Verantwortung in der Kommunikation
„Ich hab das nicht so gemeint“, ist bei der ersten Verwendung tatsächlich etwas wie ein Joker. Dann kann echtes Lernen voneinander stattfinden. Um ihn allerdings tatsächlich gut zu machen, bräuchte es Nebensätze z.B.:
- „Ich hab das nicht so gemeint, ich werde das in Zukunft versuchen anders zu machen.“
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber das hat mich jetzt tatsächlich mal angestoßen über meine Formulierung nachzudenken.“
- „Ich hab das nicht so gemeint, aber ich schaffe es nicht das anders zu formulieren. Welchen Kompromiss können wir finden?“
Leider ist es meist ein weniger positiver Gedanke der unausgesprochen mitschwingt: „Stell dich nicht so an und lerne es so zu betrachten wie ich es meine.“. Besonders wenn er noch mal zur selben Formulierung fällt.
Kommunikation ist kein Selbstläufer, sie ist Hochleistungssport für Mutige. Was ich bei jeder Kommunikation als Hauptziel erreichen will, auch wenn das Erreichen sehr schwer ist: Genau das was ich wirklich gemeint habe, soll beim Gegenüber ankommen. Alles andere (Beziehungspflege, Selbstwert usw.) ist erst mal Dekor für mich. Und für dieses Ankommen muss ich mein Gegenüber kennenlernen und wer klar Wut oder Verletzung über meine Worte äußert gibt mir enorm wichtige Informationen. Emotion ist dabei also kein Hindernis, sondern kann Teil der Information oder die ganze Information sein.
Kommunikation - besonders mit Menschen mit denen man länger Kontakt möchte - bedeutet meiner Meinung nach Verantwortung zu übernehmen, lange nicht nur für die eigene Absicht, sondern besonders für die Wirkung. Sie ist alles was der Empfänger bekommt, mehr steht ihm nicht zur Verfügung. Man sollte lernen wollen, sich so auszudrücken, dass beim anderen ankommt, was man tatsächlich meint. Das ist schwer, je weiter die Lebenswelten der Kommunizierenden voneinander entfernt sind, je weniger Überschneidung ihre Blasen haben, desto schwieriger wird eine gelungene Kommunikation. Doch Kommunikation bedeutet für mich nicht vorrangig Talent. Sie ist ein Handwerk, eine Haltung, ein ständiges Training. Wer sie ernst nimmt, nimmt seine Mitmenschen ernst.
Und bitte macht aus dem wunderbaren Lerneffekt, der nach "Ich hab das nicht so gemeint." eigentlich entstehen kann: "So können diese Worte also wirken, ich werd mal drüber nachdenken ob ich das nicht anders sagen kann, denn ich meine ja was anderes." keine Influencer-Entschuldigung alla: "Tut mir leid, das du nicht genug Humor hast um über meinen ach so lustigen Witz zu lachen. Oder: Tut mir leid, dass du meinem ach so klugen Gedanken nicht folgen kannst. Oder: Jetzt hab ich einmal erklärt wie ich diese für dich verletzenden Worte meine, ab jetzt bist du verpflichtet sie RICHTIG zu verstehen (richtig bedeutet so wie ich sie meine)."
Wie steht ihr zu "Ich hab das nicht so gemeint."