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Verhaltene Reaktionen von Sozialverbänden auf Zivildienstpläne
(www.tagesschau.de)
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Ich finde es immer noch eine extreme Frechheit, wie nonchalant hier über Zwangsarbeit geredet und berichtet wird. Wir zwingen dann jetzt ein Geschlecht dazu, dass es monatelang Zwangsarbeit leisten muss. Und die Reaktion von einem Sozialverband wie der ASB ist einfach nur, die Zwangsarbeit könnte länger sein, dann können sie viel mehr mit den Zwangsarbeitern anfangen. Eine andere Reaktion aus dem Artikel ist, es wäre ja blöd, wenn die Zwangsarbeiter mehr verdienen würden, als freiwillige Kräfte. Das wäre ja total unfair für die freiwilligen Kräfte im freiwilligen sozialen Jahr.
Naja, Zwangsarbeit ist ja in diesem Fall explizit vom Grundgesetz gedeckt und damit Freiheitlicher Bestandteil unserer Freiheitlichen Demokratischen Grund-Freiheitsordnung Demokratischer Freiheit und damit dann wohl moralisch einwandfrei und nicht mehr zu hinterfragen, denn es gibt keine Freiheitlichere und Demokratischere Grundordnung als unsere.
"Spaß" beiseite, ich finde es mal wieder erstaunlich wie wir jetzt nach allen "Diskussionen" (i.e. Kasperletheater zur Ablenkung) schlussendlich wieder bei dem gleichen Scheiß raus gekommen sind, den wir vorher hatten, für schlecht befunden haben und zu recht abgeschafft haben.
Zivildienst war schon immer nichts anderes als ein Feigenblatt auf der maßlosen Ungerechtigkeit des ganzen Wehrdienst-Systems. Nachdem man schon Anfangs nicht diese grundlegende Ungerechtigkeit des Systems hinterfragt hat und schon von vorne herein mit dieser Grundlage gestartet ist, war es eine unvermeidbare Konsequenz, dass man auch wieder bei der Zwangsmusterung und dem Zivildienst landen wird.
Aber es geht hier halt um Andere Dinge und vor allem die junge Bevölkerung gleich an derlei Willkür zu gewöhnen ist für diese Pläne nur von Vorteil.
Naja aber wie soll man sonst so viel Profit aus Pflege schlagen und gleichzeitig die Löhne für die Fachkräfte niedrig halten?! Denk doch mal an die Wirtschaft! /s
Naja, die wirkliche Aussage des ASBs ist das rumsitzen und nur einfachste Hilfsaufgaben zu erledigen für alle Beteiligten blöd ist. Wenn man die Leute wenigestens als ~~Rettungsassistenten~~ Rettungssanitäter oder so ausbilden kann in der Hoffnung das der ein oder andere das dann vieleicht auch freiwillig noch weiter macht, dann ist das auf jeden Fall besser.
Und die Aussage der Präsidentin des Caritasverbandes ist klar das die Freiwilligen ähnlich hoch wie die Zwangsarbeiter entlohnt werden sollten, nicht andersherum wie du das hier dastellst.
Das ist halt die große Tragik an der ganzen Sache: Der Zivildienst soll ja "arbeitsmarktneutral" sein und keine regulären Arbeitsplätze verdrängen. Was halt nicht funktioniert, wenn du die Zivis dann für qualifizierte Tätigkeiten einsetzen willst, die eine Ausbildung benötigen. Das ist dann ja genau das, wo du eine normale, nach üblichen Tarifen bezahlte Fachkraft einsetzen musst.
Die meisten ~~Rettungsassistenten~~ Rettungssanitäter sind Ehrenamtliche, daher ist das weniger relevant.
Zivildienst ist in erster Linie, ein Ersatzdienst/ Alternative zum Wehrdienst. Keine Zwangsarbeit.
Und dann gibt es da noch den Unterschied zwischen Dienst und Arbeit. Das eine wird vergütet und das andere bezahlt.
Grob kann man sagen, das eine ist eine sozial vereinbarte Handlung für die Gemeinschaft und das andere eine machtvoll erzwungene Handlung fürs eigene Überleben.
Ich stoße häufiger auf diese Einschätzung und ehrlich gesagt ich verstehe sie nicht. Vielleicht kannst du mir erklären, warum das für dich keine Zwangsarbeit ist.
