Dann hast du mich vermutlich falsch verstanden, denn ich habe NICHT vom demographischen Wandel in Bezug auf Produktivität gesprochen, sondern die zu einfachen Thesen am Anfang des Threads in Frage gestellt, wo ja gerade die „modernen“ Themen in dem ursprünglichen Marx-Konzept fehlen.
Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden ist ein Volumen, welches man im Kontext sehen sollte. Meine Fragen dazu wären: Wie sieht das pro Kopf aus? Und wie viele Köpfe sind das überhaupt? Und Vollzeit versus Teilzeit.
Hab gerade Zeit und Bock das genauer anzuschauen :)
Alles 5 Jahres- und 20 Jahressicht.
- Die AN quote bleibt relativ konstant bei ca. 77% von 2019 bis 2024
- Dabei ist auf der Zuwachs leicht bei Männern (2005-2024) 71% auf 81% und stark bei Frauen 60% auf 74%
- Die Vollzeitstunden nehmen in der Zeit leicht ab
- Halbzeitstunden nehmen zu (Frauen arbeiten viel Halbzeit)
https://de.statista.com/infografik/34509/arbeitsstunden-der-erwerbstaetigen-in-deutschland/
-Gründe für die Halbzeittätigkeit der Frauen sind Pflege von Angehörigen (25%) und Eigener Wunsch (25%)
- Meine persönliche Meinung als Mann dazu: Eigener Wunsch ist Bequemlichkeit, der die Last des Lebensunterhalts für die Familie auf den Mann schultert. Wenn dabei noch geschrien wird „aber die schlimme Hausarbeit“, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Ich fand mein Jahr Teilzeit wirklich extrem entlastend. Hatte sogar mal Zeit für Hobbies.
- Gründe für den Zuwachs an Teilzeitjobs und Arbeitstunden sind „Ein Grund für diese Entwicklung sei, dass Branchen mit hohem Teilzeitanteil wie etwa in der Pflege oder in der Kindererziehung stark gewachsen seien.“
https://www.wiwo.de/dpa/arbeitsmarkt-teilzeitquote-in-deutschland-auf-rekordniveau/30356522.html
- Die Arbeitlosenquote stagniert in den letzten 5 Jahren um 1% von 5% auf 6%
- Von 2005 bis 2024 ist sie stark gefallen von 11,7% auf 6%
- Die Gesamtbevölkerung in DE stagnierte in den letzten 5 Jahren (2019-24) von 83.2 auf 83.6 Millionen und auf 20 Jahre (2004 80,5 Mill) leicht mit +3,9%. Starke Zuwächse erst ab 2015 mit Syrien.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25_030_124.html
Also würde ich Zusammenfassen:
-
Deutschland stagniert in EW Anzahl und wird schrumpfen, da Zuwanderung politisch und organisatorisch nicht möglich ist.
-
Die geburtenstarken Jahrgänge arbeiten weiterhin viel Vollzeit und einige Männer wechseln in Teilzeit über.
-
Frauen arbeiten viel Teilzeit und weniger in MiniJobs, da mehr Stunden.
-
Insgesamt haben die Arbeitsstunden zugenommen, da viel mehr Teilzeit in Pflege und Kinderbetreuung. (Beides btw schlecht automatisierbar, d.h. kaum Produktivitätserhöhung pro AN möglich)
-
Weiterhin werden 20% der AN bis 2030 in Rente gehen.
-
Produktivität sinkt insgesamt
-
Arbeitslosigkeit im 5 Jahren stagnierend niedrig
-
Deutschland steckt seit 3 Jahren in der Rezession mit keinem Wirtschaftswachstum
-
Verluste bei Produktion und Zuwachs bei Dienstleistung (Pflege und Kinderbetreuung)
Für mich deutet das auf eine Sackgasse hin. Wenn die Wirtschaft wieder anspringen sollte, dann fehlen die Arbeitskräfte in der Produktion. Also da wo die Löhne hoch sind. In der Pflege und Kinderbetreuung werden auch viele Arbeitskräfte fehlen, der Bedarf ist ja jetzt schon hoch.
Weiterhin sieht man die schleichende Verarmung der Mittelschicht, da immer mehr Frauen „gezwungen“ werden Geld zum Haushalt beizutragen mit einem Teilzeitjob. Das Adenauersche Weltbild Mann-Hausfrau-2 Kinder ist nicht mehr finanzierbar.
Sorry für den Edit: Ich musste Zwischenspeichern, sonst gehen die Textblöcke noch flöten