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[–] 2 points 6 hours ago

Das ist leider so eine Krankheit, die viele Leute haben, die von IT nichts verstehen: Sie sehen, dass ihre unmittelbaren Bedürfnisse erfüllt sind, und deklarieren daraufhin die Software als fertig. Die Annahme ist, dass Software wie ein Bauwerk oder Gebrauchsgegenstand funktioniert, nur ohne Wartungsaufwand weil sich ja nichts physikalisch abnutzt. Folglich muss man nur Geld ausgeben, wenn man ein neues Feature braucht, und dann ist das ein neues Projekt.

Ich habe ein paar Jahren für eine Firma gearbeitet, die so funktioniert hat. Der Chef brauchte in den 90ern eine Website für seine Hauptfirma, aber es gab keine guten Anbieter. Also hat er eine Zweitfirma gegründet und ein paar Studenten in Teilzeit eingestellt, um einen Baukasten für Flash-Websites zu bauen. Und die hat er dann als Produkt verkauft, bis in den 2010ern plötzlich alle Leute von Flash weg wollten, weil aus unerfindlichen Gründen iPhones diese erprobte Technologie nicht mehr unterstützt haben.

Sein Plan: Wieder Studenten anheuern, um billig mit WordPress neue Websites rauszukacken, alle Kunden auf die selbe Instanz ballern, wieder die Entwicklung einstellen und das Ergebnis weitere 20 Jahre lang verkaufen. Es gab keinen Plan für Updates oder regelmäßige Sicherheitschecks, weil ist ja fertig. Ebenso war nicht vorgesehen, dass es langfristig angestellte Vollzeitentwickler gibt, weil wenn er neue Features braucht kann er ja einfach neue Studenten anheuern.

Diese Leute wissen nicht, dass Software und insbesondere Onlinedienste regelmäßige Pflege brauchen und sie wollen davon auch nichts wissen. Für sie besteht kein Unterschied zwischen einem Programm, das 1995 auf Diskette verkauft wurde, und einem Webdienst, der mehrere potenziell angreifbare APIs exponiert.

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