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this post was submitted on 18 Feb 2026
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MODERATORS
Man kann sich gar nicht nuklear verteidigen, das ist einfach Bullshit ohne Ende. Bei Nuklearwaffen ist der, der zuerst den Knopf drückt, einfach nur als zweiter tot. Das wars. Da gibt's keine Gewinner, keine Verteidigung und was tatsächlich passiert ist, steht in den Geschichtsbüchern der verschiedenen Seiten sowieso später in unterschiedlichen Versionen drin.
Es ist traurig, wie kriegsgeil im Moment alle sind. Ich hoffe ja, dass das im schlimmsten Fall nur wieder in einem kalten Krieg endet.
Mit "verteidigen" im Kontext von Nuklearwaffen ist "abschrecken" gemeint.
Also bei putin scheint die nukleare Verteidigung ganz gut zu funktionieren. Selbst nord Korea scheint es nicht zu schaden. Iran sieht das ganz anderes, da hast musst du ständig damit rechnen das dir ne Bombe auf den Fuß fällt.
Nukleare Verteidigung ist weniger eine defensive Waffe, mehr eine Mauer.
Der Iran hat halt bis jetzt noch nicht bewiesen, dass er eine Atommacht ist. Normalerweise tut man das, indem man sich eine Atombombe besorgt (üblicherweise, indem man sie baut, kaufen kann man die eher nicht) und zu Testzwecken zündet. In der Regel erzeugt eine nukleare Detonation eine von sehr weit weg messbare eindeutige Signatur (welche genau, hängt ein bisschen davon ab, wo man die Bombe zündet, atmosphärische Detonationen haben eine sehr eindeutige optische Signatur und setzen eine recht eindeutige Mischung an Spaltprodukten frei, unterirdische Detonationen haben eine eindeutige seismische Signatur), danach wissen also Alle mit der entsprechenden Messausrüstung (z.B. andere Atommächte), dass man Atomwaffen hat.
Genau diese Logik ist die Verteidigung, denn sie ist die ultimative Abschreckung gegen einen Angreifer.
Keine Angst, nach einem größeren nuklearen Konflikt wird nichts mehr in Geschichtsbüchern stehen, weil es keine mehr gibt. Denn falls es überhaupt Überlebende geben sollte, werden die besseres zu tun haben, als Bücher zu schreiben.
Prinzipiell schon, die meisten Nuklearwaffen sind nicht als Stadtvernichter gedacht, sondern als Schlachtgewinner. Nennt sich taktische Kernwaffe und die haben eine sehr viel schwächere Explosionskraft.
Nicht grundlos haben Russland/USA sehr viel weniger Interkontinentalraketen als Atombomben. Sich gegenseitig die Städte zu zerstören ist die allerletzte Eskalationsstufe.
Das Problem: Die europäischen (Frankreich, Großbritannien) Nuklearmächte haben keine/wenige davon. Wenn Russland nun als Kampfmittel nukleare Atillerie verwenden würde, gäbe es keine, nicht-eskalierende Antwort. Du kannst nicht einfach eine 100 Kilotonnen TNT Bombe abwerfen, wenn vereinzelt 500 Tonnen TNT Artillerie verwendet wird.
Dass es weniger Raketen gibt, als Sprengköpfe, hat aber mehr Gründe, als nur die Existenz taktischer Atomwaffen.
Strategische Interkontinentalraketen tragen seit den 1970er Jahren Mehrfachsprengköpfe, da gibt/gab es Modelle, die bis zu 16 einzelne Sprengköpfe tragen können. (Ein Teil dieser Kapazität wird auch, seitdem es Raketenabwehr gibt, für Fake-Sprengköpfe benutzt, um die Abwehr zu erschweren, denn damit weiß man nie, ob man die sehr begrenzt vorhandene Abfangraketen auf einen Dummy abschießt, oder auf einen scharfen Sprengkopf)
Außerdem gibt es Reserven, weil Nuklearsprengköpfe Wartung brauchen (z.B. müssen Bestandteile, die radioaktivem Zerfall unterliegen und dadurch ihre Funktion verlieren, regelmäßig ausgetauscht werden)
Die meisten taktischen Waffen haben eine mit den Bomben von Hiroshima und Nagasaki vergleichbare Sprengkraft, die sehr kleinen Waffen mit "nur" einigen hundert Tonnen TNT-Äquivalent sind inzwischen scheinbar größtenteils außer Dienst gestellt.
