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Geld ist Existenz (thelemmy.club)

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Ich denke es ist ein recht deutsches Phänomen, dass man über Geld nicht spricht. Direkt über das Einkommen zu reden wirkt immer fast anrüchig. Das hat nicht nur negative Effekte, wie ich finde, denn so gibt es auch nicht den direkten Vergleich in Familien oder Freundesgruppen. Ich glaube allerdings, dass genau durch diese kulturelle Eigenheit, viele Menschen unterschätzen, wie grundlegend Geld eigentlich ist. Das liegt glaube ich nicht mal daran, dass sie ignorant wären, sondern daran, dass zum Glück viele Menschen von mehr als dem Existenzminimum leben. Und auch im nahen Umfeld nur Leute haben, die nicht darunter fallen. Das reicht meist dass man nicht erlebt, dass eine kaputte Waschmaschine das Leben in den nächsten Monaten komplett umkrempelt.

Wenn man über längere Zeit wirklich wenig Geld hat, verändert sich der Blick auf die Welt. Das Problem ist dabei nicht einmal in erster Linie der Verzicht. Menschen können auf erstaunlich vieles verzichten. Man kann lernen, selten essen zu gehen. Man kann lernen keine Markenprodukte mehr zu essen und zu benutzen. Man kann lernen, mit alten Möbeln zu leben. Man kann lernen, Kleidung lange zu tragen. Man kann sogar lernen, Wünsche aufzuschieben. Das eigentliche Problem ist, dass man ständig Sicherheit gegen etwas anderes eintauscht.

Wer genug Geld hat, kauft sich eine Hose und besitzt danach eine Hose. Wer sehr wenig Geld hat, kauft sich eine Hose und besitzt danach ebenfalls eine Hose, aber gleichzeitig hat er einen Teil seiner Sicherheit ausgegeben. Das klingt zunächst merkwürdig, wird aber sofort verständlich, wenn man sich klarmacht, dass diese dreißig Euro am Ende des Monats möglicherweise darüber entscheiden, ob eine Abbuchung funktioniert oder zurückgeht oder eben noch der verdammte Wasserkocher kaputtgehen darf. Dasselbe gilt dafür sich einen Restaurantbesuch, ein Computerspiel oder einen neuen Toaster zu leisten. Jeder Kauf ist gleichzeitig die Entscheidung, auf einen Teil des Puffers zu verzichten, der einen vor den Problemen des nächsten Monats schützt.

Spontankäufe spürt man also Ende des Monats, aber auch die Fehlertoleranz sinkt dramatisch. Damit meine ich, wenn dir dein Handy ins Klo fällt, wenn du auf deinen Wohnzimmertisch stolperst... dann wirst du eine Weile ohne leben oder wieder Sicherheit abgeben. Genauso wenn du nichts dafür kannst dass etwas kaputt geht. Der Puffer muss alles gleichzeitig abdecken. Ob etwas selbst verschuldet ist oder zufällig passiert, ob etwas aus Notwendigkeit oder aus Überschwang gekauft wurde spielt praktisch keine Rolle mehr, weil alles denselben Effekt hat: sofort weniger Spielraum.

Noch weniger Toleranz gibt es bei Behördenangelegenheiten. Fristen, Anträge, Bearbeitungszeiten, was muss beim Antrag mit dabei sein, auf was habe ich Anspruch, das muss man alles wissen oder jemand haben der es weiß, oder man muss mit Abstrichen vom Existenzminimum rechnen, zumindest mit Überbrückungszeiträumen.

Und wer soll beim Überbrücken helfen? Die Bank sicher nicht, Kredithaie sind ne schlechte Idee, bleiben Familie, enge Freunde oder der Partner (dazu kommen wir gleich noch ausführlicher). Wenn deine Armut schon länger andauert und wahrscheinlich auch nicht bald enden wird, dann ist das ein zutiefst bitteres Geschäft für alle Beteiligten. Jede Familie und jeder Freundeskreis regelt das anders, aber einen Fall von Armut im Kreis zu haben vergiftet alles doch zumindest ein bisschen. Eine Seite: "Wie oft wird sieer noch Geld brauchen?", "Werde ich es zurückbekommen?", "Ist es ok ihmihr nichts geliehen zu haben, obwohl es ihmihr schlecht geht?", "Ich brauche das den Monat eigentlich zurück, kann ich das ansprechen?", "Wäre sieer jetzt hier, wenn ich kein Geld geliehen hätte?"; andere Seite: "Denkt sie*er ich wäre nur hier weil ich Geld brauche?", "Bin ich insgeheim nur deshalb hier?", "Wenn ich sage ich kann mir Wandern auf Korsika nicht leisten, was wird passieren?" solche leisen, inneren Prozesse meine ich. Meist bauen sich Freundeskreise aber ja schon auf Grund der Aktivitätsmöglichkeiten ja dann doch auch ein wenig entlang der Einkommensgrenzen auf.

Menschen sagen dann oft, man solle eben kostenlose Dinge machen. An den Strand oder in den Wald gehen zum Beispiel. Das klingt vernünftig, blendet aber meist aus, dass auch kostenlose Dinge Voraussetzungen haben. Neben der Versorgung dort, die natürlich auch mit Leitungswasser und mitgebrachtem Essen funktioniert, ist die wichtigste Frage: Von wo starte ich? In vielen Fällen wohnen Menschen am Existenzminimum in Kleinstädten oder recht rauen Stadtgebieten. Hauptsache Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Von dort aus ist vieles zu erreichen, manches umständlich, manches gar nicht. Aber sagen wir ein schönes Waldgebiet oder ein See liegt in 30 Minuten ÖPNV-Reichweite. Was muss dafür gegeben sein? Ein Ticket. Ein Ticket ist eine Entscheidung, entweder in Einzelfällen (geht aber irgendwann ins Geld), oder noch ein Abo mehr auf dem ächzenden Konto.

Ja, dann die Liebe... das ist jetzt mal nur meine Position, weil meine Meinung hier sehr radikal ist. Ich war mein Leben lang arm und die meisten meiner PartnerInnen waren es nicht. In meiner ersten längeren Beziehungen hab ich noch finanzielle Hilfe angenommen, damals hab ich noch studiert und auf Besserung der Lage gehofft. Mir wurde das nie direkt vorgeworfen oder irgendwas gefordert, aber ich konnte das weder vor mir, noch vor ihm, noch vor seinem Umfeld rechtfertigen. Ich hatte auch danach Partner mit teils sehr viel höherem Einkommen, aber für mich gibt es da keinen "gemeinsamen Topf". Es ist manchmal hart, weil ich nicht alles mitmachen kann, was mein Gegenüber gern unternehmen möchte usw.. Aber so behalte ich meinen Stolz und mein Gegenüber das Wissen, dass ich zu 100% nicht aus finanziellen Gründen bei ihm bin.

Wenn ich also „Geld macht nicht glücklich“ höre, lache ich bitter auf, und ich kann mir nur selten verkneifen etwas zu sagen wie: "Nein, macht es nicht automatisch. Aber es ist die Grundlage zum Essen, Wohnen, Kleidung tragen... es ist die Grundlage zum Leben." In diesem Sinn glaube ich tatsächlich, dass Geld Existenz ist.

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Diese Playlist entstand Ende Mai 2026.

Genauer gesagt entstand sie in einem dieser seltenen Momente, in denen man plötzlich merkt, dass etwas Schönes möglich sein könnte und jeder Schritt bis hierher den Weg bereits wert war.

Ich stand im silbrig-goldenen Licht, dass die Küste gepachtet zu haben scheint, hinter der Kaiser-Wilhelm-Brücke und schaute auf das wie so oft unverschämt blaue Hafenwasser meiner geliebten Schlicktown.

Und um diesen eh schon perfekten Moment noch unglaublicher zu machen hörte ich in diesem Augenblick zum ersten Mal Johnny Cashs Version von Leonhard Cohens "Bird on a Wire". Der Song erzählt von Freiheit, von Fehlern und von den Menschen, die wir dabei verletzen oder verlieren können und dem Versuch, trotz allem seinen eigenen Weg zu gehen. Über einen Menschen, der zurückblickt, bereut, hadert und trotzdem weitergeht. Und Johnny Cash interpretiert das Werk dabei auf ganz eigene Weise, mit Cohnen ebenbürtiger schwindelerregender Tiefe. Zwei Giganten der Ehrlichkeit, die sich voreinander verneigen.

Derart überwältigt wartete ich auf mein Date, der mich zu diesem Zeitpunkt schon so sehr mit seiner Offenheit und Reflektiertheit vom Hocker gehauen hatte, dass ich wusste, jede Sekunde mit diesem Mann ist es wert. Was auch immer daraus wird.

Was zunächst aus dem musikalischen Moment wurde war eine Playlist, die ich daraufhin zusammenstellte um diesen Gefühlen von Wahrhaftigkeit und freudiger Ungewissheit Ausdruck zu verleihen. Nicht weil sie inhaltlich die letzten Tage zusammenfassen, sondern weil sie diese glitzernden Momente ausdrücken.

Freudige Ungewissheit - Spotify

Freudige Ungewissheit - YouTube

The Builders and The Butchers - Black Dresses

Johnny Cash - Help Me

The Kinks - Waterloo Sunset

Johnny Cash - Rusty Cage

The Kinks - Strangers

The Devil Makes Three - Graveyard

T. Rex - Hot Love - A Side

The Devil Makes Three - To the Hilt

The Kinks - You Really Got Me

The Devil Makes Three - Chained to the Couch

The Kinks - Sunny Afternoon

The Devil Makes Three - All Hail

The Kinks - A Well Respected Man

Johnny Cash - Four Strong Winds

Johnny Cash - Country Trash

The Kinks - Lola

The Easybeats - Friday On My Mind

The Animals - It's My Life

Pete Bernhard - Straight Line

The Devil Makes Three - Chase the Feeling

T. Rex - Jeepster

The Haunted Windchimes - Out With the Crow

The Box Tops - The Letter

Johnny Cash - Bird On A Wire

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Disclaimer und Grundlage

Dieser Text beschäftigt sich nicht mit der Frage, ob die beschriebenen Ereignisse historisch genau so stattgefunden haben, ob Jesus tatsächlich Gottes Sohn ist, ob er wirklich auferstanden ist oder ob Wunder real so passiert sind. Diese Fragen sind für diesen Text nicht entscheidend.

Grundlage ist eine verbreitete deutsche Bibelübersetzung, konkret die „Gute Nachricht“. Sie wird hier nicht als dogmatische oder theologische Autorität verwendet, sondern als allgemein zugängliche, verständliche Fassung dessen, was im Neuen Testament über Jesus erzählt wird. Ich habe persönlich ursprünglich mit der Lutherbibel gelernt, aber für diesen Text ist Verständlichkeit wichtiger als sprachliche Tradition.

Warum dieser Text?

Ich schreibe diesen Text nicht aus Ablehnung gegenüber Religion oder Kirche. Ich bin evangelisch geprägt, habe Konfirmandenunterricht erlebt und war als junger Mensch der Kirche durchaus positiv gegenüber eingestellt. Ich habe lange versucht, an das zu glauben, was dort vermittelt wird, weil mir vieles daran sympathisch ist. Ich kann es dennoch nicht glauben. Nicht aus ideologischer Entscheidung, sondern weil ich es innerlich nicht kann. Ich glaube nicht an Gott, nicht an ein Leben nach dem Tod und nicht an eine Auferstehung.

Trotzdem hat mich das, was über Jesus im Neuen Testament überliefert ist, nachhaltig beeindruckt. Bei der Vorarbeit für diesen Text habe ich viel erneut gelesen und an einigen Stellen war ich auch irritiert, aber an anderen wieder hingerissen von der wunderschönen Klarheit dieser Worte. Aber es schockiert mich, wie manche offiziell den Lehren von Jesus Christus folgen und dennoch für Ausgrenzung von Menschen argumentieren. Vielleicht habe ich ja etwas falsch verstanden, weil ich nicht glaube, ihr dürft mich gern widerlegen oder noch lieber selbst in diesen Texten versinken. Schlagen wir also das "Buch der Bücher" endlich mal wieder auf.

Gewaltlosigkeit

Vom Vergelten (Matthäus 5,38-42)

"38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist 2. Mose 21,24: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. 40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will."

Von der Feindesliebe (Matthäus 5,43-45)

"43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« 3. Mose 19,18 und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte."

Diese Aussagen reden nicht davon dass man "nett" sein soll, oder nicht so dolle nachtragend. Sondern fordern radikal für Feinde zu beten, sie zu lieben und ihnen mehr als gefordert geben, sollten sie Forderungen stellen oder angreifen. Das ist in der Realität schwer umsetzbar. Allerdings sind es Ideen von Deeskalation und Unterbrechung von Gewaltspiralen von vor 2000 Jahren, nach Ideen von Gott (angeblich).

Zuwendung zu Ausgegrenzten

In den Erzählungen wird Jesus immer wieder im Kontakt mit Menschen gezeigt, die gesellschaftlich oder religiös am Rand stehen.

Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern (Matthäus 9,10-13)

"10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. 11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. 13 Geht aber hin und lernt, was das heißt Hos 6,6: »Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer.« Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder."

Für Jesus ist es also quasi selbstverständlich mit den "Sündern" zu essen. Er geht nicht zum belehren hin, er isst mit ihnen zusammen.

Vom Weltgericht (Matthäus 25,34-40)

"34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."

Manchmal reißen die Worte auch mich mit, obwohl ich an keinerlei Leben nach dem Tod glaube, denn dass ist was ich möchte, dass Menschen im Leben glauben. Das ist was ich versuche zu leben.

Radikale Vergebung

Vom verlorenen Sohn (Lukas 15,21-24)

"21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. 22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße 23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein! 24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden."

Diese Geschichte wirkt fast ungerecht, der eine Sohn zieht mit dem Geld des Vaters aus und verprasst und sehr egoistisch gehandelt, der andere bleibt auf dem Hof und arbeitet mit dem Vater. Dennoch wird er euphorisch willkommen geheißen und ihm wird sofort vergeben.

Jesus und die Ehebrecherin (Johannes 8,3-7)

"3 Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte 4 und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. 5 Mose hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? 6 Das sagten sie aber, um ihn zu versuchen, auf dass sie etwas hätten, ihn zu verklagen. Aber Jesus bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 7 Als sie ihn nun beharrlich so fragten, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie."

Hier geht es nicht mal um Vergebung, sondern um eine radikale Spiegelung, dass selbst die, die sich als gerecht erachten schon die eigenen Maßstäbe gebrochen haben.

Der Pharisäer und der Zöllner (Lukas 18,9-14)

"9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

Frömmigkeit wird hier also geringer geachtet als echte Reue. Das ist auch eine der Stellen, die mich selbst unglaublich berührt hat.

Kritik an Macht, Kommerz und Heuchelei

Jesus im Tempel (Markus 11,15-17)

"15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an, hinauszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um 16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trüge. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben Jes 56,7: »Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht."

Ein Schelm wer jetzt an Fernsehprediger und Christfluencer denkt...

Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer (Matthäus 23,1-12)

"1 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. 4 Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren. 5 Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. 6 Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen 7 und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. 8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. 9 Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel. 10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. 11 Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12 Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

Hier wird ziemlich hart (in den folgenden Psalmen noch mehr), mit Doppelmoral und Selbstüberhöhung abgerechnet, Gott als oberste Instanz und Jesus als Lehrer für alle Gläubigen gesetzt. Damit auch die Lehren, die mich immer wieder aufs neue faszinieren.

Mein Fazit

Ich werde es nie schaffen an Gott und Auferstehung zu glauben, wenn allerdings nach solch erhebenden Zeilen, wie ich sie hier zitiert habe, bei uns in der Kirche: "Worte des lebendigen Gottes" gesagt wurde, hatte ich kurz ein Gefühl von: "Ja, das klingt göttlich.". Manchmal habe ich von außen den Eindruck das Jesus von Leuten, die wirklich glauben, etwas wenig als der einzige Lehrer gesehen wird und dass ich dies sehr bedauere, dürfte nach meinem kleinen Bibelexkurs klar geworden sein.

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Seit 6 Tagen frage ich mich, ob ich irgendwas unglaublich tolles gemacht habe um dieses Leuchten in meinem Leben zu verdienen, dass mehr und mehr Einzug erhält.

Ich bin verliebt, über beide Ohren, wie einen Teeny hat es mich erwischt. Und gleichzeitig bin ich auf meinem Level 44, mit all meinen Macken und Triggerpunkten und gelebtem Leben. Vorsichtig und mit vollem Risiko auf einmal, streckt sich mein innerer Romantiker wohlig im silber-goldenen Licht der Küste und eines Menschen, der das Wort "großzügig" auf eine wundervolle, völlig unkommerzielle Weise füllt.

... an dieser Stelle hab ich 3 Absätze verliebtes Schwärmen wieder gelöscht und grinse einfach weiter ein wenig durch die Welt, bis meine Hormone nicht mehr CanCan tanzen...

Und mit mir zum Beispiel an diesen unglaublich schönen Ort fährt, nach dem ich meine Leidenschaft für Blumen erwähnt hatte.

My Country Trash - Markertube

My Country Trash - YouTube

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... hält nichts mehr aus.

... sind alle oberflächlich.

... liest nicht mehr.

... hört nur noch seichte Musik.

... und überhaupt sei irgendetwas Grundsätzliches verloren gegangen und die Menschheit dem Untergang geweiht, wegen der jungen Leute.

Was mich daran irritiert, ist nicht einmal die Kritik selbst. Natürlich kann man Entwicklungen kritisieren und vor allem auch davon überfordert sein. Natürlich gibt es Trends, die man unangenehm oder problematisch finden darf. Ich verstehe das Gefühl dahinter aus eigener Erfahrung. Und jede Generation schaut irgendwann auf Dinge, die sie nicht mehr selbstverständlich versteht.

Was mich irritiert, ist etwas anderes. dass ich solche Sätze wie oben von intelligenten und geschätzten Menschen höre. Von Leuten also, die eigentlich sehr genau wissen, wie grob und unpräzise große Sammelbegriffe sind. Personen, die niemals ernsthaft sagen würden: „Männer sind halt so“ oder „Ausländer eben“. Weil sie wissen, dass größere Gruppen aus Einzelnen bestehen mit all ihren individuellen Facetten und gleichzeitig Prägungen von Systemen. Viel zu komplexe Wesen für so einheitliche Urteile. Nur bei der Jugend scheint diese Differenzierung plötzlich Urlaub zu machen. Da wird aus Millionen Einzelpersonen eine einzige Figur: die Jugend. Ein beinahe mythisches Wesen mit gemeinsamer Psyche und sogar identischem Musikgeschmack.

Und ich frage mich zunehmend, warum ausgerechnet dort. Vielleicht gehört ein Teil davon tatsächlich zum Menschsein. Junge Menschen probieren meist anderes aus. Sie sprechen oft anders, hören andere Musik, benutzen andere technische Lösungen und bauen sich eine Welt, die nicht dieselbe sein soll wie die ihrer Eltern. Sie wollen sich unbedingt unterscheiden. Das wollte meine Generation, das wollten meine Eltern, deren Eltern usw..

Und vielleicht gehört auf der anderen Seite ebenso dazu, dass Ältere erst einmal die Stirn runzeln und kritisch hinterfragen was die Jungen da tun.

Nur etwas beschäftigt mich dabei. Sollten wir mit vierzig, fünfzig oder sechzig nicht langsam gelernt haben, vorsichtiger mit solchen Urteilen zu werden?

Meine Gedanken wandern dabei zum "Steppenwolf" von Hermann Hesse.

Harry Haller wertet die Zeit in der er lebt quasi permanent ab. Das kulturelle Leben erscheint ihm oberflächlich, laut und minderwertig und beschäftigt sich mit Dingen, die ihm fremd bleiben. Und dabei wirkt er äußerst intelligent und gebildet. Gerade das macht ihn interessant. Er ist sensibel, politisch und ernsthaft suchend.

Nur liegt darin eine kleine Ironie, wenn man den Roman heute liest.

Denn Haller lebt mitten in den 1920er Jahren. Also nicht in einer kulturellen Wüste, sondern in einer Zeit, die von heute betrachtet fast wie ein Gewächshaus der Kreativität wirkt. Architektur, neue Formensprache, Malerei, Film, wissenschaftliche Durchbrüche, Technik, Fotografie, Literatur, Jazz und gesellschaftliche Experimente. Eine Zeit, die eher vor Ideen wucherte, als dass sie kulturell verarmte. Und trotzdem konnte ein intelligenter, kunstinteressierter Mensch mitten darin sitzen und den kulturellen Niedergang beklagen. Das finde ich weniger lächerlich als erstaunlich menschlich. Er verachtet nicht nur Teile seiner Gegenwart. Er verachtet große Teile von sich selbst gleich mit: das Bürgerliche, das Körperliche, das Alltägliche, die Triebhaftigkeit, die Anpassung, die Zerstreuung. Das sind alles Dinge, die er in sich feststellt und mit einer Wucht hasst, dass sie beim lesen wie Selbstverletzung wirken. Er lebt in einer permanenten inneren Zerreißprobe zwischen geistigem Ideal und menschlicher Wirklichkeit. Und SPOILER(!): Die eigentliche Aufgabe, die der Steppenwolf bekommt, ist über sich selbst lachen lernen.

Vielleicht verwechseln viele von uns manchmal Fremdheit mit Verfall, wir verachten manchmal das was andere leben und wir uns nicht trauen. Nicht weil wir böse oder dumm wären. Sondern möglicherweise weil wir dachten, unsere Zeit so gut gestaltet zu haben, dass es nichts mehr zu verändern gäbe.

Die Frage ist für mich weniger: "Braucht die Gesellschaft die Kritik an Trends und Neuerungen, damit die Demokratie funktioniert?" sondern "Bringt es dem einzelnen etwas an der jungen Generation zu verzweifeln und ihnen gar nichts mehr Gutes zuzutrauen?". Und woran es auch liegen mag, vielleicht lohnt sich ein kleiner Moment der Vorsicht, bevor wir sagen:

„Die Jugend heutzutage …“

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Zunächst ein Hinweis zur RPG - Reihe, da hatte ich hier vergessen einen Teil zu posten. Auf Substrack ist die Reihe vollständig siehe hier

Mitautoren meiner Momente

Für mich hat das Kennenlernen von Menschen eine Bedeutung, die anscheinend etwas tiefer ist als üblich. Es ist nicht einfach ein notwendiges Übel um nicht allein zu sein, sondern eine Art Hauptbewegung meines Lebens. Für mich ist eine Hauptquest des Lebens: Menschen zu begegnen, sie wirklich zu erleben, und dadurch selbst Teil ihrer Geschichte zu werden und sie Teil meiner werden zu lassen.

Damit meine ich nicht, dass ich in Erinnerung bleibe oder dass jemand irgendwann sagt „da war mal jemand“. Das ist etwas Oberflächlicheres, das passiert fast automatisch unter bestimmten Bedingungen. Ich meine etwas anderes: dass man in zumindest einem Lebensabschnitt aus der Erzählung des selben nicht mehr wegzudenken ist. Nicht als Randfigur, sondern als notwendiger Teil der Struktur dieser Zeit. Das kann bei mir durch Nähe entstehen, durch emotionale Verdichtung, durch gemeinsame Entscheidungen, Konflikte oder geteilte Momente. Es kann aber genauso gut durch reine Dauer entstehen. Zwei Menschen, die zwanzig Jahre lang nebeneinander arbeiten, acht Stunden am Tag, vierzig Stunden die Woche, werden zwangsläufig Teil derselben Erzähl-Realität. Selbst wenn sie privat nichts miteinander teilen, selbst wenn sie sich nicht mögen, wird diese gemeinsame Zeit später nicht mehr vollständig beschreibbar sein, ohne den jeweils anderen mitzudenken.

Genau deshalb hat dieses „in Geschichten vorkommen“ für mich nichts Exklusives oder Romantisches im engen Sinn. Es ist kein Preis für besondere Nähe, sondern ein Effekt von gemeinsam gelebter Zeit und gegenseitiger Wahrnehmung. Und trotzdem bleibt es für mich eines der zentralen Dinge, die zwischen Menschen passieren können. Neue Menschen in meinem Leben beginnen für mich nicht als „neutral“ oder „unwichtig“, sondern als Möglichkeit. Nicht im Sinne einer romantischen Überhöhung, sondern im Sinne eines offenen Status: Diese Begegnung könnte Bedeutung bekommen, könnte verschwinden, könnte sich in etwas Dauerhaftes verwandeln oder nur als kurzer Moment im Verlauf bleiben. Aber in dem Moment, in dem sie passiert, ist sie es immer wert.

Biografische Relevanz ist für mich kein objektives Maß und kein Punktesystem. Sie ist eher eine spätere Verdichtung. Im Rückblick werden aus Gesprächen, Sonnenaufgängen, Konflikten oder Nähephasen Abschnitte, die sich nicht mehr aus meiner erlebten Zeit sauber herauslösen lassen, ohne dass die Geschichte unvollständig wird. Nicht jeder Mensch wird so ein Abschnitt, aber wenn er es wird, ist das nicht vorher als Status erkennbar gewesen, sondern erst aus dem Verlauf der Zeit zu erkennen.

Ich glaube nicht, dass diese Relevanz planbar ist. Sie entsteht nicht durch Absicht, sondern durch Wiederholung, Intensität, Konflikt, Nähe oder auch schlicht durch lange Dauer, die sich später nicht mehr entkoppeln lassen vom Gesamtbild einer Zeit.

Dabei ist mir wichtig, dass das keine Bewertung von Menschen ist. Niemand muss „Kapitel werden“, um Bedeutung zu haben, jeder Mensch hat für sich selbst die ultimative Bedeutung unabhängig davon wie wichtig er mir oder anderen ist. Wenn es nicht entsteht, dann heißt das nur dass es zwischen zwei Menschen nicht war. Unsere Spezies besteht aus etwa 8 Milliarden Exemplaren, jedes ein Universum aus Eigenschaften, Charaktereigenschaften, Prägungen, Vorlieben, Hobbys, Macken usw., jedes unendlich individuell und doch ähnlich.

Was bleibt, ist eine Art innere Archivlogik: Ich kann viele Menschen nicht vollständig aus dem entfernen, was war. Sie bleiben als Teil dessen, wie diese Zeit gewesen ist und dass möchte ich auch in deren Leben sein.

Mitautoren meiner Momente

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Das folgende Modell ist sogar eine stärkere Vereinfachung als das Colorgrading-System für die Kommunikationsziele. Das echte Leben ist deutlich komplexer. Dennoch werde ich das Skill- und Buildsystem (Fähigkeiten und Ausrüstungssystem) später möglicherweise noch klarer ausarbeiten, denn manchmal muss man Dinge vereinfachen, um überhaupt über sie sprechen zu können.

Wenn ich hier von Skills spreche, meine ich nicht Charaktereigenschaften und auch keine moralischen Kategorien. Und das ist deutlich weiter gefasst, als Games es meist darstellen.

  • Ein Skill kann Wissen sein: Wissen ist dabei keineswegs nur das, was gesellschaftlich als „nützlich“ gilt. Ganz ehrlich: Ich glaube nicht an nutzloses Wissen. Wie viel ich über Geschichte, über Stil und Mode, über Motoren, über Mathematik, über Züge, über Pflanzen, über Games oder über völlig obskure Nerduniversen, usw. weiß entscheidet zunächst wie gut vorbereitet ich in die Quest (Aufgabe) gehe. Aber auch scheinbar "unnützes" Wissen erzeugt Verknüpfungen und dass lässt einen manchmal einfach lächeln, weil das Hirn lustig assoziiert, was einen Tag erträglicher machen kann. Doch jedes vorhandene Wissen kann helfen zu neuem Wissen anzuknüpfen, somit ist viel Wissen, egal welches, schon ein eigener Skill in mehrerer Hinsicht.

  • Können gehört ebenfalls dazu. Alles, was man geübt, wiederholt oder praktisch angewendet hat. Beispiele: Kochen, Handarbeiten, Autofahren, Programme bedienen, Handwerk, Bodybuilding usw. Natürlich gibt es Fähigkeiten, für die man Ausbildung, Prüfungen oder Berechtigungen braucht. Das stellt auch oft eine besonders fundierte Art des Wissens und Könnens dar (Anmerkung von mir: Warum nicht immer? Denkt an alle Leute, die einen Autoführerschein haben! Na? Eben!)

  • Dann gibt es Denkweisen und mentale Techniken. Beispiele: Achtsamkeit nach DBT, Meditation (ich kann es nicht), Erörterung aus dem Schulunterricht, stoisches Weitergehen usw.

  • Auch Kulturtechniken gehören dazu. Beispiele: Lesen, Sprache, Computer/Smartphonebedienung,, den öffentlichen Nahverkehr einer Region verstehen, sich in einer Stadt auskennen usw.

  • Diverse Sachen die Menschen eben können, deren Nutzen oder Einteilung sich mir aber nciht erschließt, aber: "Hey, jeder ist sein eigener Spielleiter!". Nur Beispiele: Mit den Ohren wackeln können, ein Bier ohne Schlucken exen können, prächtige Popel produzieren können usw.

  • Ach und "Softskills", ihr wisst schon Einfühlungsvermögen und so. Bei mir steht das auf verlorenem Posten... dafür kann ich oft durch Wissen und Erfahrung hier "ausgleichen" oder so tun als hätte ich es. Glaubt mir, ihr wollt dass ich so tue.

All das erweitert Handlungsmöglichkeiten und ermöglicht unendliche Kombinationen.

Und genau darum geht es. Ein Skill ist nicht etwas, das gut oder moralisch überlegen ist. Ein Skill ist etwas, was du anwenden kannst. Wie du dazu kamst ist egal: gelernt, geübt, vom TikTokTutorial, zufällig erfahren, angeboren, bewusst entwickelt usw. . Wozu du ihn anwendest auch. Übrigens entscheidest logischerweise du ob du einen Skill genug beherrschst um ihn anzuwenden... du darfst alles tun, aber logischerweise wirst du die Konsequenzen tragen.

