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Krank zur Arbeit gehen ist in Deutschland wieder Thema: Friedrich Merz stellt Krankentage infrage, während über Krankenstand, elektronische AU und mögliche Teilzeitkrankschreibungen diskutiert wird. Dabei geht es nicht nur um Fehlzeiten, sondern um die Frage, welche Folgen Anwesenheitszwang für Beschäftigte, Kolleg:innen und Unternehmen hat. In der Folge geht es um Präsentismus: Menschen erscheinen krank am Arbeitsplatz, obwohl sie sich auskurieren sollten. Das kann Krankheiten verschleppen, andere anstecken und langfristig teurer werden als reguläre Krankentage. Auch psychische Erkrankungen, Burnout, Stress am Arbeitsplatz und der Druck, im Team nicht fehlen zu dürfen, spielen eine zentrale Rolle. Außerdem geht es um die politische Debatte von CDU und SPD. Ausserdem um Friedrich Merz, Carsten Linnemann und Lars Klingbeil, um Krankmeldungen, Arbeitskultur und die Frage, warum Krankheit oft moralisch bewertet wird. Zwischen Krankenstand, Leistungsdruck und Fürsorgepflicht der Arbeitgeber zeigt sich: Wer krank ist, braucht Erholung und keinen Anwesenheitszwang.

In Kooperation mit CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft

Mehr vom von kriegundfreitag gibt es hier https://www.instagram.com/kriegundfreitag/?hl=de

Autor*innen:
Anna Bartling, Johannes Floehr, Carl Frank, Jean-Philippe Kindler, Felix Treder

Produktionsleitung: Seven Elias
Produktionskoordination und Aufnahmeleitung: Lea van Acken
Musik: Boris Loebsack
Animationen: Amelie Runkel https://www.amelierunkel.com/
Bühnenbild: Florian Biege, Seven Elias, Joni Marlene Lützen Hollingsworth
Produktion Hamburg: erstegrossefreiheit Filmkollektiv @erstegrossefreiheit erstegrossefreiheit.de Schnitt: Noah Wankner, Katharina Hamann, Bastian Wirth, Jan Vogt, Seven Elias, Luke Cronauer, Sascha Gerlach

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[-] Tartufo@lemmy.world 8 points 1 day ago* (last edited 1 day ago)

Die Sache mit Teilzeitkrankschreibung ist halt, dass ich gerade bei manchen(!) psychischen Sachen sehen kann, wie das gegebenenfalls(!) Einzelnen(!) (in Absprache mit und unter Aufsicht der entsprechenden Therapeuten/Arzt/beiden) helfen kann.

Das Problem ist aber, dass dann wieder von der Masse nicht im Einzelfall geschaut werden wird, sondern einfach jeder pauschal verurteilt werden wird, der nicht die Teilzeitkrankschreibung nutzt. Da wird dann nur wieder Druck aufgebaut, der gerade bei psychischen Sachen wieder extrem schädlich ist... Also so ein Mist wie: "Ey Sabine, warum bist du mit deiner Depression voll krank? Guck mal auf Günther, der hat auch Depressionen und ist zu 75% da! Hab dich mal nicht so!" (Ja danke, Sabine geht es auch ohne so unqualifizierten Rotz schlecht genug.)

Gerade auch weil so viele meinen nur weil sie mal einen schlechten Tag hatten, wären sie Experten auf dem Gebiet der Depressionen u.Ä. Und das ist dann wieder insgesamt extrem schädlich und absolut abzulehnen.

Daher halte ich die ganze Teilzeitkrankschreibung insgesamt für keine gute Idee. Dass Merz das toll findet, sorgt nur noch mehr dafür, dass das abzulehnen ist.