Der Prozess ist ja folgender. Du kriegst als junger Mann einen Brief vom Staat. In diesem Brief steht, dass du nach diversen Paragraphen und Gesetzen zum Wehrdienst verpflichtet bist, zur Musterung auftauchen musst und dass du diesen auch verweigern kannst. Wenn du dies tust, musst du dir eine Zivildienststelle suchen und dort auftauchen. Tauchst du nicht beim Zivildienst auf, bekommst du richtig Ärger und landest in der Konsequenz sogar im Knast. Die Strafen hier sind richtig knackig - wenn du mehr als 3 Tage unentschuldig fehlst, drohen dir 3 Jahre Haft. Versuchst du aus dem Land abzuhauen, 5 Jahre. Befolgst du die Anordnungen deiner Vorgesetzten nicht ... wieder bis 3 Jahre Haft. Es gibt sogar eine eigene Polizeitruppe, deren Aufgabe es ist, dich zu jagen, wenn du nicht auftauchst.
Ich verstehe auf einem fundamentalen Level nicht, wieso das keine Zwangsarbeit sein soll. Es ist Arbeit, die unter einem staatlichen Zwang stattfindet und definitiv nicht freiwillig ist. Es ist auch eine unfreie Arbeit, zu der man verpflichtet wird und bei der man eben nicht die üblichen Rechte besitzt, die ein normaler Arbeitnehmer hat.
Du schreibst es ja selbst - man besitzt keine Arbeitnehmerrechte. Es ist eben ein Dienst. Ein Zwangsdienst, wenn du es so willst. Jedoch ist ein Dienst immer mit gesellschaftlichen Zwang unterlegt. Es ist eine uralte gesellschaftliche Treue und Fürsorgepflicht.
Mal ein Blick in die Geschichte. Lehnsdienst und Lehnswesen:
https://www.heraldik-wiki.de/wiki/Lehnswesen
Ein Blick ins Beamtenrecht:
Etymologie - Herkunft der Wörter
https://www.dwds.de/wb/etymwb/Dienst
Wogegen Arbeit, arbeiten immer aus der Notlage, einer Verschuldung, einer Versklavung oder ähnlichem herkommt. Arbeit ist immer mit asymmetrischer Macht verknüpft. Dem Geld bezahlenden und den Geld empfangenden. Und es ist immer Geld im Spiel, da Geld immer ein Mittel zur Machtausübung und Unterdrückung war.
Dienste ausüben jedoch nicht. Dienste übt man auch unentgeltlich aus.
https://www.dwds.de/wb/etymwb/Arbeit
Oder um es drastisch und kurz auszudrücken:
Da folge ich nicht. Natürlich ist es auch Zwangsarbeit, wenn man zu einem Zwangsdienst verpflichtet ist. Dieser ist ja so definiert:
Und ja, ich weiß, dass damals im Jahre 1930 die Staaten sich schön eine Ausnahme für den Militärdienst in das Abkommen zur Zwangsarbeit geschrieben haben. Aber am Ende des Tages ist Zivildienst Zwangsarbeit nach Definition dieses Abkommens. Und wir sollten dann nicht tun, als wäre es besser, dass man es jetzt Dienst nennt. Es ist eine Arbeit, die unter Androhungen einer Strafe verlangt wird und die nicht freiwillig erfolgt.
Ich war noch nicht fertig und hatte etwas angefügt.
Es ist halt nicht zur Maximierung des Profits eines Arbeitgebers, sondern für die Gesellschaft.
Der Zivildienst ist die Alternative zum Wehrdienst (dem Dienst für die Gesellschaft).
Du kannst jetzt natürlich wettern, dass vom Zivildienst ja doch marktwirtschaftlichen Arbeitgeber profitieren. Nun, wäre dir Straßenfegen, Parks säubern o.ä. für die Gemeinden lieber? Oder Brücken und Eisenbahnstrecken bauen?
Oder doch lieber nur den Wehrdienst und keine Alternative? Der Kriegsarbeit?