Allerdings schon mal vorab: Ich lass mir kein Wissen und Können entgehen, dass ich mir leicht aneignen kann, ich bin Gamer, kann ja jeder anders sehen, aber: „Heb den Loot auf. Du weißt nie, welcher Dungeon morgen kommt.“

Wie benutzt man diese ganzen Skills denn jetzt?

Die Realität ist deutlich unordentlicher. Skills überlappen sich und vermischen sich. Sie können gleichzeitig Schutz und "Waffe" sein. Aber das hier ist mein Modell: Ich denke dabei oft in vier "Ausrüstungs-"Slots:

Mainhand (Haupthand), Offhand (Nebenhand beziehungsweise Schildhand), Rüstung und quasi grundsätzlich der Notfallrucksack.

In diese Slots kommen die Skills. (Anmerkung von mir: ja liebe Gamer, Skills in Ausrüstungsslots, da müsst ihr jetzt durch, fangt schon mal an es für euch selbst umzubauen. Meins bleibt so). Ich hab euch drei meiner Beispiel Skillsets mitgebracht.

Zuerst aber: Der Notfallrucksack ist kein Set, sondern etwas was automatisch dabei sein sollte und im Idealfall genug trainiert, dass er automatisch eingreift. Er besteht bei mir aus: Gesprächsabbruchkompetenz, radikaler Akzeptanz von Dingen die ich (momentan) nicht ändern kann und der Fähigkeit das Gespräch auch notfalls räumlich zu verlassen.

Nun endlich:

Build 1: Defensiv einfach den Tag überleben (Bei Behördenangelegenheiten und ähnlichem)

Mainhand: "Don't judge", das legendäre Schwert aus DBT-Achtsamkeit... Die einzige Waffe, die es jemals gab, die, wenn du sie zückst, sagt: "Don't judge!", "Bewerte nicht!". "Aber diese Waffe hält dich doch vom Angreifen ab?" Ja, das ist das Ziel dieser Waffe. Ich bin nicht von Natur aus fügsam. Ich bin nicht von Natur aus umgänglich. Ich bin von Natur aus leider eher angriffslustig und deshalb habe ich mir diese Waffe nicht einfach besorgt, sondern sie hart erarbeitet. Nichts war so schwer zu erringen wie dieses nervige Schwert und ich beherrsche es auch noch nicht meisterlich. Da fehlt noch viel.

Offhand: "Schafgarbe"-Stoizismus-Schild: Mein Schild ist in diesem Build nicht hart. Er ist weich und nachgiebig wie frische, grüne Weide und genauso "leicht" auszureißen wie die namensgebende Schafgarbe. Ich erlaube mir damit nachzugeben, auszuweichen, Umwege in Kauf zu nehmen, aber den Weg abbrechen erlaube ich mir damit nicht. Ich gehe mit dem Schild vor mir weiter, einfach weiter, egal wie sehr mein Weg mäandert, ich komme auf der anderen Seite an, heute oder wenn das Amt das nächste Mal auf hat.

Rüstung: "Das erinnert mich an..."-Magische Robe, aus miteinander und der Umgebung wild assoziierendem Kulturellem/Nerd/Popkulturellem Material. Schützt vor nix, Erhöht aber die Überlebensfähigkeit. Man muss sie nur gelegentlich wieder aufladen. Und das macht sogar Spaß.

Build 2: Echte Diskussionen (der größte Spaß)

Mainhand: Die "DobnerGlaabBirnstiehl"-ERÖRTERUNG im Namen des Bayerischen Schulsystems und aller engagierten Deutschlehrer dieser Welt (Anmerkung von mir: Hehe... ich mach PunktPunktPunkt wann ich will, ihr seit alle gemeine Sadisten, aber danke fürs strukturiert denken lernen): Die lässt sich besser mit Vorarbeit einsetzen, wenn man Themen schon mal durchdacht hat kann man leichter die Gegenargumente gleich mit bedenken. Aber hey, geht notfalls auch spontan, dafür haben die in der Schule uns ja dialektisches Denken beigebracht. Wenn ihr es in der Schule unnötig fandet, kann ich euch ja nicht helfen.

Offhand: Das "Really?"-Hochgezogene-Augenbrauen-Prüfschild: Sie sagt "Das war kein echtes Argument", "Anekdotische Evidenz" oder "Willst du das noch mal überdenken?". Die Offhand prüft of die Rüstung zum Einsatz kommen muss, ob ich zu Build 3 übergehe oder sich ein ernsthaftes Gespräch hier noch weiterhin rentiert.

Rüstung: "Gesprächsabbruchkompetenz": Wenn keine echte Diskussion geführt wird, Gespräch beenden. Klingt simpel, hat bei mir aber Übung gebraucht und ist auch im Notfallrucksack unabhängig von Builds immer eingepackt, weil sie unglaublich hilfreich für die Psychohygiene ist.

Ziel: Nachvollziehbare, gut begründete neue Blickwinkel kennen lernen. Und manchmal diese wunderbaren Worte hören: "Jetzt hast du mich echt zum nachdenken gebracht.". Echte Diskussionen scheitern oft nicht an mangelndem Wissen, sondern daran, dass sich jemand angegriffen fühlt. Gilt auch für mich natürlich.

Sobald Wut oder Identitätsabwehr übernimmt, verschwinden Argumente erstaunlich schnell. Dann diskutiert man nicht mehr über eine These, sondern verteidigt ein Selbstbild oder greift ungewollt eines an. Und das ist idealerweise der Moment, in dem ich im spätestens das Gespräch verlasse.

Build 3: Die Lust am Streit

Zunächst: Das ist kein Notfallbuild, er funktioniert nicht mal wenn ich wirklich wütend bin, werdet ihr gleich sehen. Ich will damit aber zeigen, ich bin kein Engel und ich will auch keiner sein. Ich habe Freude am Spott.

Allerdings wird dieses Skillset nur angewendet, wenn ich eine Meinung als nur noch lächerlich, schlecht durchdacht und schädlich betrachte. Den Notfallrucksack habe ich auch hier dabei, aber dieses Build ist gefährlich nahe an der Wut und die macht den Rucksack schwerer zu benutzen.

Mainhand: Das "Auryn"-Nerdhumor-Wurfmesserset "Tu' was du willst, es wird DICH etwas kosten": Bewaffnet mit mit Klingen aus Anekdoten, Anspielungen und Assoziationen. Wirst du überhaupt merken, dass die Verdrehtheit deiner Aussage hier ausgestellt habe? Wird dir klar wie menschenfeindlich dein Argument war? Nein? PECH!

Offhand: "Wissensfangkorb": Dieses Schild ist legendär, es wurde über Jahrzehnte geknüpft und verstärkt, es ist immer oben, ich muss es nicht aktiv benutzen. Es wird allerdings teilweise oder komplett unbenutzbar, wenn ich wütend werde.

Rüstung: "Ist mir egal"-Metaphorische-Nacktheit, verwirrt Gegner: Das muss man ernsthaft so meinen in dem Moment, das ist der einzige Clou. Das wird mich verletzen - egal. Ich werd mich blamieren - egal. Die werden mich nicht mögen - egal. Ich werde mich hinterher schämen - egal.

Ziel: Markieren von lächerlichen Meinungen. Nicht Menschen, wenn ich mich über Menschen lustig mache, dann bin ICH lächerlich. Das Auryn spaßt nicht, jeder Angriff kostet, Selbstachtung zum Beispiel, aber man weiß nie was es alles fordert.

Kleidungssystem und Werkzeug

In meinem Modell werden Fähigkeiten ausgerüstet. Nicht das Handy oder die Windjacke als physische Gegenstände, sondern Wissen, Denkweisen, Erfahrungen und trainierte Kompetenzen.

Was vielleicht beruhigt: Das Kleidungssystem existiert trotzdem weiterhin und es ist viel mehr als Deko. Viele Spiele kennen das bereits. Die Kleidung zeigt nach außen etwas über dich, passt dich einer Situation an und hat auch eigene Buffs (Verstärkungen). Hier gehören auch sämtliche Werkzeuge und benutzte Gegenstände zum Kleidungsystem. Ob nun dein Auto, dein Handy oder dein billiges Schraubenschlüsselset aus dem Baumarkt, dass du dir immer schwörst auszutauschen.

Kleidung ist absolut nicht unwichtig: Wie warm, kalt, windig oder regnerisch wird es heute?

Wie körperlich belastend wird die Tätigkeit?

Muss/möchte ich einem Dresscode entsprechen?

Will ich professionell wirken, unauffällig, attraktiv, praktisch oder rebellisch auftreten?

Will ich mich schützen?

Will ich mich ausdrücken?

Oder ist mir das heute schlicht egal?

All das gehört für mich ins Kleidungssystem mit seinen Buffs und Debuffs (Schwächungen). Das Gleiche gilt für Werkzeug.

Werkzeug ist in meinem Modell keine Waffe und keine Rüstung. Es bleibt äußerlich. Und jeder weiß: Schlechtes Werkzeug lässt dich meistens nur fluchen. Egal ob kaputtes Auto, störrischer Computer, ungeeignete Schuhe oder ein Handy, das genau dann abstürzt, wenn man es dringend braucht. Wenn du mit etwas arbeiten musst und dieses Werkzeug schlecht zu dir oder zur Situation passt, wird das Spiel unnötig schwer.

Deshalb gilt auch hier: Überlege wofür du dein Werkzeug brauchst, oder leb' halt damit dass es dich nerven wird. Denke über die heutigen Gegebenheiten nach und wähl' die Kleidung passend, oder völlig daneben. Du wirst die Konsequenzen tragen, wie immer halt.

Alle die bis hier hin gelangt sind.... JUHUHHUUUUUUUUUU ich hab euch genug gefesselt dafür. Der nächste Teil kommt demnächst. Spüre ich Vorfreude oder Desillusionierung? Macht eurem potenziellen Ärger in den Kommentaren Luft, oder auch nicht, es wird ein paar Tage dauern bis zum nächsten Teil.

Coming soon:

Entscheidungsfreiheit und System

Der Spieler als Prozess

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Oder: Was echt überfällig war…

Teil 1

Ich hatte dieses kleine Drama vorher bereits überall angekündigt. Discord. WhatsApp. Instagram. TikTok. Ich gab mein BILDbearbeitungsschlechtestes und zauberte zwei Titelblätter, die ungefähr so subtil waren wie eine Möwe auf Pommesjagd. Nicht weil ich wirklich glaubte, dass ich eine Sensation verursache. Sondern weil ich mein Leben gern legendär erzähle.

Oder genauer: pragmatisch pathetisch.

Und ich liebe das. Es hilft mir meine eigene Lächerlichkeit einzubauen in meinen Hang zu dramatischer Größe. Ja, Herr Pablo, ich übe, ich will nicht wie der Steppenwolf sein. Ich will üben auf meine Art über mich zu lachen. Für Sie hab ich Yearning just for you von Joe Burke mit auf die Playlist gepackt.

Ich mag Überdramatisierung mit eingebautem Augenzwinkern, das hilft mir am besten beim Auftrag des Herrn Pablo. Wie bei The Worst Day... Since Yesterday von Flogging Molly, dem nächsten Grundstock der Playlist. Klingt im ersten Moment nach Weltuntergang und dann merkt man: Ach so. Seit gestern. Na dann.

Und so kündigte ich also dramatisch an, dass die alte MS Anne öffentlich zu Wasser gelassen werden würde.

Ich hätte wirklich erwartet, dass ich furchtbar aufgeregt wäre. Dass ich Panik schiebe. Dass ich tagelang über meinen Körper nachdenke und darüber, wie ich im Badeanzug aussehe. Aber das war dann die Sensation: es war spektakulär unspektakulär.

Schon die Ankunft am Südstrand Wilhelmshaven fühlte sich eher nach Heimkommen an als nach Mutprobe. Es war absichtlich genau dieser Ort. Der Strand, an dem irgendwann vor über 30 Jahren der Wunsch entstand später einmal in dieser Stadt zu wohnen. Und nun sitze ich hier, bei etwas was mir über 15 Jahre zu schwer erschien. Vor mir die Nordsee, besser gesagt die Jadebucht, links neben mir das herrliche Klinkermassaker der Promenade, eckig und kantig, als wären Zwerge die Architekten gewesen. Jedes mal wenn ich es sehe fühle ich mich daheim. Wenn ich aufs Wasser hinausschaue, sehe ich den Leuchtturm. Wenn ich mich umdrehe, diese Klinkerwelt und den Aquariumsturm. Und dahinter die Kaiser-Wilhelm-Brücke. Ein bisschen melancholisch vielleicht, recht preußisch, ziemlich militärisch geprägt, aber trotzdem richtig oder deswegen (?). Ich weiß es nicht und es ist mir egal. Normalerweise hat Wilhelmshaven bei mir den Song The Last Ship von Sting, aber der Südstrand speziell bekommt Auberge von Chris Rea von mir verpasst, der Ort bei dem man nie erklären kann, warum man sich genau hier angekommen fühlt.

Die erste Zeit während meines Strandbesuchs passierte nun etwas ausgesprochen Pragmatisches: Ich wartete auf die Flut. Nicht aus dramaturgischen Gründen. Sondern weil der Strand gestern sehr schlickig war und dann stellen sich wichtigere Fragen als Äußerlichkeiten: Wo kann man laufen, ohne sich die Füße an Muscheln zu zerschneiden? Wo sinke ich 20 cm in Schlick? Body Neutrality mag ein gutes philosophisches Konzept sein. Muscheln versteckt im Schlick sind hingegen erschreckend konkret. Also lief ich erst mal aufmerksam am Strand und im Watt entlang.

Meeresschnecken. Einsiedlerkrebse. Wattwürmer. Muscheln mit Rasiermesserkanten. Seepocken auf allem, auch auf den Schnecken und Einsiedlerkrebsen. Unerwartete Steine im Schlick. Möwen, groß wie verdammte Geier und mit ungefähr der gleichen moralischen Integrität.

Memo an mich: Niemals Essen mit hierher nehmen.

Und während ich ging, testete und tapste, merkte ich etwas Seltsames. Ich dachte gar nicht über mein Äußeres nach. Nicht über meinen Bauch. Nicht über meinen Badeanzug. Nicht darüber, ob ich hübsch oder peinlich aussah.

Meine Gedanken beschäftigten sich mit dem Watt und dem Meer und der hochwissenschaftlichen Frage: Wo komme ich mit heilen Füßen ins Wasser? Der Badeanzug fühlte sich eher wie eine Barriere zwischen mir und dem Watt an als wie ein Schutzschild gegen Blicke.

