Die Linke ist immer noch für eine Auflösung der NATO und gegen Waffenlieferungen an Ukraine, vertritt immer noch die irrige Auffassung, dass Putin durch Sanktionen und Verhandlungen zur Beendigung seines Angriffskrieges gezwungen werden kann. Es wird sogar behauptet, dass westliche Waffenlieferungen den Krieg befeuert hätten, was nichts anderes bedeutet, als dass man von Seiten dieser Partei es bevorzugen würde, wenn diese verbündete Demokratie einen Krieg, bei dem Völkermord klar als Kernziel von russischer Seite aus formuliert ist (was sich auch in Handlungen widerspiegelt, wie zum Beispiel ethnischen Säuberungen, Kindesentführung und -indoktrination, Massenmord an Zivilisten, Unterdrückung ukrainischer Sprache und Kultur in besetzten Gebieten, etc.pp.) lieber hätte verlieren sollen, denn ohne diese Waffenlieferungen wäre das sicherlich passiert.
Ja, die Linke verurteilt den Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf, aber sie zieht daraus die völlig falschen Schlüsse. Es wird sogar impliziert, dass es keine ernsthaften Versuche für Waffenstillstände gegeben hätte, was gänzlich ignoriert, dass Russland gar kein Interesse daran hat, abgesehen von inakzeptablen Maximalforderungen, die Ukraine zur Aufgabe befestigter Gebiete, die Aufgabe seines Militärs, das Eingestehen der Kriegsschuld und die Auflösung der demokratisch gewählten Regierung zwingen und Russland Zeit für Aufrüstung und einen erneuten Angriff geben würden.
Ich war schon immer gegen die anti-NATO Position dieser Partei, selbst als Putin noch keine Bedrohung für einen Großteil Europas darstellte und noch nicht in Nachbarländer einmarschiert ist, denn begründet wurde sie u.a. stets mit der russischen Propagandalüge, dass das Verteidigungsbündnis unrechtmäßig in die legitime russische Einflusssphäre expandiert sei, was natürlich diesen Ländern ihre Unabhängigkeit abspricht und zudem ignoriert, dass sämtliche NATO-Mitglieder demokratisch dafür gestimmt haben - und solche in Osteuropa explizit deswegen, weil sie nach Jahrzehnten der Besatzung, der Unterdrückung und des Völkermordes durch Russland eben nicht mehr von diesem Land bedroht, besetzt und beeinflusst werden möchten.
Dass nebenbei der Bundeswehr verboten werden soll, an Auslandseinsätzen teilzunehmen, dass keine Waffen exportiert werden dürfen (es braucht für eine taugliche Rüstungsproduktion Exporte und deutsche Waffensysteme sind ein essentieller Bestandteil der Arsenale vieler verbündeter Demokratien, die alleine niemals z.B. moderne Panzer oder Luftabwehrsysteme produzieren könnten; wir können gerne darüber sprechen, dass autokratische Nationen wie Saudi Arabien hingegen keine Waffen aus hiesiger Produktion erhalten sollten) und dass keine Atomwaffen auf deutschem Boden stationiert werden sollen, ist im Vergleich fast schon eine Fußnote, aber es illustriert, wie komplett weltfremd die Bündnis- und Verteidigungspolitik dieser Partei ist. Wir leben leider nicht in einer heilen Welt, in der solche unrealistischen Ideen auch nur im Ansatz sinnvoll wären.
Das waren jetzt vier viel zu lange Absätze zum Thema Verteidigungspolitik, aber wir können uns die ganzen netten Anstöße zu Themen wie Mindestlohn, Vermögenssteuer und Verstaatlichung von Wohnungen schenken, wenn wir nicht mehr eine unabhängige Demokratie, sondern ein Spielball skrupelloser Mächte wie Russland sind - denn diesen ist eine faire Gesellschaft hierzulande noch gleichgültiger als CDU/CSU, FDP, AfD und BSW. Man braucht sich nur einmal ansehen, wie die Innenpolitik in Staaten unter russischer Kontrolle oder unter starker russischer Einflussnahme aussieht: Korruption, Ausbeutung, Erosion von Meinungs-, Forschungs- und Versammlungsfreiheit, Arbeitnehmer- und Frauen- und LGBTQ+-Rechten, Verfolgung von Minderheiten, Umweltzerstörung, absichtliche Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl, etc. waren und sind dort an der Tagesordnung.
Bevor du denkst, ich sei komplett kirre auf Krieg und Waffen: Wäre ich damals nicht aus gesundheitlichen Gründen ausgemustert worden (ich hätte mit meinen Augen auf 20m einen russischen Panzer erst von einem Schulbus unterscheiden können, wenn der merkwürdige grüne Bus plötzlich angefangen hätte, auf mich zu schießen), hätte ich aus Überzeugung den Dienst an der Waffe verweigert - wobei ich das zu dem Zeitpunkt neben der extremen Abneigung dagegen, Mitmenschen zu verletzen und zu töten damit begründet hatte, dass wir "umzingelt von Freunden" seien, was immer noch stimmt, aber in Zeiten immer größer werdender Kriegsgefahr in Europa weit weniger beruhigend ist.
Würde ich großkotzig-manifestartig meine politischen Überzeugungen zu diesem Thema zusammenfassen, dann wäre "militanter Pazifismus" vielleicht passend: Wir sollten ein militärisch starker, hochintegrierter Teil von Verteidigungsbündnissen gleichgesinnter Demokratien (wie NATO und EU - es wird oft vergessen, dass die EU auch ein Verteidigungsbündnis ist) und generell so unattraktiv als Ziel offener und verdeckter Attacken durch feindliche fremde Mächte wie Russland und China sein wie nur irgendwie möglich - ohne uns dabei aber dem verführerischen Sog des Militarismus hinzugeben, ohne den Soldatenberuf als irgendetwas anderes als eine furchtbare Notwendigkeit anzusehen, die wir leider benötigen, um den Frieden, die Demokratie und gegenwärtige wie zukünftige soziale und gesellschaftliche Errungenschaften zu erhalten und zu verteidigen.