Edit: Wobei Kriegsarbeiter ja Söldner und Berufssoldaten sind
Es wäre sicherlich gerecht(er), wenn auch Frauen eingezogen werden würden, wie beispielsweise in Israel. Aber der Wehrdienst und Zivildienst sind genauso wenig Zwangsarbeit, wie Steuern Diebstahl sind. Beides erachten wir als Staat als notwendig. Alles was unser Zusammenleben regelt, ist Zwang. Zu den einzelnen Punkten kann man stehen wie man will, genauso wie man Parteien wählen oder wie man sich bei Parteien engagieren kann, die es abschaffen oder einrichten wollen. Und wer die meisten Wähler von der Richtigkeit seiner These überzeugt, kann sie dann auch umsetzen.
Wenn Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen würden, keine Karriereknicks wegen Geburt(en), Betreuung, Carearbeit und Pflege hätten, sondern das alles gerecht aufgeteilt werden würde, so dass sie sich beruflich gleichauf weiterbilden und - entwickeln könntten, wodurch sie dann auch nach getaner Arbeit die gleiche Rente bekommen würden, dann wäre es gerecht, dass sie auch zum Wehr- oder Zivildienst herangezogen werden würden. Doch gerade seit Corona haben wir uns in Deutschland diesbezüglich noch mal einige Schritte zurück entwickelt.
Das sehe ich fundamental anders und zwar aus einem Grund: Es ist ein Unterschied, ob der Staat etwas macht oder ob sich etwas aus privaten Entscheidungen ergibt. Etwas platt gesagt: Wenn man es selbst nicht schafft die familiäre Belastung gerecht mit seinem Partner aufzuteilen, dann ist es sicherlich nicht gerecht, wenn der Staat völlig unbeteiligte Jugendliche deswegen in Zwangsdienste presst.
So einfach ist das aber nicht, weil auch diese angeblich privat getroffenen Entscheidungen eben doch politisch, strukturell und gesellschaftlich extrem beeinflusst werden. Ich habe hier gerade einen interessanten Artikel dazu gefunden https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-auch-erwerbstaetige-muetter-uebernehmen-meist-grossteil-der-kinderbetreuung-57852.htm
Trotzdem finde ich es auch nicht gut, dass wieder eine globale Bedrohung besteht und wir uns ernsthaft über unsere Sicherheit Gedanken machen müssen. Gleichermaßen bin ich entsetzt, dass "wir" plötzlich davon überrascht werden, dass die Boomer in Rente gehen und wir gleichzeitig mit einem Mangel an Arbeitskräften und einem Boom an Pflegebedürftigen jonglieren müssen. Und ja, es ist wirklich nicht gerecht, dass alles auf die junge Generation abzuwälzen. Zumal ihnen zusätzlich noch schlechte Renten, Hitze und andere Klimakatastrophen sowie ein systematischer Abbau von natürlichen Lebensräumen, der auch weitere Pandemien begünstigt.
Also bei Arbeit kann ich mir (grundsätzlich zumindest) immer noch aussuchen welche Arbeit ich mache und für wen ich arbeite, bzw. nicht arbeite. Wenn ich ein moralisches Problem mit einem Job oder Arbeitgeber habe, kann ich einfach woanders arbeiten.
Bei Wehr- und Zivildienst gibt es diese Wahl nicht. Du wirst gezwungen dem Staat zu dienen, egal was du von ihm hältst, und auf welche weise kannst du dir auch nur sehr eingeschränkt aussuchen.
Und es kommt ja nicht mal was zurück. Der Staat fickt gerade seine Bürger:innen in allen Lebenslagen, allen voran die Jungen, und will sie dann zwingen ihm zu dienen? Der Staat hat auch die Aufgabe seinen Bürger:innen zu dienen und dieser Aufgabe kommt er aus meiner Sicht nur sehr mangelhaft nach. Dann aber immer mehr zu fordern ist nicht sozial oder der Gemeinschaft zuträglich, sondern ungerecht.
Der Dienst an der Gesellschaft ist uralt. Die Menschen haben immer gegenseitig eingestanden. Sei es mit Nachbarschaftshilfe, gemeinsamen Deichbau, Feuerwehren, und was auch immer. Das ist ein Geben und Nehmen. Und nie ein Aufrechnen.
Oder rechnest du die Nachbarschaftshilfe auf? Oder wenn du einem Freund hilfst, seinen PC geradezubiegen? Da ist kein Geld und kein Aufrechnen im Spiel. Im Gegenteil, du würdest dir die Freundschaft kaputt machen, wenn du ihn bezahlen wolltest oder umgekehrt Geld verlangst.