Dann war da das Problem der Temperaturregulation. An Land war es zu heiß, das Wasser recht kühl und die Flut beeilt sich nicht wegen mir zwar übergewichtigem, aber für die Gravitation unerheblichen Körper. Also bin ich reingetappst, ungelenk, vorsichtig, bis zu den Knien. Dabei sollte es auch vorerst bleiben, weil ich eine komische Angst vor dem Schwimmen im Meer habe. Eine Erinnerung blitzte auf, meine Schwester S und ich am Mittelmeerstrand von Almerimar, das Meer wütete gegen die glühende Hitze an und wir beide warfen uns völlig verrückt in die Wellen. Wir waren beide Rettungsschwimmer, es war nicht komplett wahnsinnig, aber es fühlte sich auf herrlich lebendige Art genau danach an. Bei diesem Gedanken kam dann der letzte Schubs. Zwei kleine Mädchen waren auch auf dem Weg in die kühle, aber ruhige Nordsee. Die große sagte, “Kuck mal sie steht da vorne noch, so weit können wir auf jeden Fall...”. Im Namen aller Schwestern dieser Welt, ging ich vorsichtig, langsam nach sicherem Grund tastend, Schritt für Schritt höchst unelegant weiter, bis ich bei der Boje war, die auch die Mädchen erreichen wollten. Ich war bis über dem Bauchnabel im Wasser... und tauchte mit einem höchst unheroischen “Huch” in die recht frischen Fluten… Die MS Anne war zu Wasser gelassen.

Und was passierte danach? Nichts, oder besser gesagt ein Tag am Strand, an dem es allen zu heiß schien um sich aufzuregen. Noch 2 Anne Wasserungen wegen der Hitze, den Strand entlang laufen, dabei die Playlist hören, sich wund laufen, Bilder machen, Kafka Amerika weiterlesen, Sonnenbrand bekommen, Muscheln hassen, Möwen fürchten und bewundern, eine Theorie über die Eisduschen an Nordseestränden aufstellen (die sind so kalt damit wir denken das Meer wäre warm), die entspannte Stimmung genießen, über einen Jungen lächeln, der bis zum Hals voll mit Schlick war und seinen Vater fragte warum alle lachen, sein Vater antwortete pädagogisch wundervoll (und möglicherweise nicht ganz korrekt): “Die wollen das alle eigentlich auch machen, deshalb lachen die”...

Aber es gab auch 2 kritische Momente:

Eine äußerst attraktive Frau in meinem Alter posierte auffällig an einem der Eingangsstege. Da spürte ich wie mein Vergleichsmodus anschlug. Diese alte Scham kam auf: “Du schaffst es nicht so auszusehen. Du hast hast versagt.”. Ich habe dieses innere Muster wahrgenommen und auf meine Art posiert, He is a Pirat aufs Ohr und wie Jack Sparrow mit sinkendem Schiff meinen angeschlagenen Körper über den Strand bewegt, mit dem intrinsischen Anspruch immer noch Kapitän zu sein, auch wenn die Fregatte längst leck gegangen ist. “Kinn hoch, auch wenn der Hals dreckig ist.”, sagte mein Vater immer.

Dann beim Umziehen... das war eher Peinlichkeit. Ich hab so eine Decke unter der man sich umziehen kann... könnte, wenn man nicht unbeweglich wie die Wilhelmshavener Architektur wäre. Es war... sicher unschön anzusehen. Irgendwann war es vollbracht. Nächstes Mal mach ich mir dabei Musik aufs Ohr, dann sieht es immer noch genauso doof aus, aber macht mehr Spaß.

Die Sensation bei diesem Achievement war seine Harmlosigkeit. Ich hätte nicht gedacht, dass ich innerlich schon so weit gekommen bin. Ich bin wirklich stolz auf mich. Die olle Fregatte ist ein braves Ding, bei allen optischen Einwänden immer noch ziemlich tauglich, mich Herumtreiber zu den Sehnsuchtsorten zu bringen, statt nur davon zu reden. Mehr erwarte ich von dir nicht mein Fleischroboter, mein Job ist deine Wartung. Deiner, mich zu immer neuen Kaperfahrten tragen.

Und als Ausblick, das was der Vater zu seinem Sohn sagte, stimmte für mich. Ich wollte das auch machen, deshalb hab ich gegrinst. Wer bin ich mir dieses Vergnügen zu versagen? Wenn ich das nächste mal dann am FKK-Strand bin setze ich das um, denn ich bin schon über 30 Jahre nicht voller Schlick gewesen... es wird mal wieder Zeit.

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Warum ist das für mich ein Achievement?

Triggerwarnung: Essstörungen und Suizidgedanken als Thema und Gewichtsangaben im Text

Und mit dieser Einstellung gehe ich nach langer Zeit wieder schwimmen. Das wird das erste Mal seit 2010, dass ich wieder in der Öffentlichkeit baden gehen werde. Und ich war so lange nicht wegen des Körpers, der sich so stark verändert hatte nach 2009. Nicht durch eine Geburt oder so, sondern durch Psychopharmaka. Ich war immer schon relativ breitschultrig, breithüftig, also nie ein zierlicher Mensch und hatte auch immer relativ viele Muskeln durchs Reiten, Schwimmen und so weiter. Und fand mich wahnsinnig fett, muss ich ehrlich sagen. Ich hatte damals schon kein gutes Verhältnis zu meinem Körper. Ich wog damals so irgendwas zwischen 50 und 55 Kilo bei 1,68 m. Also ich war wirklich sehr, sehr schlank. Und fand mich trotzdem sehr, sehr dick. Und dann kamen die Psychopharmaka und ich explodierte auf 95 Kilo , innerhalb von nicht mal einem Jahr. Und das habe ich nicht als Gewichtszunahme empfunden, das habe ich nicht als “mein Körper hat sich verändert” empfunden. Das war nicht mein Körper! Das war nicht... ICH!

Ich hatte mich 2009 versucht umzubringen, nicht wegen dem Dicksein, das kam ja danach. Ich hatte aber auch nach dem Überleben des Versuchs noch keinen Lebenswillen und war damit beschäftigt, irgendwie trotzdem weiterzumachen. Ich konnte mich nicht darum kümmern, dass ich dick war. Und so blieb ich erst mal dick und erst als es mir so 2012 durch die DBT anfing besser zu gehen fingen die Abnehmversuche an, die auch manchmal recht erfolgreich waren. Ich habe zwischendurch auch mal 20, mal 25 Kilo abgenommen, einmal sogar 30 Kilo. Teilweise auf ungesunde Weise, teilweise krankhaft, teilweise bulimisch. Es gab auch Phasen, in denen ich mich komplett, also wirklich ausschließlich von Chips, Flips und Süßigkeiten ernährt habe, weil mir sowieso alles egal war. Egal, ich kehrte immer zu den Rund 95 kg zurück. Ich hatte schon vor meiner Gewichtsexplosion ein unglaublich ungesundes Essverhalten und ein ungesundes Verhältnis zu meinem Körper. Und der veränderte Stoffwechsel hat das System... naja, gekillt. Dieses Ab- und Zunehmen, dieses Hoch und Runter, zerstörte meinen Körper. 2009 war ich 27 Jahre alt, da war alles noch relativ stramm, auch im dicken Zustand. Das... wie sag ich das ohne Selbstabwertung... ist heute ganz und gar nicht mehr der Fall: Alter, Schwerkraft und 30 kg Gewichtsschwankungen hinterlassen Spuren. Aber zu keinem Zeitpunkt ab 2009 empfand ich diesen Körper als präsentabel gegenüber Fremden. 2010 war ich noch einmal mit im Schwimmbad, weil wir das von der beruflichen Reha her mussten. Da schwor ich mir nie wieder in eine öffentliche Badeanstalt zu gehen.

Und erst vor ein paar Jahren wurde das dann sehr langsam anders. Da kam dann meine Hauptquest mit 90 Jahre alt werden wollen. Da kam Lithium mit nicht mehr sterben wollen. Und die DBT-Therapie hat wirklich angeschlagen. Ich hab den inneren Richter umgebaut. Ich hörte dann irgendwann auch von dieser Idee “Body Neutrality”, die mir sagte: “Es ist egal, wie dein Körper aussieht. Es ist egal, wie du den findest. Es ist egal, wie die anderen den finden. Funktionieren muss er.”

Und dann besann ich mich auf die Dinge, die ich wusste über Ernährung und was man dem Körper geben muss, damit er gut funktioniert, dass er im Idealfall 90 Jahre funktioniert. Ich hab 2024 sogar aufgehört zu rauchen, wer mich kennt weiß wie verrückt das klingt.

Sobald mir ein Arzt sagt, oder wer auch immer... der Orthopäde sagt, ich muss abnehmen wegen meinen Füßen, wegen Knien, Rücken, Herz, Diabetes, was auch immer, dann werde ich das tun. Aber nie wieder, nie nie wieder wegen so etwas nur peripher wichtigem wie einer Vorstellung von Schönheit.

Und ich hasse es, dass so viele meinen, gerade Wesen wie mir mit deutlichen Kilos zu viel auf den Rippen müssten sie Komplimente fürs Äußere machen. Das macht mich so unglaublich wütend. Denn ich glaube grundsätzlich nicht, dass die Körper fremder Menschen kommentiert werden sollten. Nicht negativ. Aber auch nicht positiv. Die meisten Körper sind keine Kunstwerke, die bewusst erschaffen wurden. Sie sind Biografie. Genetik. Krankheit. Medikamente. Alter. Schwangerschaften. Stress. Glück und Pech. Sie passieren uns oft mehr, als dass wir sie formen. Gerade bei schwierigen Biografien ist es so unwichtig ob irgendwer den Fleischroboter dieser Person ansprechend findet. Unwichtiger kann nichts in meinem Leben sein, wie mein Arsch aussieht oder meine Taille oder meine Brüste für euch wirken. Das ist so fick egal. Ich bin so viel mehr als diese gebeutelte Hülle. Mein Inneres hat überlebt, war nicht leicht es am Leben zu halten. Mein Inneres hab ich geformt, unfassbar viel Arbeit floss da rein und ja, ich bin ein bisschen stolz auf das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

Ich bin lieber am Leben und dick, als ohne Psychopharmaka schlank gestorben zu sein. Doch mein Körper ist mir passiert. Er ist keine Trophäe und kein Werk, auf das ich stolz sein könnte. Wenn ihr mir etwas Nettes sagen wollt, dann bitte zu meinem Inneren.

Und mit dieser, hart erarbeiteten Einstellung ging ich dann gestern, 23.05.2026 an den Südstrand Wilhelmshaven um die alte MS Anne endlich wieder zu Wasser zu lassen.

Die Anne-Presse hat dies vorher auch reißerisch angekündigt: Siehe Bild

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Erste Wasserung der MS Anne nach 15 Jahren steht an.

Erfahren Sie später mehr. Hier auf diesem Kanal

#bodyneurality

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[Spoiler, Spoiler, everywhere]

Es gibt diese eine Szene in Better Call Saul, in der Mike zu seiner Schwiegertochter Stacey sagt: „Gib das Geld aus.“ Stacey, Krankenschwester, Mutter, Witwe eines Polizisten. Sie arbeitet, sie kämpft, sie kommt trotzdem nicht über die Runden. Und Mike, der Ex-Polizist, der weiß, das Menschen wie sie ihr Leben lang rennen und es trotzdem nie reicht. Man sieht in seinem Blick, dass er sich da zur Rückkehr in die Kriminalität entscheidet.

Kim sitzt in einem schäbigen Kellerbüro, obwohl sie brillanter ist als die meisten in H.H.M.

Jimmy hat sein Büro hinter den Waschmaschinen eines Nagelstudios, ein paar Quatratmeter auf denen er manchmal auch schläft.

Und Chuck? Chuck könnte arbeiten, könnte glänzen, könnte leben, aber das System in seinem Kopf lässt es nicht zu. Und dann ist da diese andere Szene. Chuck, der rausgeht. Einfach so. Ohne seine Rettungsdecke, ohne Angst, ohne alles. Er holt eine Kiste aus dem Auto, als wäre es das Normalste der Welt. Als wäre er nicht der Mann, der seit Monaten sein Haus nicht verlässt. In diesem Moment ist er einfach nur Chuck, der Anwalt, der die Präzedenzfälle aus dem Auto braucht. Und als Jimmy verblüfft Chucks Namen ruft, endet dieser magische Moment. Chuck steht draußen, vor dem gepflegten Garten zwischen alten Bäumen und blauem Himmel, wie Sinnbilder dafür wie normal alles sein könnte.

Aber in dieser Serie sind alle Systeme der Feind, nicht nur das Kartell.

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Wie gehe ich in eine Quest hinein?

Das Skillsystem (Fähigkeitensystem) und was ich unter Waffen oder Rüstungen verstehe, ist ein eigenes großes Thema, das ich im nächsten Text erklären werde. Doch das wäre einen Schritt zu früh. Erst muss ich erklären, nach welchen “Regeln” ich überhaupt meinen Build (Kombination von Klasse, Ausrüstung und Skills) auswähle.

Für die „Orientierung auf ein Ziel“ aus der DBTherapie habe ich eine Metapher gefunden, die einen Eindruck von der Komplexität des realen Lebens vermitteln soll. Sie ist aber nur mein eigenes Modell. Für andere Spieler/Spielleiter könnten andere Systeme besser passen und niemand kann das Leben vollständig in einem Modell abbilden.

Games vereinfachen fast immer. Sie müssen es. Sonst wären sie kaum spielbar. Drei Klassen, ein Talentbaum, ein paar Attribute, klare Mechaniken. Das echte Leben funktioniert nicht so. Das Leben vereinfacht nichts für dich. Es folgt physikalischen, chemischen, biologischen, psychischen, kulturellen und sozialen Gesetzmäßigkeiten und du funktionierst innerhalb dieser Bedingungen.

Deshalb geht es hier nicht darum, die eine perfekte Skillung zu finden. Es gibt keinen universellen Meta-Build (ein Meta-Build gilt in Spielen als eine optimale Zusammenstellung aus Ausrüstung und Skillset).

Und auch hier gibt es wieder eine schöne Analogie zum echten Leben:

Der beste Meta-Build nutzt nichts, wenn du ihn nicht spielen kannst.

Im Game sind solche Leute meist unbeliebt. Sie kommen mit legendärer Ausrüstung in die Gruppe und haben keine Ahnung, wie ihr Build funktioniert.

Damit meine ich im realen Leben, wenn du mit sowas reingehst:

ich bin immer gerecht, ich bin immer entspannt, ich bin immer logisch.

Anmerkung von mir: Das kannst du machen, es ist nichts verboten in diesem Spiel. Du darfst alles machen, du darfst dir selbst auch schaden und so weiter.

Nur in der Realität, wenn wir mal ehrlich sind und du solche Absolutismen von dir denkst, bevor du in ein Gespräch gehst, dann ist das nicht mal wie eine Ausrüstung im Spiel, mit der du nicht umgehen kannst. Das ist eine Ausrüstung, die schlichtweg nicht existiert. Das sind "Des Kaisers neue Kleider".

Doch nun endlich zum Modell der Buildauswahl: Ich nenne es Colorgrading. Nicht weil menschliche Kommunikationsziele Farben sind, sondern weil Farben etwas können, das für die Darstellung dieses Themas erstaunlich hilfreich ist: Aus wenigen Reglern entstehen Millionen möglicher Ergebnisse. Die meisten kennen das aus der Bildbearbeitung, Farbkreisen oder ähnlichen. Wenn ich vor einer wichtigen Quest stehe, dann überlege ich mir, was ist mir bei diesem Ämtergang, bei diesem Gespräch mit dem Vermieter, bei dieser Aussprache mit einem Familienmitglied, bei diesem Streitgespräch usw. wichtig.

