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[–] 9 points 1 day ago (1 child)

Ich finde schon auch, dass in unserer Gesellschaft gerne große, weit offene Forderungen an die Politik gestellt werden, ohne das WIE zu konkretisieren und wenn das Handeln dann persönliche Konsequenzen für einen selbst hat, wird wieder geschimpft.

Und das willst du denen vorwerfen, die hauptsächlich die Konsequenzen des Handelns anderer Leute ausbaden müssen? Außerdem ist nicht die Aufgabe von Demonstrierenden das wie zu erarbeiten. Vor allem, weil das wie in Bezug auf Klimaschutz im Groben schon seit Jahrzehnten gut erforscht ist.

Das soll nicht heißen, dass diese Menschen nichts mehr fordern dürfen, aber "nach dem Abi erstmal nach Australien" und "mehr Klimaschutz" sind schon erstmal schwer vereinbar.

Für die Unterstellung wäre es zum einen interessant zu wissen, welcher Anteil der Jugendlichen tatsächlich diese Auslandsaufenthalte durchführt, zum andern, ist die Frage ob der Schaden durch diese Langstreckenflüge, wirklich signifikant ist, im Verhältnis zu den Schäden, die Beispielsweise Frau Reiche anrichtet.

Forderungen sind oft sehr high level formuliert "X soll anders", "Y soll besser", "Z soll weg". Auf diese Weise lassen sich leichter viele Menschen mobilisieren, die hinter der Forderung stehen. Würde man konkreter, dann kommt es schnell zu Uneinigkeit und Streit.

Dieser Ansatz ist aber genau sinnvoll für eine große Protesbewegung. In Serbien wurde auf diesem Wege beispielsweise sehr erfolgreich Aleksandar Vučić „wegdemonstriert“ Das differenzierte Ausarbeiten ist die Aufgabe der Politik, bzw. der Menschen, die durch solch eine Bewegung in Amt und Würden kommen. Das „Volk“ bekundet den Optimierungsbedarf und bildet so ein Korrektiv, das schnell und unmittelbar rückmeldet, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

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  • [–] 0 points 1 day ago

    Ich werfe niemandem etwas vor. Ich bin auch kein Gegner der Proteste. Bei den (allgemein formulierten) Zielen gehe ich auch persönlich größtenteils mit.

    Ich wollte mit meinem Kommentar zum Ausdruck bringen, dass ich Habecks Kritik eben genauso nachvollziehen kann, wie die Unzufriedenheit der Protestierenden.

    die hauptsächlich die Konsequenzen des Handelns anderer Leute ausbaden müssen?

    Hier würde ich ehrlich gesagt keiner Generation eine explizite Schuld attestieren wollen. Das immer den Boomern an die Backe zu kleben finde ich auch den falschen Ansatz:

    1. Im Mainstream waren die Umweltauswirkungen des eigenen Handels und die Konsequenzen einfach damals weniger präsent.
    2. Unterstelle ich den allermeisten Menschen, auch heute, dass sie sich, wenn es um ihren persönlichen Vorteil geht, meist egoistisch und nicht im Sinne der Allgemeinheit entscheiden.

    Wenn du direkt auf der Demo eine Kreuzfahrt, eine Flugreise, ein Traumhaus o.ä. verlosen würdest, wie viele würden den Gewinn wohl ablehnen? Viele fordern mehr Klimaschutz, trotzdem verhalten sich kaum Menschen auch konsequent so, wenn es um eigene Kaufentscheidungen geht. Da schließe ich mich auch nicht aus.

    Die jüngeren Generationen konsumieren (in der breiten Masse!) genauso gerne wie ihre Eltern und Großeltern. Wo es ihnen das Budget erlaubt, tun sie das auch weiterhin. Egal ob bei Reisen, Fast Fashion, Lebensmitteln oder dem styroporgedämmten Einfamilienhaus.

    die Frage ob der Schaden durch diese Langstreckenflüge, wirklich signifikant ist, im Verhältnis zu den Schäden, die Beispielsweise Frau Reiche anrichtet.

    Ein Hin- und Rückflug nach Australien entspricht circa 7 Tonnen CO2. Das entspricht ungefähr dem 3,5- bis 7-fachen Jahresbudget, das ein Mensch langfristig verbrauchen darf für das GESAMTE Leben inklusive wohnen, essen und allgemeiner Infrastruktur.

    Aus meiner Sicht bringt es nichts bei allen Problemen immer einen Schuldigen "da oben" zu suchen. Ja, ich finde Frau Reiche auch kacke, aber trotzdem gibt es viele viele Dinge, die wir als Individuen selbst in der Hand haben und trotzdem nicht tun. Die Superreichen und Politiker haben zweifelsohne ihren Anteil, aber eben auch nicht nur und nur darauf zu warten, dass jemand anders etwas umsetzt ist halt auch auf eine gewisse Weise eine bequeme Ausrede.

    Unsere aktuelle Gesellschaft ist (leider) sehr Kapital-orientiert. Willst du mehr Klimaschutz durch - allgemein formuliert - weniger Konsum, können wir... a) darauf hoffen, dass die Leute freiwillig weniger konsumieren, b) die Kosten raufschrauben oder c) die Geldbeutel schmälern.

    Ich glaube nicht, dass unsere Regierung das aus Klimaschutzgründen macht, aber b) und c) finden gerade statt. Aus meiner Sicht auf eine sehr unschöne, nicht sozial gerechte Weise, aber steigende Lebenshaltungskosten sind erstmal gut fürs Klima.

    Wenn wir am Klimawandel wirklich etwas ändern wollen, müssen wir weg von unserem hohen Wohlstandsniveau. Und das betrifft, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, eben alle Bereiche des Lebens - auch Wohnen, Mobilität, Lebensmittel usw. Nur sollte das alle Generationen gleichermaßen treffen.

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