Gegenzug da ein Mangel an Übertragungskapazitäten kosten kann, haben wir erst kürzlich gesehen, als Kohlekraftwerke reaktiviert und Atomreaktorlaufzeiten verlängert wurden, um im Notfall auf einen möglichen Mangel in Frankreich reagieren zu können. Nicht weil wir nicht die nötigen Strommengen erzeugen konnten (leider viel auf Kohle basiert, aber im Gegensatz zu den üblichen Propagandamärchen ist kaum ein Land stromtechnisch so autark wie Deutschland), sondern weil wir sie nicht transportieren konnten.
Apropos Transport. Deine Rechnung beinhaltet auch nur die reinen Kosten der Leitungen. Bereits heute werden aber regelmäßig große Mengen von Nord- nach Süddeutschland transportiert: von Deutschland über Polen und Tschechien zurück nach Deutschland. Das kostet definitv mehr als nur die Leitungen.