[-] KatherinaReichelt@feddit.org 4 points 15 hours ago

Ich sehe da die ähnlichen Probleme, wie du. Abgesehen von diesen von dir beschriebenen schädlichen Dynamiken, sehe ich auch ein ganz fundamentales Problem. Deine Stelle ist ja im Betrieb mit Vollzeit vorgesehen. Bist du krank, wirst du von den Kollegen vertreten. Wenn du allerdings dann in Teilzeit da bist, dann passiert es ganz schnell, dass deine Kollegen dich eben nicht sauber vertreten, sondern dir doch die Arbeit überlassen und du dann am Ende des Tages doch 100% der Arbeit in der Hälfte der Zeit erledigen muss. Während du krank bist.

Ich habe das leider in meinem Berufsleben schon häufiger erlebt. Und zwar noch nicht mal in Krankheitssituationen, sondern in regulären Abwesenheiten. Dann hat man einen Tag Urlaub, die Kollegen müssten einen vertreten, aber dann kommt man wieder und nichts wurde gemacht. Ich war eine Woche im Urlaub und alles blieb liegen. Ich konnte also nach dem Urlaub fleißig die Woche extra Arbeit abarbeiten. Ich hatte mir einen Tag freigenommen und natürlich hat keiner irgendwas vertreten.

In einem gut funktionierenden Team kann das sicher funktionieren. Das muss aber sauber besprochen und auch von den Chefs nachgehalten werden. Das Problem ist, dass ein nicht kleiner Teil der psychischen Erkrankungen ja arbeitsbedingt sind, was im Kern bedeutet, dass entsprechende Regeln dann nicht umgesetzt werden und du dann mit Teilzeitkrankschreibung trotzdem die volle Arbeit machen sollst und im Zweifelsfall von deinem Arsch von Chef einen auf den Deckel kriegst, warum du nicht alle deine Arbeit gemacht hast.

[-] cows_are_underrated@feddit.org 4 points 17 hours ago

Würde dem zu 100% zustimmen. Eine Teilzeitktankschreibung kann, wenn sie gut umgesetzt wird, sehr cool sein. Vor allem wenn man Spaß an dem eigenen Job hat ist es durchaus gut, wenn man dann nach den eigenen Möglichkeiten arbeiten kann/will. Ich vertraue der deutschen Politik und den Arbeitgebern aber nicht genug, als dass ich denen zutraue eine Teilzeitkrankschreibung tatsächlich sinnvoll zu nutzen.

[-] trollercoaster@sh.itjust.works 4 points 16 hours ago

Wenn die jüngere Vergangenheit irgendwas gezeigt hat, dann, dass Alles, was aus der deutschen Politik kommt und "Teil" im Namen hat, absolute dumme Scheiße ist und im besten Fall nicht funktioniert, im schlechtesten Fall aber hart kontraproduktiv ist.

[-] aaaaaaaaargh@feddit.org 1 points 20 hours ago* (last edited 20 hours ago)

Das einzige, was mich einigermaßen beruhigt hat an dem Thema, ist, dass die Teilzeitkrankschreibung erst nach mehreren Woche gelten soll und der Freiwilligkeit beider Seiten bedarf. Das könnte auch eine Chance sein für manche, bei längerer Krankheit überhaupt im Job zu bleiben.

In dem Fall wäre es eher eine Ausnahmeregelung, die jetzt möglich gemacht würde, anstatt ein weiteres Druckmittel einer ideenlosen Regierung mit einem Mindset der 1960er. Aber das ist auch nur lebensnotwendiger Optimismus meinerseits.

[-] Tartufo@lemmy.world 1 points 17 hours ago* (last edited 17 hours ago)

Weniger schön finde ich, dass die Freiwilligkeit des AG/Angemessenheit des Arbeitsplatzes einfach angenommen wird, wenn der AG innerhalb einer Frist keine Stellung nimmt. Zumindest nach dem was ich sonst noch so hierzu gefunden habe.

Ich seh da schon eine ganze Reihe AGs einfach die Frist verstreichen lassen, damit der Angestellte schön auf einen Arbeitsplatz zurück kommt, bei dem sich nie jemand wirklich Gedanken ums "geeignet bei Erkrankung X" gemacht hat. So lang ist die Frist nämlich nicht...

this post was submitted on 14 May 2026
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