Diese Woche hab ich zwei deprimierende aber sehr gute Bücher für euch.
Zum ersten Wolfgang Borcherts Kurzgeschichten mit dem Titel „An diesem Dienstag: 19 Erzählungen“. Borchert ist für mich ein absolutes Genie. Niemand schreit seinen Schmerz an der Welt, die Generationen junger Menschen in einem Krieg zermalmt und weggeworfen hat so eindrucksvoll und herzzerreißend heraus wie er. Irgendwie schafft er es das unsagbare zu beschreiben und jemandem näher zu bringen der glücklicherweise nie etwas so schreckliches erleben musste und hoffentlich auch nie erleben wird. Ich kannte von ihm schon Draußen vor der Tür und Die Hundeblume welche ich beide unfassbar gut und sehr deprimierend fand. Diese Kurzgeschichtensammlung macht da keine Ausnahme.
Dann habe ich noch Requiem for a Dream von Hubert Selby Jr. gelesen. Vor Jahren hatte ich mal den davon Inspirierten Film von Darren Aronofsky gesehen und fand ihn sehr gut und sehr traurig. Das Buch fand ich nun in Teilen vielleicht sogar noch ein Stückchen besser, da man hier natürlich mehr direkte Einblicke in die Gedanken der Figuren bekommt und so deren Hoffnungen und Ängste noch ein wenig besser nachvollziehen kann. Mittlerweile habe ich auch ein wenig mehr Erfahrungen mit Drogen (keine Opiate wie Harry) und Sucht (v.A. Nikotin und Alkohol) gesammelt, was dem Ganzen auch nochmal einen zusätzlichen Beigeschmack verleiht. Man merkt an den Beschreibungen sofort, dass Selby Jr. ähnliches erlebt hat, wie das was seine Charaktere durchmachen müssen.
Interessant war, dass Borchert und Selby Jr. beide Satzzeichen und besonders Anführungszeichen zu verachten scheinen. Bei beiden wechseln die Sätze ohne sichtbare Zeichen von Beschreibungen in direkte Rede über. Daran muss man sich beim Lesen erstmal gewöhnen, aber diese Verstümmelung und bei Borchert immer wieder komplette Auflösung der Sprache macht etwas mit dem Text, das sehr eindrucksvoll das Trauma zeigt, welches beide beschreiben. Zusätzlich schreibt Selby Jr. für alle seine Figuren im Dialekt der zu ihnen passt, nicht nur deren Rede sondern den ganzen Absatz. Wer Spaß an kreativer Verwendung von Sprache hat, kommt bei beiden Autoren definitiv auf seine Kosten.