Aber an großen Unterschieden war’s das doch.
Ich glaube, die Unterschiede gehen viel tiefer. Das fängt schon bei der Religion an, die dort im Alltag und in der Politik eine Rolle spielt, die bei uns kaum vorstellbar ist. Dazu kommt die tiefgehende Aversion gegen den Staat und dass der sich überall komplett raushalten soll. Meinungsfreiheit, die Aussagen schützt, für die man hier (zu Recht) verurteilt wird und ein viel präsenterer Umgang mit Rassismus, über den dort viel offener gesprochen wird, weil das Thema die ganze Gesellschaft prägt.
Das alles kommt aus der eigenen Geschichte. Die meisten US-Amis stammen von Einwanderern ab, die erst nach 1880 dort hingezogen sind, während die meisten Familien in Europa seit hunderten von Jahren hier verwurzelt sind. Die USA sind dieser "Melting Pot" aus hunderten oder tausenden eingewanderten Kulturen, plus sehr präsente Kulturen von Indigenen. Die USA haben ihre brutale Siedlergeschichte, wir den brutalen Kolonialismus. Sklaverei dort, Holocaust hier. Das sind zwar im Grunde alles ähnlich böse Dinge, wurden aber völlig unterschiedlich aufgearbeitet und prägen die Gesellschaften komplett unterschiedlich.
Edit: Hier zwei Podcasts, die mir dazu im Gedächtnis geblieben sind:
UKW136 USA: Good enough for the moment
Die sogenannte Gegenwart / "Hillbilly Elegy": Müssen wir uns Amerika aus dem Herzen reißen?