Dass im Katastrophenfall lokale (evtl. sogar unmittelbar betroffene) Infrastruktur zeitweise überlastet ist, ist normal, denn so ist "Katastrophe" definiert. Dass die gesamte Infrastruktur überlastet ist, ist ein Zeichen schlechter Vorbereitung. Und schlechte Vorbereitung ist genau, was Jahrzente von neoliberalem Sparwahn und Privatisierung uns eingebracht haben. Wenn Alles profitmaximierend auf Kante genäht ist und nur bei funktionierenden just-in-time-Lieferketten überhaupt noch mehr schlecht als recht funktioniert, gibt es nun mal keinerlei Reserven für Notsituationen.
Die schlechte Vorbereitung betrifft übrigens nicht nur den Verteidigungsfall, sondern auch Naturkatastrophen. Siehe die Corona-Pandemie. Oder die Ahrtal-Flut. Auch rückgratlose Entscheidungsträger, die nicht den Arsch in der Hose haben, vor einer absehbaren Katastrophe eine schnelle Entscheidung zu treffen, um das Schlimmste zu verhindern, (z.B. der damalige Ladrat vom Kreis Ahrweiler, der nicht evakuiert hat, oder die korrupten und rückgratlosen Landes- und Bundespolitiker, die während der Pandemie Gegenmaßnahmen, zu denen ihnen dringend geraten wurde, jedes Mal mit Ansage so lange verschleppt haben, bis sie, ebenfalls mit Ansage, nicht mehr ausgereicht haben) sind ein Teil der schlechten Vorbereitung. In einem Land, das auf Katastrophen vorbereitet ist, dürften solche Leute nicht in einer Position sein, in der man gegebenenfalls schnell Entscheidungen über Leben und Tod treffen muss. Dass auch im Nachhinein solche gemeingefährlichen Nullen keinerlei Konsequenzen für ihr Handeln (bzw. ihre Untätigkeit) tragen müssen, obwohl sie damit eine mehrstellige Anzahl von Todesfällen verursacht haben, ist nicht nur ein Symptom schlechter Vorbereitung, sondern auch ein Multiplikator, denn wenn man als politischer Entscheidungsträger weiß, dass man nicht zur Verantwortung gezogen wird, braucht man auch keine zu übernehmen. Wir haben inzwischen eine Entscheidungskultur in der gesamten Gesellschaft, in der es nicht mehr darum geht, das Bestmögliche zu tun und die Verantwortung dafür zu übernehmen, sondern nur noch darum, seinen eigenen Arsch juristisch ins Trockene zu bringen, koste es, was es wolle.
Die Vorbereitung ist übrigens nicht wirklich besser geworden. Das Gesundheitssystem ist aus der Pandemie schwer beschädigt hervorgegangen, und trotz der Sonntagsreden während der allgemeinen Panik nach der Ahrtal-Flut gibt es nach wie vor kein wirklich belastbares, brauchbares flächendeckendes System zur Warnung der Bevölkerung. (Der Wiederaufbau des Sirenennetzes wird z.B. sogar noch durch krankhafte Bürokratie ausgebremst)