Warum klappt das mit dem ÖPNV nicht, frage ich mich?
Weil der gewaltigen Mehrheit der Fehmaraner der ÖPNV komplett am Arsch vorbeigeht.
Woher ich das weiß? Du nutzt wahrscheinlich Google, Wikipedia und ChatGPT oder so, um an deine Informationen ranzukommen. Oder auch nur rauszukriegen, was Fehmarn eigentlich ist.
Ich bin selbst Exilfehmaraner. Ich habe da über 20 Jahre gewohnt. Ich habe Familie auf Fehmarn. Ich bin alle paar Wochen auf Fehmarn. Ich kenne die Situation und die Leute vor Ort aus erster Hand.
Der Fehmaraner ist einfach die Bequemlichkeit des Pkw gewohnt. Von der Haustür 10 Sekunden zum Auto, vom Auto 20 Sekunden zur Supermarkttür, dasselbe noch einmal umgekehrt. Viel bequemer, als erst 15 oder 20 Minuten zur nächsten Bushaltestelle zu latschen, wo regelmäßig ein Bus ohne Umsteigen ins Gewerbegebiet fährt, und da dann auf den Bus im Stundentakt oder Zweistundentakt zu warten. Und ich rede von Burg.
Ich war auf Fehmarn mal bei einer alteingesessenen Ärztin, einer Bekannten meiner Mutter (die eigentlich eh bekannt ist wie ein bunter Hund). Die hat mir gesagt, sie kann sich nicht vorstellen, wie man irgendetwas erledigen kann ohne Auto. Ihre Tochter wohnte in Hamburg und nutzte da nur Öffis. Das war für sie komplett und total unvorstellbar.
Im Übrigen kennen die Grünen auf Fehmarn sogar das Konzept AST, das deine leere Busse Problematik sehr erfolgreich angeht.
Mit Anrufen mindestens einen halben Tag vorher.
Quelle: Haltestellenaushänge vor Ort. Noch einmal: Ich war da.
Außerdem fahren auch die ASTs nach festen Linien und festen Fahrplänen und nicht mal eben spontan jemanden aus Schlagsdorf nach Burg. Wer das will, ruft Barnasch und löhnt dann auch entsprechend mehr.
Quelle: Ich bin auf Fehmarn auch schon AST gefahren.
Edit: und Wiki sagt noch, dass vorher, mindestens seit der Gemeindezusammenlegung 2003 die CDU die stärkste Fraktion war. D.h. seit 23 Jahren (und vermutlich länger) wählt Fehmarn gegen ÖPNV.
Fehmarn hat schon immer „gegen den ÖPNV“ gewählt.
Das ländliche Schleswig-Holstein ist überaltert sein Vadder. Fehmarn ebenso.
Die ganz alten Fehmaraner wählen, was ihre Eltern und ihre Großeltern gewählt haben. Und die haben eben sehr oft CDU gewählt, vor allem auf’m Dorf. Aber die sterben langsam aus. Das ist es, was erklärt, warum die CDU an Stimmen verliert.
Die alten Fehmaraner, die noch vorm Bau der Sundbrücke geboren wurden, gewöhnen sich auch nur schwer an Neues. Die haben sich im Grunde nicht mal dran gewöhnt, sich an Veränderungen zu gewöhnen. Bis 1963 die Sundbrücke eröffnet wurde, gab’s auf Fehmarn beinahe null Einflüsse vom Festland.
Da wird die E 47 (B 207) weiterhin beharrlich „E 4“ genannt. Der Hansa-Park Sierksdorf heißt weiterhin „Hansaland“, obwohl der eigentlich schon seit 43 Jahren nicht mehr so heißt. Die bft-Willer-Tanke am Landkirchener Weg ist für viele wahrscheinlich immer noch „Steenbock“. Früher hat fast jeder Erwachsene auf Fehmarn NDR1 Welle Nord gehört, weil das so schön Radio Sterbehilfe war. Heute hören sie nicht etwa NDR Schlager, sondern weiterhin NDR1 Welle Nord, weil sie das schon immer gemacht haben und das alte Analogradio immer noch fest auf UKW 97,8 MHz eingestellt ist. A propos NDR: Der gleichnamige Fernsehsender heißt immer noch „das Dritte“.
Überhaupt: Für alteingesessene Fehmaraner – die keine KI und keine Suchmaschine auf der Welt kennt, weil die meisten von denen im Netz keine Spuren hinterlassen, weil die nicht online sind – ist es nicht „Fehmarn, Ortsteil Burg“, sondern weiterhin „Burg auf Fehmarn“. Und Fehmarn hat weiterhin eine Stadt und 42 Dörfer, wie es jahrzehntelang jedes Kind in der Grundschule gelernt hat.
Vielleicht gibt’s auf Fehmarn Leute, die sich wirklich einen besseren ÖPNV wünschen. Aber die sind eine Minderheit. Die allermeisten davon dürften Zugezogene sein, die aus einer größeren Stadt kamen und mit einem Busverkehr rechneten, der wie in dieser größeren Stadt ist. Aber selbst die haben fast immer mindestens ein Auto pro Haushalt.
Wer nach Fehmarn zieht ohne Auto oder gar ohne Führerschein, der hat entweder Verwandte oder Bekannte auf der Insel, die ihn herumkutschieren, für ihn einkaufen fahren usw. (siehe mein Onkel und meine Tante, die beide gebürtige Fehmaraner sind, aber jahrzehntelang in Hamburg gewohnt haben, die beide keinen Führerschein haben, und die jetzt von meiner Mutter abhängig sind), oder ein großes Problem.
So richtige fehmarnsche Eingeborene brauchen keinen ÖPNV. Die haben ihr Auto. Und damit machen sie alles. Okay, Sprit wird teurer, das ist doof. Aber kanns’ ja nix machen. Immer noch besser, als zu Fuß vom Känguruhviertel ins Gewerbegebiet und zurück zu latschen für den Wocheneinkauf. Halbe Stunde oder mehr pro Richtung, weil der ans Auto gewöhnte Fehmaraner kein so schneller Geher ist wie der an öffentliche Verkehrsmittel gewöhnte Großstädter.
Und wer jetzt anfängt, irgendwas von „Lasten-Pedelec“ zu faseln, sollte mal zu Conny Ziemann gehen und gucken, ob so eins bei ihm im Laden steht. Was der nicht hat, ist auf Fehmarn komplett unbekannt. Selbst wenn sich jemand eins mit einem Riesenaufwand vom Festland holen sollte, ist das Auto immer noch bequemer: Das fährt beinahe komplett ohne Muskelkraft, das ist schneller, und das hat eine Karosserie mit Heizung drin, die einen vor Wind und Wetter schützt.
Wenn du auf Fehmarn einen ÖPNV wie in einer großen Stadt haben willst, wirst du als allererstes mal einen erheblichen Teil der Inselbevölkerung austauschen müssen – gegen moderne, hippe, progressive, linksalternative junge Leute aus dem Hamburger Bezirk Altona. Mit Pedelecs.