Ich sehe da schon einen Unterschied zwischen Kritik und Pauschalurteil und damit einhergehender Ablehnung. Das eine lässt Raum zu, erkennt aber grundsätzlich an, das andere lehnt komplett ab. Vgl. Paartherapie vs Scheidung.
Und ich denke, du letztendlich auch. Denn in deinem Beispiel sprichst du von "korrupte Politiker", die kritisiert werden dürfen sollen (ist das deutsch?). Die Rote Hilfe kritisiert aber nicht nur korrupte Politiker, sondern pauschal die Gesamtheit der Politiker. Die Justiz ist pauschal Klassenjustiz, linker Protest ist pauschal immer gerechtfertigt. Das meine ich mit pauschal und das ist mir zu simpel.
Die konkrete Umsetzung des Rechtsstaates bzw. unseres Systems in Gänze ist Ergebnis demokratischer Prozesse und stetiger Legitimierung. In der Umsetzung absolut(!) nicht perfekt und in jedem Fall stets verbesserungswürdig. Aber legitimiert von uns als Gesellschaft und damit für uns alle gültig. Änderungen geschehen über den Weg der parlamentarischen Demokratie - nicht mit Gewalt, nicht am System vorbei. Erkenne ich nun eigenmächtig Teile dieses Konstrukts nicht mehr an und begebe mich in Fundamentalopposition - und sei es für hehre Ziele, was ich ja gerne glauben will - dann verlasse ich den gemeinsamen Boden dieser Gesellschaft, und genau das ist scheiße an Extremismus. Es bedarf wohl nicht viel Phantasie, sich auszumalen, wie so die Zustände wären, wenn einfach fortan jeder nur noch die Regeln befolgt, die er für gerechtfertigt hält. Wenn du Änderungen willst, geh den Weg durch die Institutionen unserer Demokratie. Klar ist das mühsamer und lange nicht so prickelnd wie vermeintliche Abkürzungen des "Übers-Recht-Hinwegsetzen", aber nur so ist das am Ende auch gesellschaftlich legitimiert. Schau dir Eralp an: sie hat sich nicht mit Straßenkampf ins Rathaus geputscht, sondern Mehrheiten im System gewonnen.