Die aktiv bestimmbaren Regler sehen beispielsweise so aus:

Rot = Selbstwert Wie wichtig ist es mir in dieser Situation, mich zu schützen, Grenzen zu setzen oder mich nicht verletzt, gedemütigt oder übergangen zu fühlen?

Grün = Beziehung Wie wichtig ist mir die Beziehung zu diesem Menschen oder die Qualität der Verbindung?

Blau = Ziel Wie wichtig ist mir das konkrete Ergebnis?

Wer sich mit Farben ein ganz klein wenig auskennt, der weiß, dass man allein schon mit diesen drei Reglern Millionen Ergebnisse erzielen kann. Wer lieber andere Analogien nimmt, z.B. mit Tönen oder schlicht den Raumdimensionen... es ist dein Spiel, nimm was DIR hilft, es sollte allerdings vielleicht etwas Komplexes sein, wo man mit drei Dimensionen ganz viele unterschiedliche Ergebnisse erzeugen kann.

Aber jetzt kommt ein wichtiger Unterschied: Im Gegensatz zu echten Farben hast du hier nur 100 %. Du kannst nicht einfach alle Regler voll hochziehen. Du kannst nicht gleichzeitig maximal zielorientiert, maximal beziehungsorientiert und maximal selbstwertorientiert sein. So funktioniert ein Mensch im allgemeinen nicht.

Die Fragen, die man in der DBT lernt zu stellen sind: Was ist mir hier und heute am wichtigsten? Was ist zweitrangig? Und was darf heute vielleicht bewusst zurückstehen? Wenn dir alles exakt gleich wichtig ist, dann gehst du vielleicht mit einer 33/33/33-Mischung hinein. Anmerkung von mir: Du musst gar nichts, auch nicht wählen, aber glaub mir, so was kann das Leben echt erleichtern. Und genau darum geht es.

Wichtig ist, das sind Regler und keine Schalter, bei jeder Einstellung entsteht eine neue Farbe. Wenn man für einen Gang zum Vermieter mal den Selbstwertregler absichtlich weit unten lässt, dann hat man deshalb nicht gleich weniger Selbstachtung, sondern hat einfach klug taktiert. Anmerkung von mir: keine Angst im Spiel RPG Real Life hält dich niemand davon ab mit grell Pink zum Vermieter zu marschieren.

Denn jetzt kommen wir auch noch zu Sättigung, Kontrast und Helligkeit. Da wir hier nicht vom echten RGB-Farbraum reden, sondern von einem Erklärmodell für die Wahl von Kommunikationszielen, bitte nicht wundern, wenn es im Farbraum leicht anders funktioniert.

Diese Regler kann man nicht ganz so aktiv beeinflussen.

Die Helligkeit würde ich vereinfachend als den körperlichen Zustand beschreiben, der (leider) ja immer das Gehirn mit beeinflusst, der Kapitän ist stets Teil des Schiffs. Hunger, Schlafrhythmus, Schmerzen, Substanzen usw. bestimmen hier, ob du grell weiß leuchtend, auf einem gesunden Mittelwert gut erkennbar, oder fast komplett runter geregelt agieren kannst/musst.

Die Sättigung und den Kontrast würde ich als ein Reglergespann sehen hier. Die Sättigung könnte man als Stimmung interpretieren, von überdreht bis zum grellen Anschlag, bis hin zum ausfaden in Graustufen ist hier alles möglich. Der Kontrast hingegen bestimmt wie viel Unterschiede du gerade wahrnehmen kannst, dies würde ich als emotionale Intensität beschreiben, Wut, Trauer, Angst, aber auch überschwängliche Freude, können diesen Regler bedienen. Ein hoher Kontrast bedeutet, du nimmst Unterschiede überdeutlich wahr, möglicherweise zum Beispiel durch Angst beeinflusst. Ein sehr niedriger Kontrast bedeutet, du nimmst alles als verwaschenen Einheitsbrei wahr, das kann zum Beispiel bei Trauer, aber auch überschwänglicher Freude der Fall sein.

Anmerkung von mir (schließlich ist dieses Modell-Konzept noch in Entwicklung): Ich hoffe dieses Bild wird klar. Schreib mir gern falls nicht.

Wenn ich nun abschließend also weiß, was heute meine Ziele sind und gleichzeitig meine körperlichen, emotionalen und psychischen Gegebenheiten kenne, dann kann ich mich für diesen Kampf vorbereiten, also auch entscheiden welche Skills ich überhaupt mitnehme.

Denn der beste Build nutzt nichts, wenn ich ihn heute gar nicht spielen kann oder er für diesen Fight ungeeignet ist.

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Es geht darum wie sehr ich noch an einem Fehler knappse, aber auch wie ich mich in meinem RPG Real Life selbst mit Questbelohnungen versehe.

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RPG Real Life Teil 1 Einführung

RPG Real Life Teil 2 Der Fleischroboter = Deine Spielfigur

RPG Real Life Teil 3 Das Questsystem

Die Kafka Quest

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submitted 2 weeks ago* (last edited 2 weeks ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/JemandsLebenDerBlog@feddit.org

Das erste, was ich mit RPG Real Life erreichen wollte und vor einem Jahr auch erreicht habe, war, den Skill Pragmatismus First zu leveln. Pragmatismus First heißt: Zuerst das pragmatisch Sinnvolle erledigen. Ganz banal: Wenn ich irgendwo sitze und ein Papierchen sehe, das wegzuräumen ist, dann mache ich es sofort. Wenn ich weiß, dass ich zum Briefkasten muss, dann gehe ich nicht erst in zehn Minuten oder einer Stunde, sondern sofort. Das habe ich im letzten Jahr mit viel Einsatz gelevelt, geübt und eingeschliffen, bis es automatisch funktioniert. Für viele Menschen ist das ein natürlicher Vorgang. Für mich war es hart zu erlernen. Wer die genauen Schwierigkeiten und den Prozess nachlesen will, kann das in meinen Texten von letztem Jahr tun Teil 1 "Was ist das?" und Teil 2 "Der Fleischroboter" sind die alten Versionen der Texte, die ich in den letzten Tagen hier zu RPG Real Life gepostet habe. Ab Teil 3 "Der Bossfight für ein LevelUp" ist es nur noch dort auf Wattpad zu lesen und wird nur dort so auch erhalten bleiben.

Alte Texte:

https://www.wattpad.com/story/395118409-mein-mmo-rpg-real-life

Neue Texte:

  1. https://substack.com/home/post/p-197572171 Das Spiel das keines ist
  2. https://substack.com/home/post/p-197649111 Der Fleischroboter = Deine Spielfigur

Doch um allgemein strukturiert zu bleiben und alles einfacher zu erledigen, habe ich mein Leben gamifiziert (in Spiellogik umgewandelt). Tägliche Quests: Briefkasten leeren, Tabletten nehmen, Alltagsaufgaben erledigen. Morgens mache ich mir eine kurze To-Do-List, im Kopf oder schriftlich, mit den wichtigsten Aufgaben des Tages.

Wöchentliche/Monatliche Quests: Termine, Rezept für Medikamente holen (alle drei Monate), Bezahl-Quests (z. B. Rechnungen, die der Briefkasten oder andere Menschen mir geben). Die plane ich ein, wann die Zahlung möglich ist, meistens mit der Kalenderfunkion und Erinnerungen.

Langfristige Quests: Über mehrere Monate verteilt, wie aktuell die Leuchtturm-Quest: alle Leuchttürme auf den friesischen Inseln besuchen https://substack.com/home/post/p-197957810. Bildungs-Quests: Zum Beispiel die Kafka-Quest: das Gesamtwerk von Kafka lesen https://feddit.org/post/29311240.

Quest-Belohnungen sind groß oder klein, je nach Aufwand: Nach dem Briefkasten: zweiter Kaffee. Nach größeren Aufgaben: Essen gehen oder ein Tag am Strand in Schillig mit Lesen.

Nach der Leuchtturm-Quest: Kurzurlaub in Großbritannien.

Dann habe ich Hauptquests: 90 Jahre alt werden: Erfordert täglichen Grind (oft wiederholende Aufgaben in Spielen) regelmäßig gesund essen, schlafen, nicht rauchen, kein Alkohol, moderate Bewegung. Seit ich an der Nordsee wohne, fällt mir das leichter, weil ich meerverrückt bin.

Eigene Geschichten erleben: Sachen wie Leuchtturm-Quest oder Kafka-Quest nicht ewig verschieben, sondern einplanen. Zum Beispiel am Sonntag nach Varel und dann Dangast (ein Künstlerdorf) fahren, dort gibt es angeblich den besten Rhabarberkuchen. Das ist auch eine Quest, über die ich schreiben kann.

In möglichst vielen anderen Geschichten vorkommen: Mich ins Leben stürzen, Sicherheitschecks einhalten, aber nicht nur wegen Angst vor emotionaler Verletzung, oder Blamieren allein verharren.

Schließlich gibt es Achievements, dass sind langfristige Erfolge, die nicht durch eine einzelne Quest abgeschlossen werden, sondern durch Dranbleiben, z.B.:

Zwei Jahre Nichtraucher (seit Dezember 2024, also dieses Jahr dann erreicht). Ein Jahr lang täglich veröffentlichen (8. Mai.2026 erreicht). Ein ganzes Menschenleben in seiner Fülle mit Texten und Videos darstellen.

Fazit: Mir hilft dieses System ungemein. In Spielen freue ich mich wenn ich ne große Herausforderung zu meistern habe, sie Stück für Stück angehe, besser werde, Fortschritt erlebe, es vielleicht noch mal anders probieren muss und schließlich den Erfolg erlebe. Und genau diese Freude am Abschließen von Aufgaben, hat mir vorher im Leben gefehlt.

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submitted 2 weeks ago* (last edited 2 weeks ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/JemandsLebenDerBlog@feddit.org

[Spoiler, Spoiler, everywhere]

Zumindest leichte Spoiler sind auch heute nicht ganz zu vermeiden, aber mehr als foreshadowing.

Die Kettlemans selbst: Luxus, Lügen und Zuneigung zueinander

Die Kettlemans sind kein klassisches Bösewicht-Duo. Sie sind unsympathisch, aber nicht monströs, mehr eine Mischung aus Gier, Naivität und einer fast rührenden Fürsorge für ihre Kinder. Mrs. Kettleman, die ich meist liebevoll „Kettlemonster“ nenne, ist eine Frau, die sich in teure, aber leicht geschmacklose Kleidung wirft, als wolle sie beweisen, dass sie dazugehört, während ihr Mann, der naive Buchhalter, ihr folgsam hinterherläuft, doch auch wenn sie ihn bevormundet, wirkt sie nie abwertend ihm gegenüber und die beiden scheinen fast liebevoll miteinander. Sie wirken beide nicht klug genug, um tatsächlich böse zu sein, dass sie nicht unschuldig sind, erfahren wir allerdings recht früh.

Hinzukommt, das in den Momenten, in denen sie mit ihren Kindern interagieren, ein wirklich liebevoller Umgang gezeigt wird, höchstens nervig, wenn sie sich selbst "Kettlecrew" nennen. Sie spielen mit ihnen, kümmern sich um sie, selbst im Zelt im Wald, als sie auf der Flucht sind. Immer wieder wird klar: Sie sind keine Monster, sondern Menschen, die in ihrer eigenen Realität gefangen sind. Ihr Haus, das sie mit solch übertriebener Sorgfalt aufhübschen, während das Verfahren gegen sie läuft, ist ein Symbol für ihre Verblendung. Sie glauben, sie könnten unbesorgt das gestohlene Geld ausgeben, als ob die Justiz sie nicht einholen würde. Mrs. Kettleman, selbstgerecht und mit einem eisernen inneren Bestätigungssystem ausgestattet, leugnet die Schuld von Mr. Kettleman, selbst wenn alle Beweise dafür sprechen, selbst wenn ihr Gegenüber bestätigt von der Schuld weiß, kann sie dies nie ganz lassen. Ihr Mann wirkt wie ein armer, getriebener Familienvater, der nur den Ansprüchen seiner (scheinbar geliebten) Ehefrau gerecht werden möchte.

Was die Kettlemans für Jimmy bedeuten: Der Ursprung des Übels

Für Jimmy sind die Kettlemans der Auslöser alles Übels und das nicht, weil sie etwas Böses getan hätten, sondern weil sie etwas völlig Normales taten: Sie lehnten ihn als Anwalt ab und gingen dann zu Hamlin, Hamlin & McGill (HHM). Das ist schlicht ihr gutes Recht. Doch für Jimmy war diese Abweisung der erste Domino-Stein, der seine Abwärtsspirale in Gang setzte. Er, der so dringend Geld, Prestige und Selbstbestätigung brauchte, sah in ihrer Entscheidung eine persönliche Beleidigung. Und so begann sein Racheplan, der von Anfang an schlimme Auswirkungen hatte und noch so viel schlimmere haben wird.

Die Kettlemans sind Jimmys Verhängnis, weil sie ihm erschreckend ähnlich sind. Auch er ist gierig, manipulativ und verzweifelt. Doch während sie dumm genug sind, um sich selbst zu zerstören, ist Jimmy schlau genug, um zu wissen, dass er es besser machen könnte, dennoch scheitert auch er immer wieder. In Folge 7 wird das besonders deutlich: Er versucht, das Richtige zu tun, um sich selbst zu schützen, Kim und sogar die Kettlemans. Doch am Ende bricht er zusammen, weil er erkennt, dass es ihn alles gekostet hat, die ganzen ausgeklügelten Pläne auf seiner Seite und dummen Pläne auf der Kettlecrew Seite haben ihn finanziell, emotional und moralisch ruiniert. Und das Schlimmste ist: Die Familie des Grauens weiß um ihren Anteil daran nicht einmal.

Was die Kettlemans für Kim bedeuten: Der Riss im System

Die Kettlemans zeigen Kim, dass sie bei HHM keine Fairness erwarten kann. Sie ist die beste Anwältin der Kanzlei, sie handelt einen unglaublich guten Deal für Mr. Kettleman aus. Der wird aufgrund von galoppierender Realitätsblindheit des Kettlemonsters ausgeschlagen. Howards Reaktion darauf ist die einzig echte Schuld, die er in der gesamten Serie auf sich lädt: Er gibt Kim die Schuld und strafversetzt sie. Das ist persönlich, unfair und unlogisch und es ist der Moment, in dem Kim beginnt, Howard zu hassen.

Für Kim sind die Kettlemans der erste Auslöser dessen, was sie später dazu bringen wird, sich in absurde Rachepläne einbinden zu lassen.

Was die Kettlemans für Howard bedeuten: Unlogische Reaktion mit unfassbaren Folgen

Für Howard sind die Kettlemans ein Symbol für sein Versagen. Sie sind große Klienten, deren Verlust sein Ego verletzt. Die Kanzlei, die sein Vater und Chuck aufgebaut haben, darf nicht wegen seiner Führung scheitern. Er war zwar selbst genauso wenig schuld wie Kim. Aber er brauchte einen Sündenbock, statt es schlicht als "Dummheit der Mandanten" zu verbuchen. Seine unlogische Reaktion Kim zu bestrafen ist das Einzige, was man ihm in der Serie wirklich vorwerfen kann. Das einzige, was nicht Chuck zuzuordnen oder auf Grund von Mangel an Informationen "falsch" entschieden wurde. Er schiebt Kim den Fehler zu, weil er es nicht ertragen kann, diese Mandanten zu verlieren. Und er wird bis zum Schluss nicht verstehen, was es ihn kosten wird, Kim als Feindin zu haben, er wird nicht mal wirklich verstehen, warum sie seine erbitterte Feindin wurde. Ehrlich gesagt, fällt es mir auch schwer zu verstehen, er war schlicht ein ungerechter Chef.

