Wo früher Rotorblätter für die Energiewende gefertigt wurden, sollen bald Panzersegmente für die „Zeitenwende“ entstehen. Die Beteiligten geben sich zugeknöpft. Rostock hat aber offenbar Bedingungen gestellt, darf nun aber auf Millionen an Steuern und 150 neue Jobs hoffen.
Baut Liebherr in Rostock bald nicht nur die weltweit größten Hafenkrane, sondern auch Teile für Panzer? Nach OZ-Informationen verhandelt das Unternehmen über einen Kauf des ehemaligen Rotorblattwerkes von Nordex im Rostocker Nordosten. Dort sollen dann die „Wannen“ für Schützenpanzer gefertigt werden.
Die Beteiligten geben sich auf Nachfrage zugeknöpft. Aus mehreren Quellen heißt es jedoch, der Deal stehe kurz vor Abschluss. Und er könne Rostock nicht nur eine dreistellige Zahl neuer Jobs, sondern auch hunderttausende Euro pro Jahr für die Stadtkasse bescheren: Denn Liebherrs neue Verteidigungssparte soll ihren Firmensitz an der Warnow haben. Eine Sprecherin von Liebherr sagt bislang lediglich, man suche einen Standort für die neue Verteidigungssparte in MV.
Werkshallen stehen seit fast vier Jahren leer
Der Windradbauer Nordex hatte vor ziemlich genau vier Jahren die Produktion von Rotorblättern an der Hinrichsdorfer Straße eingestellt, 600 Mitarbeiter mussten gehen. Jetzt bestätigt Rostocks größtes börsennotiertes Unternehmen lediglich, dass man sich in Verkaufsverhandlungen für die riesigen Hallen mit jeweils mehreren tausend Quadratmetern befinde – nennt aber keine Namen.
Zuletzt waren in den Hallen von einem österreichischen Unternehmen Module für die Inneneinrichtung der neuen Zollhochschule in Rostock-Lichtenhagen gefertigt worden.
Auch Liebherr selbst nennt keine Details, bestätigt nicht mal den Standort Rostock. Richtig sei aber, dass das Familienunternehmen „zur Bündelung der Kompetenzen für die Sicherheits- und Verteidigungsbranche die Liebherr Defense Germany GmbH gegründet“ habe.
„Zu den Hauptaufgaben der Gesellschaft zählen zukünftig die Entwicklung und Fertigung sowie der Vertrieb und Service von Produkten für den Verteidigungssektor“, sagt Larissa Lunitz, Sprecherin der Liebherr International AG mit Sitz in Nussbaumen (Schweiz).
Liebherr baut schon für das Militär
„Liebherr schafft derzeit die Voraussetzungen für eine Systempartnerschaft mit der Verteidigungsindustrie und leitet den Aufbau von Fertigungskapazitäten in Mecklenburg-Vorpommern in die Wege“, so Lunitz. „Zu möglichen Gesprächen mit unseren Geschäftspartnern und zu möglichen Projekten äußern wir uns derzeit nicht.“
Liebherr ist im Bereich Verteidigung bereits mit mehreren Tochterfirmen aktiv, baut unter anderem Teile für Luftbetankungssysteme und auch Motoren für die Schützenpanzer Lynx und Marder.
In Rostock sollen nun nach OZ-Informationen Teile für neue Schützenpanzer des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS gebaut werden. KNDS reagiert zunächst nicht auf eine OZ-Anfrage.
Rostock stellt Bedingungen
Den Kontakt zwischen Liebherr und Nordex sollen bereits im Oktober auf der Immobilienmesse Expo Real in München Verantwortliche der Hansestadt vermittelt haben. Sowohl der Wirtschaftsförderer Rostock Business als auch das Rostocker Rathaus sowie das Wirtschaftsministerium in Schwerin verweisen darauf, dass Gespräche zu Ansiedlungen grundsätzlich vertraulich seien.
Liebherr soll zudem Flächen von der Hansestadt benötigen. Bedingung aus dem Rathaus: Die Verteidigungssparte soll ihren Firmensitz an der Warnow haben und hier auch Gewerbesteuer zahlen. Und: Rostock darf mit bis zu 150 neuen Jobs rechnen, heißt es.