"Geringe Sprengkraft" ist hier hauptsächlich im Kontext der möglichen Sprengkraft strategischer Sprengköpfe zu sehen. In dem Bereich gab es im Vergleich zum frühen kalten Krieg auch eine Reduktion, die hauptsächlich der zunehmenden Präzision der Trägersysteme geschuldet ist, denn wenn man die Explosion zuverlässig näher ans Ziel bringen kann, braucht man keine so große Explosion mehr, um das Ziel zu zerstören. Auch nukleare Bunkerbrecher brauchen heute keine (wirklich absurd) riesige Sprengkraft mehr, weil es inzwischen möglich ist, die Sprengköpfe so robust zu bauen, dass man sie in einer Bombe einbauen kann, die mit hoher Geschwindigkeit tief in den Boden eindringt, bevor sie explodiert. Mit frühen Sprengköpfen war das nicht möglich, deswegen wurden frühe nukleare Bunkerbrecher per Fallschirm auf dem Boden über dem zu zerstörenden Bunker abgelegt und sollten dann mit einer Sprengkraft von mehreren Megatonnen eine Druckwelle erzeugen, die auch tief gelegene Bunker zerstört. Ein Großteil der Druckwelle ist dabei dann oberirdisch mit den damit verbundenen Zerstörungen, die eine Bodendetonation einer thermonuklearen Waffe von mehreren Megatonnen halt so mit sich bringt, "verpufft". (Bodendetonation heißt geringerer Radius der Zerstörung durch Druckwelle und Hitzewirkung im Vergleich zu Luftdetonation, dafür allerdings wesentlich mehr radioaktiver Fallout durch in die Luft geschleuderten, mit Spaltprodukten vermischten und durch Neutronenstrahlung radioaktiv gemachten Boden)
Ein Teil der Waffen mit "geringer" Sprengkraft waren auch Neutronenbomben, die z.B. zur Bekämpfung großer Panzerverbände gedacht waren, denn Panzer sind relativ immun gegen die Spreng- und Hitzewirkung von Nuklearwaffen, starke Neutronenstrahlung würde aber die Besatzungen töten und noch dazu die Panzer (und das umgebende Gelände) selbst so radioaktiv machen, dass sie auch nicht mit neuer Besatzung wiederverwendet werden könnten. Auch zur Abwehr nuklear bestückter Raketen und Bomber hat man Neutronenwaffen eingesetzt, dabei sollte die starke Neutronenstrahlung die spaltbaren Materialien in den gegnerischen Sprengköpfen unwirksam machen. (Ein reiner Abschuss des Trägersystems hätte nicht gereicht, denn gerade strategische Waffen waren in der Regel mit einem Zündmechanismus ausgerüstet, der auch bei Abschuss des Trägersystems eine Detonation des Sprengkopfes ausgelöst hätte) Es ist eine Fehlinterpretation, dass Neutronenwaffen nur Menschen töten, aber Infrastruktur intakt lassen. Der Bereich der sofort tödlichen Strahlungswirkung ist in der Regel nicht größer, als der Wirkungsbereich der Druckwelle und Hitzestrahlung, außer bei besonders gegen Druckwellen und Hitze geschützten Zielen (z.B. Panzer). Außerdem macht die Neutronenstrahlung praktisch alle Materialien, die sie trifft, selbst (oft für lange Zeit) so radioaktiv, dass auch augenscheinlich unbeschädigte Infrastruktur danach nicht mehr nutzbar wäre.
Das Fehlen einer glaubwürdigen Eskalationskette kann tatsächlich ein Problem sein. Denn es ist fraglich, ob ein Gegner einer kleinen Nuklearmacht die Drohung abnehmen wird, die eigene Vernichtung zu riskieren, indem sie auf einen begrenzten Einsatz taktischer Nuklearwaffen gegen einen Verbündeten mit einem Einsatz von strategischen Waffen gegen strategische Ziele reagiert.