Was die Kettlemans für Mike bedeuten: Jegliche menschliche Regung führt ihn näher an sein Verhängnis, seit er sich wegen der Kettlemans zu nah an Jimmy begab

Für Mike sind die Kettlemans der erste nahe Berührungspunkt mit Jimmy und er gerät damit in eine Dynamik, die meiner Meinung nach Ausmaße einer griechischen Tragödie hat (wie recht vieles in den beiden Serien, zugegebenermaßen). Vorher war Mike für Jimmy nur der Parkplatzwächter, ein Mann, der sein eigenes Ding machte. Doch als er Jimmy den Tipp gibt, wo die Kettlemans sein könnten, beginnt etwas Neues. Irgendwie mag er Jimmy, vielleicht erinnert er ihn als schräges Zerrbild an sich selbst, jemand der mit den falschen Mitteln das Richtige tun will.

Doch diese Verbindung besiegelt schlussendlich Mikes Verhängnis. Jede menschliche Regung, sei es Mitleid, Neugier oder auch nur eine Art Respekt, ist ab da ein Schritt Richtung Untergang.

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Mich selbst hassen gerade... Ich hatte Wochen der Vorbereitung und verkacke so derartig bei etwas derart Wichtigem... ich bin einfach nicht dafür gemacht irgendwas richtig zu machen. Egal wie sehr ich denke, ich mache es gut und korrekt, ich hab so ein Scheiße-bau-Gen, dass mich immer wieder verkacken lässt. Dass mich im Endeffekt immer Mist abliefern lässt. Und wenn mir jetzt jemand mit irgendeinem KACK kommt, mit "du hast dich angestrengt, das zählt", "der Weg ist das Ziel", "aus Fehlern lernt man" "du machst dir nur zu viel Druck" oder so einem FEEL GOOD DRECK, der mir nur sagt "du bist so dumm, dass du noch nicht auf Plattitüden als Lösung gekommen bist" der wird instant überall blockiert, egal wer es ist. Ich streng mich an, das IST ja das schlimme! ich versage obwohl ich Mühe und Zeit investiere. Wisst ihr worauf es ankommt: AUF DAS ERGEBNIS! Nicht darauf ob ich zwar unfähig, aber fleißig war. Fleiß ist KEIN WERT! Ich bin zu unfähig um je irgendwas zu erreichen, zu dumm um je irgendwas gut zu machen. Und es geht hier zum VERSCHISSENEN DRECK nicht um Schuld, es ist egal ob die "böse Gesellschaft", meine Eltern, meine Minderbemitteltheit oder der PC schuld wären. Wenn die Verantwortung bei mir läge, hätte ich noch die Chance was zu ändern, aber ich bin ein Versager, seit ich auf der Welt bin und versuche das zu ändern seit ich 6 Jahre alt bin, es ist unwahrscheinlich das meine Fähigkeiten ausreichend dazu wären. Was werde ich machen? Sobald meine Scham wieder auf ein Maß runtergekühlt ist, dass ich mir nicht mehr selbst den Schädel einschlagen möchte, weiter stümpern und pfufschen und dreckigen Mist an Texten abliefern, der zu Recht niemanden interessiert und hoffen das diese Dokumentation eines Versagerlebens wenigstens für Wissenschaftler in der Zukunft irgend einen Wert haben könnte... Ich hasse mich.

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Ein Fallbeispiel

Überemotional Teil 1, mit Links zum DBT-Erfahrungsbericht

Oft sagen Leute zu mir ich wäre zu emotional und das stimmt sogar, denn ich habe Borderline. Ich kenne es also leider nur zu gut, wenn meine Aussagen von Wut, Verletztheit oder Angst beeinflusst sind.
Häufig sagen es aber Menschen zu mir, wenn sie selbst gerade sehr emotional auf etwas sachlich geäußertes reagiert haben.

Beispiel auf Threads aus den letzten Tagen, welches dies eindrucksvoll zeigt:

Es passierte am Vatertag auf Threads. Ich werde niemanden mit Namen nennen, weil das nur das Gegenteil dessen erreicht was ich möchte. Ich werde ihn auch weitestgehend nicht wörtlich zitieren.

Meine Posts werde ich wörtlich mit auch den Fehlern so lassen.

Worum es eigentlich ging

Jemand hatte drei verschiedene Aussagen von Frauen zum Vatertag rausgesucht und zu problematischen Beispielen des Männerhasses erklärt.

Und ich hatte da drauf geklickt, weil ich mir dachte: "Was ist denn so schlimm?"

Es gibt tatsächlich radikal-feministische Aussagen, die wirklich sehr, sehr weit gehen.

  • Die erste Aussage war, heute hätten die Puffs und Saunaclubs Hochkonjunktur.
  • Die zweite Aussage war, dass da heute viele mitliefen, die selbst keine Väter wären.
  • Die dritte Aussage war, es würde nur denen zum Vatertag gratuliert, die sich auch um ihr Kind kümmerten, in Bezug auf Unterhaltszahlungen.

Dass diese moderaten Aussagen speziell ausgewählt wurden, verwunderte mich und ich reagierte mit ein paar Fragen:

"Ok. Ich hab mich tatsächlich gefragt, was für Threads du meinst.

  • Hast du ein Problem, dass jemand darauf aufmerksam macht, dass heute Sexwork Hochkonjunktur hat? (Mutmaßlich)
  • Darauf hingewiesen wird, dass da viele feiern, die keine Väter sind?
  • Und das nur Vätern ein schöner Vatertag gewünscht wird die auch tatsächlich sich um ihre Kinder kümmern?

Das sind deine Beschwerdepunkte?

Das ist dieser Männerhass?"

Ein wiederum anderer Thread-Teilnehmer reagierte darauf sehr persönlich betroffen auf meine Fragen.

Erst kam ein Muttertagsvergleich, den ich nicht mal wirklich zusammen bekommen würde, wenn ich ihn wörtlich zitieren würde. Es geht wohl darum, dass auch Müttern gratuliert würde, die ihr Kinder ins Heim gegeben hätten oder abgetrieben (?). Also es war sehr schräg auf jeden Fall.

Dann gäbe es ja Väter, denen verweigert wird, ihr Kind zu sehen. Dann wurde nach wissenschaftlichen Belegen dafür gefragt, dass am Vatertag mehr Männer in den Puff gehen.

An dieser Stelle schaltete er ein. Mein Modus von „innerem totstellen“.

Das ist dann keine Emotionslosigkeit im eigentlichen Sinne. Man hat noch Emotionen zum Beispiel Verwunderung oder Verzweiflung über die Menschheit und auch immer ein gewisses Maß an Mitleid. Mitleid ist kein nettes Gefühl, aber es ist unvermeidlich für mich in diesen Situationen.

Mit also schon wenig Interesse an diesen vielen Erklärungen, die man auf so was immer geben muss ohne auf Erkenntnis hoffen zu können, denn eine Diskussion folgt auf solche Identitätsabwehr meist nicht mehr.

Und so fing es dann auch an. Ich fragte wie immer nach, wenn ich erklären will, denn ich will so was kurz halten und da klopfe ich ab was bereits da ist:

"also erstens: Wer gratuliert denn Nicht-müttern zum Muttertag? das hab ich noch nirgends mitbekommen.

Nicht kümmern heißt für dich also aktiv davon abgehalten werden?

Ich hab keine Ahnung ob Prostituierte heute Überstunden machen und hab es auch eindeutig nicht als Fakt in den Raum gestellt...

Vorstellen könnte ich es mir, es liegt sehr nahe, aber das heißt nicht dass ich sage: SO ist das!

Anscheinend fühlst du dich ganz schön davon angegriffen... alles ok bei dir?"

(Das letzte war fies, aber Mitleid ist fies.)

Er meinte eine Mutter gelte immer als Mutter, egal ob die Kinder bei ihr wären. Und erwähnte dann tatsächlich etwas persönliches, aber auch gleich dass er zum ersten Mal höre, dass heute besonders viele Männer in den Puff gingen.

Ich weiter erklärend:

"Ich meinte das zu dem Take, dass viele nicht Väter heute da mit marschieren.

Männer, die keine Kinder gezeugt haben.

Ich werfe das nicht mal direkt Vätern vor. Ich werfe das überhaupt niemanden vor. Du hast gar nicht gelesen, was ich geschrieben hatte.

Ich halte es für wahrscheinlich gerade, weil da viele sehr junge Männer dabei sind, die wahrscheinlich keine Väter sind.

Wie vielen Frauen, die keine Kinder bekommen haben, wird denn zum Muttertag gratuliert?"

Dann meinte er es gäbe Leute die heute Frau oder Kinder mitgenommen hätten (ich wüsste gar nicht dass ich dem widersprochen hätte) und dann meinte er es ginge überhaupt nicht um meine Aussagen.

Der zweite Teil war etwas verwirrend, denn er hatte auf meine Antwort und nicht auf den Hauptthead geantwortet.

Ich bot mich als Männerhasserin an, dachte ein klares Feindbild könnte vielleicht helfen:

"Ok. Wenn du meine Aussage nicht meinst, dann rate ich dir nicht auf meine Aussage zu reagieren …

Ich bin kein offizieller Fürsprecher, ich fand nur die drei vom OP herausgepickten Aussagen wirklich harmlos.

Aber wenn man so hineininterpretiert, kann echt aus Banalitäten Männerhass lesen.

Wenn du mir Männerhass vorwirfst, dann bitte nicht wegen Kleinkram.

'Männer sind noch nicht einsam genug.'

Das kannst du gern so interpretieren und ist persönlich von mir, an alle Männer die rumjammern."

Er hätte sich verklickt, er werfe mir gar nichts vor und meinte die Grundaussagen und fragte was dieses geschlechtsspezifische Bashing denn bringen solle. Und er würde nie Frauen wegen Muttertag kritisieren...

Kennt ihr dieses innerliche „Uff“, wenn klar ist, das hier jedes Wort vergebens geäußert ist, weil jemand völlig in einer Wutschleife ist, die eigenen Widersprüche nicht mehr bemerkt und das nicht mal absichtliche Gaslighting startet, dieses Verdrehen von Tatsachen aus Identitätsverteidigung nur damit er vor sich selbst noch bestehen kann?

Also antwortet man nur noch für mögliches Publikum, denn das Gegenüber ist innerlich schon nicht mehr im selben Gespräch:

"Ich hab echt keine Lust auf die Diskussion.

Du hattest Muttertag als Vergleich angebracht. Den ich übrigens durchaus kritikwürdig sehe… Aber nicht wichtig.

Was es bringen soll, ist eine Veränderung bei der breiten Masse der Männer.

Ich denke Männer die dazu nicht bereit sind vereinsamen zu lassen könnte da ein probates Mittel sein.

Denn das ist echtes Leid und ich weiß aus Erfahrung, wer genug leidet holt sich Hilfe oder ändert endlich was."

Er meinte er wäre gern allein und dann kam noch folgendes (ausnahmsweise wörtlich, damit diese Plattitüde ihre Wirkung entfalten kann):

"Aber auch Männer haben negative Erfahrungen gemacht."

Ich antwortete für mögliches Publikum:

"Alles Gut. Es zwingt dich hoffentlich niemand in eine Beziehung.

Ich kann übrigens immer noch nicht für alle Frauen sprechen …

Deinen Letzten Take würde ich zwecks Whataboutism überdenken.

Findest du dass in Mitteleuropa in privaten Beziehungen eher Gleichberechtigung herrscht oder eher Ungleichbehandlung, Diskriminierung und teilweise Gewalt?

Und dann die wichtigste Frage hier bei: wie ist das deiner Meinung nach meist gewichtet?"

Er fragte:

  • Wieso Whataboutism?
  • Ob ich ihm seine Erfahrungen abspräche?
  • Warum nur Mitteleuropa?

Ok, an der Stelle hab ich laut aufgelacht, was doof war, denn ich stand grad an einer Fußgängerampel und das wirkte etwas schräg, denke ich.

Aber:

Warum Whataboutism?
Dann eine Frage die klar macht, er weiß nicht was das ist, dann wieder Whataboutism...

Leute, kommt schon! Ihr hättet auch gelacht!

Ich gab auf:

"Ernsthaft was hast du?

ich hab dir Fragen gestellt und dir gesagt du solltest den Take überdenken…

d.h. nicht, dass ich dir irgendwas abspreche, denn d.h. du sagst dieses Problem ist es nicht wert ist, dass man darüber redet weil es gibt ja auch dieses Problem.

Warum Mitteleuropa?

Weil ich da lebe und ich dachte du auch?

Wir können ja nicht über Gegenden reden, die wir persönlich nur schwer beurteilen können.

Warum erkläre ich das?

Ich wünsche dir noch alles Gute."

Er hat dann gemeint, wenn mich es so abfucken würde...
(jetzt kommt der Wahnsinn in voller Güte Leute)

...wenn ein Mann sich mal Zeit nähme sachlich mit mir zu reden...

und dann irgendwelches Geschwafel ich hätte ihn zwingen wollen zu schreiben: "Nicht alle Männer, aber immer ein Mann."

Dann hab ich ihn stumm geschaltet.

Denkt ihr es gibt eine Chance solche Leute noch zu erreichen?

Ich meine der hält sich für den Guten, der hält sich für sachlich, der hält sich für unemotional in dieser Diskussion.

Wie soll man solche Menschen noch erreichen?

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submitted 2 weeks ago* (last edited 2 weeks ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/JemandsLebenDerBlog@feddit.org

Wangerooge - Juwel in tosender Macht

Ich möchte zu Wangerooge zunächst einfach sagen: Diese Insel überfordert mit Schönheit.

Ich hab dazu ein Video gemacht: Wer sich mit Schönheit bombardieren lassen will:

YouTube

PeerTube

Der Text mit Bildern ist zu finden auf: Substrack Jemand DrachenSchaf

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Er ist die Grundlage dafür, dass du überhaupt zocken kannst. Jeder hat ihn schon mal vernachlässigt. Der Fleischroboter ist allerdings unverzichtbar und unersetzlich für dich.

Mein Lieblingskörperteil ist das Gehirn, und das ist (leider) Teil des Körpers. Der Zustand des Körpers kann das geliebte Ding stark beeinflussen... Dehydration, lange nicht geschlafen, Grippe... miese Nummer. Oder wie ich gern sage: Der Kapitän ist Teil des Schiffs. Davy Jones lässt grüßen.

