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this post was submitted on 05 Feb 2026
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DACH - Deutschsprachige Community für Deutschland, Österreich, Schweiz
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Ja, aber: Die Honorare in der privaten Versorgung nach GOP/GOÄ, jedenfalls die Basiswerte, wurden schon viel viel länger nicht an die Inflation angepasst. Für 1 h mit einem Durchschnittspatienty (2,3facher Satz) bekommst Du privat schon jetzt ca. 23 EUR weniger als für ein Kassenpatienty. Oder Du musst aufwändig begründen, warum Deine konkrete Leistung aufwändiger war (dann kannst Du bis zu 20 EUR pro Stunde mehr nehmen als beim Kassenpatienty).
Kann aber schon sein, dass das einige lieber machen, als sich die Telematik, die Sprechstunde und sonstige Gängelung und Zeugs durch die Krankenkassen ans Bein zu binden.
Nochmal konkreter und mit Nachweisen, weil in einem anderen Kommentar auch eine unzutreffende Rechnung verlinkt ist:
Kassenpatienty, TP*: EBM** 35405 = 119,89 €
Privatpatienty/Selbstzahly, TP, Langzeittherapie: GOP/GOÄ*** 861 = Regelhöchstsatz (2,3fach) 92,50 € bis Höchstsatz**** (3,5fach) 140,76 €. (Der Regelhöchstsatz stellt den "Normalwert" dar, den Du ohne schriftliche Begründung erheben darfst. Alles darüber muss Du mit einem skalierbaren Faktor nach Umfang und Schwierigkeitsgrad einzeln begründen, und zwar grundsätzlich pro Leistung, also pro Therapiestunde.)
Psychotherapie ist eine der wenigen Leistungen, in denen Du für Privatpatientys als Anbieter im Regelfall sehr viel weniger bekommst als für Kassenversicherte. Während die Abrechnung der gesetzlichen Krankenversicherung immer mal angepasst und immer erhöht wurde (zuletzt glaube ich 2025), steckt die GOÄ auf dem Stand 1996 fest.*****
Die Behauptung, dass man bei einer Kürzung der Honorare in der GKV um 10% mehr Privatpatientys und weniger Kassenpatientys aufnehmen wird, ergibt kaum Sinn, es sei denn, man rechnet als Therapeuty sowieso häufig über dem Regelhöchstsatz ab. So verstehe ich deshalb auch die verlinkte Äußerung von Adler nicht.
Man kann aber entscheiden, dass man auf den ganzen Scheiß mit der GKV gar keinen Bock mehr hat und auf reine Privatpraxis geht und sogar noch Kosten spart (keine Telematik mehr = bestimmt 10k Technikkosten im Jahr weniger; kein ePA-Geraffel; keine verpflichtende Telefonsprechstunde, die unbezahlt bleibt, falls keiner anruft).
Dann ist der Impact aber um einiges höher als 1-2 Patientys pro Praxis, sondern dauerhaft gleich 25-30 pro Praxis. Aber natürlich kann dann der Kassensitz neu vergeben werden. Vielleicht ist das ja das Ziel 😉
* Tiefenpsychologische Psychotherapie; Abrechnung bei Verhaltenstherapie ist ähnlich
** https://ebm.kbv.de/
*** https://www.gesetze-im-internet.de/go__1982/BJNR015220982.html
**** Honorarvereinbarungen außerhalb der GOÄ, die auch über den Höchstsatz gehen dürfen, lasse ich mal weg. Die meisten Therapeutys machen Honorarvereinbarungen schon vorsorglich als Auffangnetz und für Honorarausfälle bei Nichterscheinen, aber i.d.R. nicht über dem Höchstsatz, außer vielleicht bei VIPs.
***** Überarbeitung geplant, aber das ist seit 30 Jahren immer mal wieder angekündigt worden...
Ich liebe es Entgendern nach Phettberg in solch fachlichen Kommentaren zu lesen. Hier nimm meine Anerkennung.
Sind da Kassen im Psychosetting so penibel? Im somatischen Bereich ist bis 3.3 meines Wissens nach kaum ein Problem mit lachhaften Begründungen. Aber ist auch nur hör sagen.
Mit Kassen meinst Du in dem Kontext die Privaten Krankenversicherungen. Da hast Du das Problem, dass die Vereinbarungen zur PT sehr unterschiedlich sind. PT ist häufig gar nicht versichert oder meistens gekappt. Das heißt, PKV erstattet der versicherten Person bis 2,3fach, auf dem Rest bleibt sie sitzen. Bei Selbstzahlung sowieso. Das Problem sind also nicht die Kassen, sondern die Patientys. Wenn die sich bei der Kammer beschweren, steigt Dir die recht schnell aufs Dach. Und bei PT hast Du tatsächlich überdurchschnittlich viele Beschwerden, weil die "Erfolgsquote" einer PT vergleichsweise niedrig ist und die Patientys gelegentlich eine in der Hinsicht schwierige Persönlichkeitsstruktur mitbringen.