Das gibt es auch im Großen, in der Dorfgemeinschaft, in der Stadtgemeinde und im Staat.
Dein Argument ist nun hauptsächlich, warum soll ich der Gemeinschaft etwas geben und wie viel bekomme ich dafür?
D.h. du ziehst den Dienst an der Gemeinschaft in die martktwirtchaftliche Sphäre. Du sagst, ich mache nur etwas gegen Geld und Gegenwert. Ich werde der Gemeinschaft nicht dienen, sondern nur gegen Geld.
Das ist eine - auch wenn du es nicht merkst - zutiefst neoliberale Sicht auf die Menschen: Jede Aktion muss einen Gegenwert haben. Individualisiert, atomar, egoistisch.
Auch wenn du es nicht wahrhaben möchtest, ist es die soziale Pflicht der Menschen als Gemeinschaft einander beizustehen. Jeder mit dem, was er geben kann.
Landesverteidigung ist eine Sache, die keine Eltern von Kindern, keine Alten und auch keine Schwangeren machen können. Frauen eher in begrenzten Feldern. Armeen etc sind in der Menschheitsgeschichte immer mit jungen Menschen besetzt gewesen aus diesem Grunde. Das musst du nicht gut finden, so ist es aber leider.
Wir leben leider in Zeiten, die nicht mehr so friedlich sind, wie die letzten 20 Jahre. Da muss sich unsere Staat leider wehrhaft zeigen, denn so ein Putin hält alles andere vermutlich für eine Einladung.
Ich habe auch Wehrdienst bzw Zivildienst abgeleistet. Es ist keine Zwangsarbeit, eher das Gegenteil.
Edit: Ich kann den Frust über die Vermögensungleichheit und die verminderten Chancen verstehen. Ich lege dir ans Herz, dich ein wenig mit vorherigen Generationen zu beschäftigen. So bis zu 100 Jahre zurück. Dann bekommst du eine Idee in was für einer großartigen Zeit du lebst und welche unglaublichen Lebensmöglichkeiten du heute hast. Gegenüber früheren Jugendlichen.
Es geht nicht darum, dass ich nur was mache, wenn ich dafür bezahlt werde. Es geht darum, dass auch mal was zurückkommen muss. Wenn mein Freund mich immer nur anrufen würde wenn sein PC am Arsch ist und sonst nie, bzw. wenn ich Hilfe brauche irgendwie nie Zeit hat, dann würde ich mir verarscht vorkommen. Und genau so agiert der Staat gerade. Er gibt einen Fick auf junge Leute, er gibt einen Fick auf arme Leute, er gibt einen Fick auf Schutzsuchende, er gibt einen Fick auf so ziemlich jeden, der nicht sowieso schon wohlhabend ist und verlangt gleichzeitig, dass die die er mit Füßen tritt springen wenn sie zum Dienst gerufen werden. Wenn das Nachbarschaftshilfe sein soll, dann will ich nicht in dieser Nachbarschaft leben...
Ich werde hier jetzt nicht die CxU Politik verteidigen. Die finde ich auch bescheiden.
Um beim Bild des Gamer Kumpels zu bleiben: Vor ein paar Jahren war er regelmäßig bei dir hat dir Wasserpistolen geliehen, die Actionfiguren geschenkt und das zweite Walkietalkie gegeben. Hast du nur vergessen, weil es so lange her ist.
Der Staat hat dir bisher bei der Schule geholfen, Freibädern, Nahverkehr, Spielplätzen und so weiter und so fort.
Aber was hat der Staat je für uns getan, außer den Schulen, dem Nahverkehr, den Freibädern und den Spielplätzen?
Hehe
Irgendwie erschreckend, wie treffend diese inzwischen 47 Jahre alte Parodie doch immer noch ist.
Noch erschreckender ist nur, wie krass der Neoliberalismus die Hirne der Leute zerfressen und mit grenzenlosem Egoismus infiziert hat. Und wie ausgerechnet Leute, die sich selbst dem linken Spektrum zuordnen, den Staat nur als reinen Dienstleister begreifen, statt als ein Gemeinwesen, eine Solidargemeinschaft, in die man sich einbringen muss, und, viel schlimmer noch, das sich Einbringen als reine marktwirtschaftliche Transaktion im Sinne eines Arbeitsverhältnisses sehen. Das finde ich richtiggehend abstoßend.