Deswegen steht auf meiner persönlichen Pragmatismus First Agenda (nicht für jede/n was) ganz oben:

Fleischroboterwartung

Darunter fällt:

  • wenigstens einigermaßen ausgewogenes Essen
  • immer ausreichend Flüssigkeit
  • unterwegs immer eine kleine Flasche Wasser dabei
  • Tabletten regelmäßig nehmen
  • Wartungsbesuche wahrnehmen (Arzt usw.)
  • Überhitzung und Unterkühlung verhindern (Zwiebellook ist dein Freund!)
  • Bei langen Reisen Toilettenpausen planen, im Stau aus dem Auto steigen ist nicht funny, nasser Sitz auch nicht (Bei mir durch chronische Blasenschwäche verschärft)
  • Ab und an an frische Luft und Sonnenlicht gehen (Biologie diskutiert nicht, Vitamin D entsteht nur so)
  • Dem Fleischroboter ausreichend Zärtlichkeiten und Sexualität zukommen lassen (sich selbst geben zählt)
  • genügend Bewegung…. O.k. war ein Joke, diese Forderung kann der Fleischroboter vergessen… die anderen versuche ich einzuhalten.

Passt auf eure Spielfigur auf, sie hilft nur sehr bedingt beim Denken, aber kann es aushebeln. All eure Interaktions- und Sensorikfähigkeiten habt ihr durch euren Fleischroboter. Er speichert (nicht vergessen Gehirn ist Körper) euren Fortschritt, sogar wenn ihr im Stand-by schnarcht. Er definiert oft eure Leistungsfähigkeit, kann euch selten mal nen Buff (im Spiel sind das kurzzeitige Verbesserungen), aber bei Falschbehandlung einen Haufen Debuffs (vorübergehende Verschlechterungen eurer Werte) geben und manche davon sind, anders als in den meisten Spielen, leider permanent.

Und endet er, ist schlichtweg GAME OVER!

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Eine Beschreibung des Spielsystems

Irgendwann zwischen 2015 und 2017, in einer Phase, in der es mir sehr schlecht ging, habe ich angefangen mein Leben anders zu betrachten. Anfangs war das Leben für mich eine Serie, später ein Theaterstück, dann ein Rollenspiel. Nicht metaphorisch, sondern Struktur gebend. Ich begann damit an die kleinen und großen Aufgaben des Lebens als Quests (Aufgaben in Spielen, ursprünglich aus der Heldenepik) zu sehen, dauerhafte Vorhaben als Achievements (Errungenschaften, Trophäen für Leistungen im Spiel z.B. alle Inseln erkundet). So wurde ich also langsam vom Zuschauer, zum Teilnehmer und schließlich zum Spieler.

Die wichtigste Regel in meinem Spiel: Jeder Mensch spielt. Es gibt keine NPCs (Non-Player-Charakter. Eine Spielfigur ohne Mensch dahinter, wird vom Computer gesteuert). Kein einziger Mensch auf dieser Welt ist ein Statist. Nicht mal die, die versuchen nicht mitzuspielen, sie haben alle Auswirkung auf die Spielwelt und möglicherweise auf dich. Tiere sind in gewissem Rahmen auch Spieler, denn sie haben ja auch Bedürfnisse und daraus resultierend einen Willen. Alles, was keine eigene Handlungshoheit hat, kann NPC oder einfach Spielumgebung sein: Formulare, Algorithmen, Programme, KIs.

Meine Klassenwahl ist „Selbstprüfer“, manchmal übertrieben genau, aber sehr hilfreich wenn man viel lernen will. Die Klassenwahl im Spiel bestimmt die Spielweise sehr stark, klassisch gibt es damage dealer = Klasse die Schaden austeilt, meist Schützen, tank = gepanzerte Nahkampfklasse und heal = Heiler. Es gibt natürlich viele Varianten, aber dass sind die klassischen Drei. Im RPG Real Life gibt es minimal so viele Klassen wie es Menschen gibt.

Den Skilltree (Fähigkeitenbaum, Talentbaum, ein sich verzweigendes Netz an Fähigkeiten) hatte ich zunächst nicht freiwillig gewählt: Den Pfad der DBT (Dialektisch Behaviorale Therapie), das ist eine verhaltenstherapeutische Maßnahme, bei der einem mehr oder weniger das Menschsein gelehrt wird, die ursprünglich für Menschen mit Borderline-Störung entwickelt wurde. Im Spiel ist sie ein optionaler, extrem schwer zu meisternder Pfad. Ich habe ihn nur angenommen, weil mein Leidensdruck so hoch war, dass ich ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, nicht mehr weiterzuspielen. Meine Ausgangslage war nicht: „Ich will leben.“ Sondern: „Ich will lernen, leben zu wollen.“ Mit diesem Satz startete ich 2012 die DBT.

Das Levelsystem ist simpel: Ein Lebensjahr = ein Level. Ich bin derzeit auf Level 44. Skillpunkte müssen durch aktives Training verdient werden. Es gibt keine automatischen Punkte pro Level. Und: Skills können sich zurückentwickeln. Wer z. B. jahrelang nicht schwimmen wahr, wird merken dass er sich nun schwerer tut.

Vertrackter ist es mit Skills die erst anfangen zu leveln wenn man eine bestimme Quest gestartet hat. Wer z.B. nie Selbstreflexion betreibt, wer nie ehrlich zu sich selbst ist, wird nicht mal anfangen echtes Verständnis für Menschen aufzubringen. Und nie sehen das ein Mensch einfach ein Mensch ist, ob man selbst oder jeder andere. (Meine Meinung)

Das Spielsystem erlaubt Cheats. Jeder darf cheaten. (cheaten bedeutet schlicht betrügen). Du darfst mit Geld kaufen, was andere erarbeiten. Du darfst lügen, betrügen, manipulieren. Du darfst dich verstecken, du darfst dich aufblasen, du darfst Narrative erfinden, Rollen spielen, Gefühle simulieren, du „darfst“ auch Gesetze brechen. Das Spiel wird dich nicht warnen. Es wird dich nicht aufhalten. Aber du musst dir bei jeder Tat klar sein, dass sie Konsequenzen hat, für dich selbst, für andere, für die Spielumgebung und am Ende vielleicht doch wieder für dich selbst. Man weiß nie.

Zeit ist dein kostbarstes Gut. Jede Sekunde zählt. Jede Minute, die du in einer Quest verbringst, die dir nichts gibt, musst du später rechtfertigen. Vor dir selbst! Und du wirst nicht zurückspulen können. Du wirst keine Dialogoption neu auswählen können. Jedes deiner Worte an deine Mitmenschen ob real oder in Social Media ist gesetzt, du hast entschieden es so rauszulassen. Leb damit! Tu was du willst ist ernstgemeint hier. Tu was du willst und leb mit den Konsequenzen. Eine Sache die in diesem Spiel genial ist, ist die Komplexität des Skilltrees. Kein Spiel auf dieser Welt - nicht Path of Exile, nicht Das schwarze Auge, nicht Baldur’s Gate - kommt auch nur annähernd an die Tiefe des echten Lebens heran. Der Skilltree des Real Life ist ein explodierendes 3D-System mit Millionen von Ästen. Du kannst zehntausende verschiedene Builds (das sind Skillkombinationen, manchmal dann man mehrere erlernen und wechseln) bauen. Aber du wirst immer Konsequenzen tragen. Du kannst ein absoluter Machiavellist werden. Du kannst in den sozialen Baum investieren, in Empathie, in Netzwerke, in Täuschung, in Informatik... Alles ist verfügbar. Aber nichts ist ohne Preis. Mindestens Zeit kosten alle, manche Geld, manche Freunde, manche die Familie, manche deine Freiheit und manche kosten Leben.

Ich spiele das Spiel, weil ich irgendwann 90 sein will und alle mit meinen Geschichten nerven will. Ich will sagen können: „Ich habe mein Spiel gespielt."

Das Spiel läuft im „Heroic Mode“ (Ein Modus in Spielen bei der die Spielfigur tatsächlich tot ist, wenn man stirbt, auch Permadeath, Ehre-Modus oder ähnliche Bezeichnungen) dass heißt, keine Savegames, kein Neuladen, jede Sekunde zähl, nur einen Durchlauf.

Gib dein Bestes, würde ich sagen.

Coming soon: Der Fleischroboter = deine Spielfigur Das Questsystem und meine Skills in Anwendung

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178 Es lebe der Sport (thelemmy.club)
submitted 3 weeks ago* (last edited 3 weeks ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/JemandsLebenDerBlog@feddit.org

"Der ist sozial und gibt uns Halt ♬♩♪♫"

Ich habe früh mit dem Turnen angefangen, mit sechs oder sieben. Es war Mannschaftssport, zumindest offiziell. Inoffiziell war es ein System aus Wertungen das besagte, dass die zwei schlechtesten Ergebnisse gestrichen wurden. Ich war immer eines davon. Ich war Teil der Mannschaft und zählte gleichzeitig nicht. Ich war da, ich habe mitgemacht, ich habe geübt, und trotzdem hatte mein dabei sein keinen Effekt.

Parallel dazu Schule. Der Unterricht war für mich ein guter Ort. Dort wurden Dinge erklärt. Dort ging es nicht darum, wie ich aussehe oder wie schnell ich bin, sondern darum, ob ich etwas verstehe. Ich mochte das und liebte es wenn ich endlich verstand wie Dinge funktionierten. Die Pausen waren das Gegenteil. Ich war schräg, ich war still, ich wusste nicht, wie man Anschluss findet. Es lag nicht nur an den anderen, dass ich ausgeschlossen wurde und ich wusste das.

Der Schulsport lief währenddessen durch alles hindurch. Schon in der Grundschule war klar, dass ich schlecht war. Ich konnte keinen Purzelbaum. Ich war langsam. Egal, was wir machten, ich war am schlechtesten. Ich wurde immer als Letzte gewählt. Nicht nur aus sozialen Gründen, sondern einfach aus Logik.

Nach dem Turnen kam die Wasserwacht. Ich war ungefähr zwölf. Wieder Training, wieder Wettkämpfe, wieder Letzte. Es war nicht mehr nur Verletzung es war erwartete Verletzung.

Ungefähr zu dieser Zeit (wir waren etwa 12) sagte meine beste Freundin AM zu mir: „Du warst in der Turnmannschaft? Das kann ich mir bei jemandem so Plumpem wie dir gar nicht vorstellen."

Das war nicht der Anfang meiner extrem verzerrten Körperwahrnehmung, aber es war ein Schnitt. Ein Satz, der etwas fixierte, was vorher diffus gewesen war. Ab da war mein Körper nicht mehr nur nicht leistungsfähig genug, sondern zu fett um teilzunehmen. Ich habe diesen Satz nie vergessen.

Später kam das Reiten. Ich wollte nie auf Turniere, jahrelang lernte ich einfach Reiten, doch mir wurde gesagt ich wäre gut, also wollte ich nochmals einem Wettkampf stellen. Es lief eigentlich gut. Meine Stute war ruhig, ich war konzentriert. Ich wurde Letzte. Das war mein letztes Turnier, mein letzter Wettkampf überhaupt.

Mein Körper wurde gleichzeitig immer muskulöser. Durch Helfen in der Landwirtschaft, Reiten, Schwimmen. Ich war stark, zäh, belastbar. Und ich fand auch wegen der Muskeln furchtbar dick. Ich wog mit siebzehn, achtzehn Jahren etwa fünfzig Kilo bei 1,68 m. Das machte mich nicht diszipliniert, sondern verzweifelt.

Die Umkleide

Dieser Raum bekommt einen eigen, nicht chronologischen Abschnitt.

Der erste Aspekt dort war, dass ich nie die richtigen Klamotten hatte. Immer irgendwelche alten Jogginghosen, nichts, was gut aussah. Meine Familie war groß, mein Vater geizig, und Sportkleidung war nie Priorität. Das sah man. Und ich sah es selbst.

Als zweites kam dort diese banalen sozialen Dinge hinzu: Die Angst zu stinken. Schwitzen. Angst zu schwitzen. Angst, dass andere es sehen oder riechen. Im Sport unvermeidlich. Und je größer die Angst, desto stärker der Effekt. Dazu wieder die Klamotten. Sichtbare Marker dafür, nicht dazuzugehören.

Mit Beginn der Pubertät wurde die Umkleide aber dann endgültig schlimmer als der eigentliche Sport. Ich hatte noch keine Begriffe. Ich wusste nur, dass ich mich dort wie jemand fühlte, der eigentlich nicht da sein sollte. Nicht nur, weil ich mich auch zu Mädchen hingezogen fühlte, sondern weil ich mich selbst nicht als richtiges Mädchen empfand. Ich wusste, dass ich dort drüben noch weniger passen würde. Ich war ein Wolf im Schafspelz und es war mir bewusst.

Und danach?

All das lief zusammen. Nicht als eine große Ursache, sondern als viele kleine, tägliche Bestätigungen.

Als ich älter wurde und den Sport aus meinem Leben gestrichen habe, wurde es schlagartig leichter. Noch bevor ich irgendetwas verstanden oder benannt hätte.

Recht früh im Erwachsenenalter ich gemerkt, dass meine Bisexualität nichts Bedrohliches ist, dass sie kein Problem darstellt. Leider erst einiges später entdeckte ich auch die Bezeichnung "nicht-binär" für mein "nicht als Frau und nicht als Mann fühlen" und machte recht schnell meinen Frieden damit.

Doch der Sport hat mich nicht verbunden. Er hat mir keinen Halt gegeben. Für andere mag das anders sein. Für mich war er ein Ort, an dem ich sehr früh gelernt habe, dass ich nicht für Erfolg gemacht bin. Und dass man Räume verlassen darf, in denen man nur als Fehler vorkommt.

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submitted 3 weeks ago* (last edited 3 weeks ago) by Jemand_DrachenSchaf@feddit.org to c/JemandsLebenDerBlog@feddit.org

Ich habe es ja schon ein bisschen angeteasert in dem Reel: "Der Schlussaccord (für Pete, noch nicht für die Kafka-Quest)" Es gibt Leuchttürme zu besuchen, das steht in dem Brief, den man da kurz sieht. Bin da nicht genauer drauf eingegangen, aber es ist leicht erklärt: Pete hatte bei sich zu Hause kleine Figuren von den Leuchttürmen der friesischen Inseln stehen. Diese typischen Souvenirs. Das Problem ist nur, er war noch an keinem dieser Leuchttürme. Als dann von ihm der Vorschlag kam, sie nach und nach tatsächlich zu besuchen, war ich Feuer und Flamme. Ich bin ein großer Nordsee-Fan, wie man weiß, denn ich bin ja hergezogen. Und ich liebe es, Sachen in die Tat umzusetzen über die man vorher nur geredet hat. Das sind die Dinge, die man sich merkt, das sind die Sachen von denen man hinterher erzählt, das sind die Peaks im Leben. Nur er verschob es auf irgendwann und auf irgendwann später und auf irgendwann danach. Das kann und muss man manchmal machen. Das Problem ist nur, wir leben ein endliches Leben.

Deshalb geht es heute nach Wangerooge. Heute Vormittag ist es relativ windstill gemeldet heute. Nachmittag soll es schön winden, wenn ich heim fahre mit der Fähre. Ich mich warm genug einzwiebeln und die Wellen genießen. Ich war schon lange nicht mehr auf dem Schiff und ich habe einfach Glück, dass es heute tatsächlich passt mit dem Wetter.

