Worum es mir geht
In diesem Beitrag mache ich mir ein wenig Luft und schreibe mir von der Seele was mich wurmt, dabei bin ich mir sicher mit meiner Erfahrung nicht alleine zu sein. Schieflagen in der Organisation von Gesundheit haben wir alle bestimmt schon mitbekommen oder selbst erlebt. Ich möchte verhindern mich gedanklich nur alleine damit zu beschäftigen zu "analysieren", beobachten und eine Meinung zu bilden. Ein- und Widerspruch, Ergänzungen und Korrekturen sowie eigene Erfahrungen in dem Zusammenhang sind gerne gesehen. Ich möchte möglichst "gerade" auf objektive Schieflagen schauen und nicht selber zu arrogant oder verzerrt werden/bleiben. Spiegelt mich bitte gerne. Und an die Moderation: Thematisch-inhaltlich passt das, finde ich, schon in diese Community. Was die Form angeht bin ich aber unsicher, vielleicht werde ich noch einen Verweis bei !einfachposten@feddit.org erstellen.
Kurze Vorgeschichte
Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich wohl unterdurchschnittlich wenig mit Ärzten zu tun. Ich war selten in einem Maße krank "genug". Inzwischen ist das anders und mein Bewusstsein, meine Prioritäten und einige Wehwehchen haben sich entwickelt.
Kürzlich gemachte Erfahrungen
Also besuchte ich kürzlich die hausärztliche Praxis zwecks Untersuchung, beschreibe mein Problem und erfahre Interesse, Motivation Neugier und erste Ansätze worum es sich handeln könnte. Soweit so gut.
Zur weiteren Behandlung wird eine Blutabnahme nötig. Allerdings hatte ich an Tag meines Besuchs gefrühstückt, ich werde also gebeten das autonom mit den MFA einen Termin auszumachen. Es folgt noch der Halbsatz "gerne so kurzfristig wie Sie können."
Und wann ist nun der Termin, der mir mit der mit der Aussage normalerweise würde es noch länger dauern gegeben wurde? In über 1 Monat. So sei das nunmal. Würdet ihr das unter allgemeiner Urlaubszeit verbuchen?
Ich bedanke mich höflich, bin aber innerlich mies gestimmt. Dann fällt mir ein, die Praxis erlaubt Online-Terminbuchungen, vielleicht habe ich ja Glück und jemand sagt ab und ich kann kurzfristiger eine Lücke füllen. Meine Stimmung wird wieder besser.
Zuhause angekommen schaue ich sodann nach, ob das eventuell zufällig schon gerade jetzt genauso eingetreten ist. Und siehe da: Über die Plattform lassen sich nur Termine für die Sprechstunde bei den Ärzten buchen, übrige Dinge wie Rezepte, Briefe/Befunde einreichen/abholen oder etwas was die MFA machen könnten, und damit auch Dinge wie die Blutabnahme, steht gar nicht zur Auswahl. Aus meiner Sicht sind das Anlässe, welche mit Vor- und Nachbereitung allerhöchstens 30 Minuten in Anspruch nehmen.
Da hat doch irgendwer die Organisation wohl nicht zu Ende gedacht. Wer will schon sich selbst und die andere Seite beständig mit Anrufen nerven und fragen ob es nicht doch einen früheren Termin geben könnte. Abgesehen davon, dass ich es erlebt habe, dass es eh kaum vorkommt mit jemandem wirklich reden zu können. Entgegengenommen werden Anrufe selten bis gar nicht.
Bleibt also nur das Vorbeikommen auf gut Glück. Auch da hatte ich Hausarztpraxen bei denen sich niemand genötigt gesehen hat die Webseite mit dem Hinweis zu versehen, wenn die Praxis wegen Fortbildung, Krankheit oder Urlaub zeitweilig geschlossen bleibt. Das ist besonders ärgerlich bei längeren Anfahrten.
Nungut, also durchatmen. So oder so ähnlich geht es vermutlich vielen die wie ich in der GKV sind. Geteiltes Leid ist halbes Leid...
Aber ich bin es trotzdem verdammt nochmal leid. Selbst als ich mich dann einer Fachrichtung zugewandt habe und mich dort um einen Termin bemühen wollte, staunte und schluckte ich nochmals.
Mit Überweisung, aber ohne aufmüpfiges Verlangen oder besonderer Erwartungshaltung begebe ich mich also extra persönlich in eine fachärztliche Praxis für eine Terminvereinbarung. An der Tür hängt bereits der Hinweis: Diese Praxis hat einen extra Tag Sprechzeit für Privatversicherte. Als ich eintrete ist es wie zu erwarten war ziemlich voll, aber mein Anliegen ist nur kurz, hier will ich nur überhaupt einen Termin. Wann genau der ist, ist in diesem Fall gar nicht so wichtig. (Das ist auch der Grund warum ich nicht meine Freizeit opfere und mich zur allgemeinen Sprechstunde dort einfinde, die Kapazitäten der Praxis und anderer Patienten will ich mit meinem nicht akuten Fall nicht unnötig mehrbelasten.) Aber was bekomme ich dort zu hören: "Wir vergeben keine Termine, kommen Sie bitte einfach dann, dann oder dann möglichst frühzeitig in die Sprechstunde und bringen sie rund 4 Stunden Zeit mit."
Und wieder frage ich mich, was geht in dortigen Köpfen vor eine Arztpraxis so zu organisieren und zu betreiben. Zugegeben, ich weiß wenig über tatsächliche Belastungen die ein solcher Betrieb aushalten muss, da "die" Politik das manches festgelegt hat, weil "die" Krankenkassen auch Vorgaben und Rahmen setzen, aufgrund der Art und Weise wie Gesundheit dem Wirtschaftsystem ja auch unterworfen ist. Es gibt auch nach wie vor kein Portal auf Bundes- oder Länderebene für Leute in der GKV, dass allen (un-)möglichen, fragwürdigen Plattformen zur Terminvereinbarung offen das Geschäftsmodell streitig macht. Mit einfachem Benutzungskonzept, solidem Datenschutz ohne Gewinnerzielungsabsichten. Es ist doch bekannt welche Ärzte was praktizieren und wo.