Nur einen Roboterhändedruck und einen Rundgang später ist aus dem ambitionierten Friedrich Merz, der eben noch den Aufbruch zur digitalen Eigenständigkeit wagen wollte, ein anderer geworden. Angesprochen auf seine Ambitionen und die Pläne der deutschen Nachrichtendienste, die ihre neue Offline-Cloudlösung offenbar mit Google als Projektpartner umsetzen wollen, betont Merz, „dass Google ja auch in Deutschland und in Europa investiert und wir hier auch europäische Souveränität mit einem amerikanischen Anbieter ermöglichen können.“ Seit Jahren versuchen deutsche und europäische Anbieter den US-Hyperscalern etwas entgegenzusetzen – eine der Kernforderungen dabei: Deutsche und europäische Institutionen sollten als Ankerkunden dafür sorgen, dass sich Investitionen lohnen. [...]
Doch Friedrich Merz, dessen Kanzleramt auch die Nachrichtendienste koordiniert, ficht derlei nicht an: „Das ist ja nicht eine voll integrierte Infrastruktur, sondern das ist eine europäische Infrastruktur.“ Genau um diese Fragen streiten sich die Experten seit Jahren. US-Unternehmen haben komplizierte Konstrukte gegründet, um den Sicherheitsbedenken einer strukturellen Abhängigkeit oder einem „Kill-Switch“-Szenario, bei dem die Cloud aufgrund von Regierungsverfügungen gezielt abgeschaltet werden könnte, halbwegs gerecht zu werden.
Klar ist: Kein Cloudangebot eines US-Hyperscalers kommt längere Zeit ohne Updates vom Anbieter aus – auch keine „Air-Gapped“-Cloud, wie sie die deutschen Dienste in Anspruch nehmen wollen. Innerhalb weniger Monate müsste dann ein Umzugsziel gefunden werden, bevor das System nur noch unzuverlässig arbeitet. Für den eben noch so souveränitätsbegeisterten Kanzler Friedrich Merz steht fest: „Ich habe ein hohes Vertrauen in unsere Dienste, dass die Daten, die wir dort haben, auch sicher sind, geschützt sind, auch wenn dann zum Beispiel ein amerikanischer Anbieter eine große Cloud-Infrastruktur baut, aber die ist für uns sicher.“