Wie immer werde ich alles fotografieren, was mir Schönes vor die Linse kommt. Aber unabhänig von allen Bilder, die für mich auch immer ein Beweis und ein Achievement sind... ich war dann tatsächlich dort. Ich habe es gemacht. Ich habe einen Peak in mein Leben gesetzt. Und der nächste Leuchtturm kommt nächsten Monat.

Irgendwann ist jetzt.

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Da sich Geschwister nun mal Eltern teilen, rede ich hier immer von unseren Eltern, auch wenn meine Geschwister möglicherweise andere Ansichten zu ihnen haben.

Kennt ihr den Film "Big Fish"? Wir sind mit zwei Big Fish aufgewachsen.

Damit meine ich nicht Menschen, die Geschichten erfinden. Unsere Eltern haben beide auf ihre Art so manche Geschichte übertrieben, aber nicht erfunden. Sie haben dieses Leben tatsächlich gelebt. Und wenn Menschen so leben, dann wirken sie auf andere irgendwann wie Figuren aus Geschichten, selbst wenn alles wahr ist.

Unser Vater war äußerlich kein großer Mann. Etwa eins siebzig groß, Bauch, nur ein Arm nach einem Unfall (ok, das Detail ist an sich schon wieder "Big Fish"). Trotzdem konnte er einen Raum füllen, als wäre er riesig. Er war cholerisch, stur wie die Hölle, rücksichtslos seiner Familie gegenüber, ein Querulant, ein Musiker und ein Lump, aber gleichzeitig gebildet, intelligent, humorvoll, ein guter Freund und voller Energie.

Er spielte Musik. Mundharmonika, Akkordeon, später Keyboard. Nicht so richtig gut, aber mit Eifer und Einfallsreichtum, wegen der fehlenden Hand. Musik gehörte zu seinem Leben, genau wie das Tanzen. Rock’n’Roll liebte er, aber auch ansonsten war er ein guter Tänzer.

Unsere Mutter ist eine andere Art Big Fish. Wenn mein Vater Granit war, dann ist sie eher eine Weide am Bach. Sie konnte unglaublich viel aushalten, ist mehrfach zerbrochen und trotzdem noch da.

Sie liebt Musik. Wenn man sie fragt, was sie am liebsten hört, sagt sie oft einen Satz, den ich bis heute an ihr mag: „Ich liebe es, wenn die Gitarren so richtig schreien.“

Sie liebt Filme. Western, Hitchcock, Nebel des Grauens, aber auch Shrek und Schuh des Manitu, einfach alles mögliche.

Sie liebt Bücher. Sie hat jahrzehntelang in der Gemeindebücherei gearbeitet. Bücher gehörten zu unserem Haus wie Möbel. In fast jedem Zimmer war ein Regal.

Sie liebt PC-Spiele. Ich bin schuld daran, sie hat mich damals Cäsar III spielen sehen und dann selbst angefangen. Sie ist jetzt 85 und hat sich grad nen neuen gebrauchten Gaming-PC gekauft.

Zusammengefasst: Sie liebt Geschichten und ihre Phantasie hat nicht nur ihr, sondern auch uns beim Überleben geholfen.

Unsere Eltern hatten beide nur acht Jahre Volksschule. Trotzdem wurde bei uns gelesen, auch die Tageszeitung jeden Tag, Tagesschau zusammen schauen war für mich schon als Kind normal. Meinen Vater lesend am Tisch zu sehen war für mich einfach Alltag. Es wurde über Bücher gesprochen, über Filme, über Musik, aber auch über Politik.

Das klingt alles sehr modern, aber gleichzeitig war unser Alltag mehr als altmodisch. Wenn unser Vater von der Arbeit nach Hause kam, standen wir oft schon in Arbeitsklamotten bereit. Er kam gegen halb fünf, aß, trank sein Bier, und dann mussten wir mit zum Arbeitseinsatz. Die Landwirtschaft hatte immer Arbeit zu bieten, irgendein Gerät war zu reparieren, Zäune zu flicken, Holz zu machen oder halt banal die Tiere zu versorgen. Wenn du eingeteilt warst um die Lampe zu halten und wackeltest oder wenn du bei "Halt mal da" nicht sofort wusstest wo, dann wurdest du niedergebrüllt wenn du Glück hattest, die weniger Glücklichen bekamen eine gelangt.

Überstrenge Regeln und völlige Freiheit konnten nebeneinander existieren. Unser Vater konnte uns also wegen einer Kleinigkeit niederbrüllen, aber wenn wir am Freitagabend zur Tür hinausgingen und sagten: „Wir gehen tanzen“, dann sagte er einfach: „Viel Spaß.“

Ich erinnere mich an einen Moment, in dem mir zum ersten Mal auffiel, dass unsere Familie vielleicht nicht ganz normal war. Ich (etwa 11 damals) bekam mit wie der Vater einer Schulkollegin nach Hause kam von der Arbeit. Sie rannte auf ihn zu und sagte fröhlich: „Papa, schön, dass du da bist.“ Ich war völlig irritiert. Für mich bedeutete ein Vater, der nach Hause kommt, etwas anderes. Vorsicht. Arbeit. Ende der Kindheit für heute. Ich überlegte damals schon was davon normaler war.

Ein anderes Mal (schätze ich war 12) hörte ich eine Nachbarin zu ihrer Tochter sagen:

„Wenn du nicht brav bist, kommst du eine Woche zu den H.s. Da lernst du gehorchen.“ Sie wusste, dass ich das hören konnte. Ab da war mir recht klar, dass die anderen zumindest eine Ahnung hatten was bei uns abging, aber keinen Grund zum Handeln sahen.

Unsere Eltern waren faszinierende Menschen. Unsere Mutter ist es noch. Leute die andere in ihren Bann ziehen konnten. Auf Menschen außerhalb unserer Familie wirkten die beiden zu Recht oft höchst faszinierend.

Wenn man mit solchen Eltern aufwächst, passiert etwas Merkwürdiges...

Man wächst im Schatten von großen Geschichten auf.

Und ist enttäuscht, wenn man diese Größe nie erreicht.

Denn natürlich denkt man jetzt, wenn der Autor von solchen Leuten abstammt und eine solche Kindheit hatte, dann muss er doch ein außergewöhnlicher Mensch geworden sein. Nein, lächerlich gewöhnlich, langweilig und dramatisch erfolglos. Das einzige was mir noch bleibt ist es als Chronist meines eigenen Scheiterns wenigstens noch einen Hauch Pseudo-Sinn in mein Leben zu schreiben. Aber wenn ich aus meiner Kindheit eines gelernt habe, dann aus jeder Situation das beste zu machen, deswegen ist genau meine Gewöhnlichkeit mein künstlerisches Konzept.

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Nicht nur weil es heißt, dass ich noch lebe

Das Beste daran, über 40 zu sein, und auch so auszusehen, ist einfach: Niemand spricht dir mehr deine Lebenserfahrung ab. Ich habe lange, graue Haare. Ich färbe sie nicht. Und ja, anscheinend gilt das im weiblichen Körper schon als „mutig“. Ich finde das immer witzig: Mutig? Es sind einfach meine Haare. Ich liebe sie. Ich finde lange, graue Haare wunderschön, an Männern, an Frauen, egal an wem. Das ist einfach ein ästhetischer Kink von mir.

Und dieser graue Schimmer hat einen Bonus: Wenn ich heute sage „Meiner Erfahrung nach ist es so und so“, kommt kein „Ach, warte mal, bis du älter bist, dann verstehst du das auch.“ Das ist vorbei. Und das ist herrlich.

Nur, liebe Leute, die mir jetzt plötzlich zuhören: Das Verrückte ist, vieles von dem, was ich heute sage, wusste ich schon mit 25. Meine größten Abstürze, meine härteten Erkenntnisse habe ich alle lange vor den grauen Haaren gemacht. Aber erst jetzt glaubt ihr mir. Nicht, weil ich klüger geworden bin, sondern weil ich älter aussehe. Und genau das ist die Ironie: Alter macht dich nicht automatisch schlauer. Es macht dich nur für andere glaubwürdiger.

Aber Alter hat auch eine andere Seite: den Körper. Und der hält sich nicht an Höflichkeit. Früher konnte ich irgendwo auf einem Motorradtreffen einfach im Schlafsack neben dem Motorrad auf dem harten Boden pennen. Heute? Heute stehe ich morgens von meiner Matratze auf und mein Rücken sagt mir, dass ich dringend eine neue brauche. Mein Knie protestiert bei jeder dummen Bewegung. Und ja, ich habe eine Blasenschwäche. Mit 43! Nicht zu operieren, nicht rückgängig zu machen, einfach nervig und endgültig. Das ist kein Drama, aber es verändert die Spielregeln.

Und genau dieser protestierende Körper macht das älter werden wertvoll: weil es dich mit der Nase darauf stößt, dass jeder Tag und jede Minute zählt. Dass der Körper nicht verhandelbar ist, das er endlich ist. Die grauen Haare sind der sichtbare Teil. Die kleinen körperlichen Macken sind der stille, dauerhafte Reminder: Du bist sterblich. Und wenn du das einmal wirklich begriffen hast, hörst du immer weniger auf Bullshit, du fängst an Dinge einfach zu tun, weil die Gelegenheit da ist. Vielleicht bin ich heute sogar „unvernünftiger“ als früher… naja, ich war schon immer für jeden Blödsinn zu haben.

Und genau diese ständigen Erinnerungen machen etwas mit dir, sie bringen dich dazu, dich zu sortieren, klarer zu werden und loszulassen. Das ist vielleicht die größte Veränderung, die das Alter wirklich bringt: Gelassenheit. Und die beginnt nicht erst mit den grauen Haaren, sie fängt viel früher an. Schon mit 19, als ich plötzlich auf eigenen Beinen stand, kam die erste harte Erkenntnis: Was die anderen sagen, ist nett, aber am Ende musst du mit dir selbst klarkommen. Natürlich willst du gemocht werden. Natürlich willst du dazugehören. Aber irgendwann merkst du: Wenn der Preis dafür ist, dich zu verbiegen, dann lieber nicht.

Das war kein einfacher Weg. Es hat wehgetan, immer wieder. Aber jedes Jahr, das vergeht, schiebt ein weiteres Stück Ballast von dieser Angst nicht gemocht zu werden weg. Du merkst: Du brauchst keine hundert Menschen, die dich feiern. Du brauchst ein paar, die dich wirklich sehen. Und der Rest? Danke, NEXT.

Und noch etwas kommt dazu: Wenn ich morgen draufgehe, bereue ich keinen einzigen Tag. Nicht mal die schlechten. Nicht die Nächte in der Psychiatrie, in denen ich mein Leben nicht mehr mochte. Nicht die Fehler, die mich haben stolpern lassen. Ich habe Menschen wehgetan, und das sind die Entscheidungen, die mir am meisten leid tun. Aber mein Leben? Es war immer meins. Ich war schon früh stur, schon früh eigensinnig, schon früh nicht bereit, mich zu wirklich zu beugen. Das lag an meiner Kindheit: teils offen, teils brutal autoritär. Mit 19 da raus zukommen hat mich eigenmächtig gemacht. Ich habe mein Leben in riesigen Schlucken genommen, manchmal zu viel, und ja, dann habe ich die Konsequenzen getragen. Ich hab gelebt, ich hab geliebt, ich war unterwegs, ich hab mich dem Rausch hingegeben, ich hab mich überhoben, ich hab bereut, ich hab gefeiert, ich hab Chancen ergriffen, manches davon hatte harte Konsequenzen. Aber es war mein Weg. Ich will nicht wieder 20 sein. Den Körper? Sofort. Aber den Kopf nicht. Mein Kopf war damals noch voller Selbsthass, voller Zweifel, und trotzdem, er war schon meiner. Ich möchte keinen Tag zurück. Keine Entscheidung. Keine Abzweigung. Jede Narbe gehört dazu. Ich mag mich immer noch nicht besonders, aber heute weiß ich: Du kannst jeden Menschen loswerden, aber nicht dich selbst. So lebe ich in relativen Frieden mit diesem sturen, anstrengenden, über-reflektierten, exaltierten, aufbrausenden, prinzipientreuen, erfahrungshungrigen Menschen, der ich nun mal bin. Und jammere über den Körper, ich brauch immer was zu jammern, sonst fühle ich mich nicht wohl, ich bin deutsch.

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Der Körper lässt nach, meine Blasenschwäche wird schlimmer, mein Knie meckert immer öfter, der Rücken sagt mir, wann Schluss ist mit Schlafen, und mein Magen vertragt keinen Kaffee mehr nachmittags (zum Glück noch schwarzen Tee oder Mate Tee... schließlich bin ich Brühender heißes Wasser über Pflanzenteile kippen ist Teil meiner Identität). Es ist anstrengend, jeden Tag ein bisschen zu sterben, während mein Körper mir klarmacht: "Du bist nicht mehr der, der du mal warst." Aber genau das ist auch die geilste Sache, die passieren kann. Denn Altern bedeutet, dass ich nicht sterbe, zumindest nicht heute. Es bedeutet, Trends kommen und gehen zu sehen, Internetseiten auftauchen und wieder verschwinden zu sehen, deine Helden und Heldinnen alt werden zu sehen und zu wissen, dass alles endlich ist. Ich hab mich blamiert, mich unmöglich gemacht, Plattformen verlassen und trotzdem weitergelebt. Ich hab erlebt, wie Dinge kaputtgegangen sind, wie Menschen gestorben sind, etwas viele für meinen Geschmack, aber trotzdem ging mein Leben weiter. Wenn es mal wieder schlimm ist, weiß ich:

"Egal, wie schlimm es sich gerade anfühlt, wie verzweifelt alles scheint es wird wieder besser. Nicht, weil das Leben fair wäre, sondern weil die Zeit weitergeht. Ich werde wieder lachen können. Ich werde wieder lieben können. Nicht, weil die Welt es mir schenkt, sondern weil ich es schon so oft durchstanden habe. Die DBT und die Suchttherapie haben es mir gezeigt, aber vor allem hat es mir das Leben selbst immer wieder bewiesen."

Alt werden ist kein Verfall, sondern ein Beweis dafür, dass ich noch da bin. Mit all meinen Wehwehchen, meinen Erinnerungen und der Gewissheit, dass das Leben voller Möglichkeiten bleibt auch wenn sie sich ständig ändern. Mit der Gewissheit das ich vergänglich bin und deshalb jede Sekunde zählt und wenn ich grad auf den Bus warte, dann mach ich mir schöne Musik an oder erzähl mir selbst eine Geschichte, dann schau ich nach Schönheit in meiner Umgebung und in mir und finde sie immer.

In dem Text vor einem Jahr bin ich mehr auf die sozialen Aspekte eingegangen:

Älter werden ist das beste, was mir je passiert ist

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Jemands Leben - nur viel davon

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Mangels Alternativen muss feddit für meinen Blog in meinem "MEIDE DIE US SEITEN Monat" herhalten... Die Zahlen sind die Reihenfolge in der sie geschrieben wurden, das ist hier wild durcheinander, denn ich poste sie hier im Boykottmonat, wenn ich sie als Link wo anders brauche.

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