Auf Fehmarn – und auch auf die fehmarnsche Mentalität – übertragen hieße das:
Die Stadt Fehmarn (die ganze Insel ist seit einigen Jahren eine Stadt; 12.000 Einwohner, 185 km²) würde eigene Windparks bauen. Zusätzlich zu den vielen Windparks, die es auf Fehmarn schon länger gibt, als man im Hunsrück überhaupt von Windkraft gehört hat. In Konkurrenz zu Privatunternehmern, die da Windparks bauen, weil sich das auf der gerade im Westen und Norden fast topfebenen, landwirtschaftlich geprägten, nur spärlich bewaldeten und bebauten Insel mit viel Wind absolut lohnt. Das ist kein dicht bewaldetes Mittelgebirge.
Von dem Geld gründet die Stadt Fehmarn ein Busverkehrsunternehmen. Kauft 12-m-Standard-Überlandbusse, für Spitzenlast dazu noch den einen oder anderen 18-m-Gelenkbus, natürlich alles Elektrobusse. Grünen Strom hat die Insel ja reichlich. Stellt Fahrpersonal ein. Baut ein großes Busdepot – weil wir hier nicht von drei Linien im Stundentakt reden können, um die Fehmaraner zum Umsteigen auf Busse zu bewegen.
Und fährt damit dann mindestens ein Dutzend Buslinien. Ohne Auftrag aus Kiel, komplett auf eigene Rechnung. Allesamt Stichlinien, die an mindestens einem Ende an einem von anderthalb Dutzend Zielen in der tiefsten Wallapampa enden – an beiden Enden, wenn sie nicht in Burg beginnen. Deshalb Stichlinien, die nicht an beiden Enden an andere Nahverkehrsträger angeschlossen sind, weil Fehmarn eine Insel ist, auf der eben nur Stichlinien gehen. Wenn man mit dem Bus nach Westermarkelsdorf oder Presen fährt, wohin soll man dann von da weiterfahren? Da ist ganz einfach das Land zu Ende.
Auf den stärker befahrenen Abschnitten fährt dieses kommunale Busunternehmen auf eigene Faust in direkter Konkurrenz zu den Rohde Verkehrsbetrieben, die seit Dezember 2021 durch eine Ausschreibung vom Land Schleswig-Holstein mit der Durchführung des Busverkehrs in Ostholstein jenseits von Neustadt beauftragt ist. Das heißt: Fehmarn hat Busse. Nur fahren die nicht oft genug, um für Autofahrer attraktiv zu sein. Und die decken nicht die ganze Insel ab.
Rohde fährt im Taktverkehr von Burg über Landkirchen aufs Festland, von Burg über Landkirchen nach Orth und von Puttgarden über Burg nach Burgtiefe. Werktags außer samstags im Stundentakt bis auf die Fahrten aufs Festland, ansonsten im Zweistundentakt mit ein paar Zusatzfahrten. Dabei bindet eine Linie die ganze Insel ans Festland an, zusätzlich zu einem Schnellbus nach Lübeck, den DB Regio als SEV fährt. Eine weitere ist eine Stichfahrt von Burg aus. Die dritte ist eine Stichfahrt über Burg in beide Richtungen, weil es in Puttgarden kaum Umsteiger zwischen Bus und Fähre gibt.
Dieses kommunale Busunternehmen fährt alle Linien, durchweg Stichlinien, mindestens im Viertelstundentakt, wenn nicht im Zehnminutentakt. Und dieses kommunale Busunternehmen bindet auch noch den hinterletzten Winkel der Insel in voller Taktstärke umsteigefrei an Burg an. Da enden die Busse nicht am Marktplatz einer Kreisstadt, auch nicht an einem Bahnhof. Nein, die enden blind und ohne jegliche Umsteigemöglichkeit in einem Dorf an der Küste. Manche dieser Dörfer sind so klein, deren Einwohner passen bequem alle auf einmal in einen einzigen Bus.
Zwischen Burg und Landkirchen fährt Rohde unter der Woche pro Stunde und Richtung ein, zwei Busse. Dazwischen wuseln dutzendweise kommunale Busse herum, die in Summe alle paar Minuten fahren wegen der vielen Ziele, die per Stichfahrten angebunden werden müssen.
Einen geringeren Takt kann man Fehmaranern nicht zumuten, dann müssen sie zu lange warten. Viertelstundentakt ist schon schwierig.
Verkürzte Linien mit mehr Umsteigeknoten kann man ihnen auch nicht zumuten. Die meisten wollen entweder nach Burg, oder sie kommen aus Burg, und die werden allesamt Busse nur annehmen, wenn sie ohne Umsteigen nach Burg kommen. Ich meine, wer will gerne zwischen zwei Bussen umsteigen, nur um mal eben zur Apotheke zu fahren? Und Apotheken gibt’s eben nur in Burg, genau wie Drogeriemärkte. Das heißt, Buslinien funktionieren nur, wenn sie Burg anfahren. Und dann müssen sie in Burg auch alles Wichtige abklappern, also das Gewerbegebiet im Westen, die Innenstadt und die Inselschule im Osten, die einzige weiterführende Schule auf ganz Fehmarn.
Die allermeisten Busse werden dann leer fahren, weil zu dem Zeitpunkt gerade keiner einen Bus braucht. Aber vielleicht braucht ja doch mal jemand einen und will dann nicht eine halbe Stunde oder eine Stunde oder zwei Stunden warten.
Das heißt, im Grunde bräuchte es noch ein paar zusätzliche Buslinien als Querverbindungen. So gibt’s bei den Radiallinien keine Verbindung zwischen Niendorf und Gahlendorf, zwischen Wulfen und Avendorf bzw. Blieschendorf, zwischen Dänschendorf, Gammendorf, Johannisberg und Puttgarden oder umsteigefrei zwischen Albertsdorf und Neujellingsdorf. Weil das aber keine Fahrten für tägliche Besorgungen sind, sollte da ein Stunden- oder Halbstundentakt reichen.