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Wie gehe ich in eine Quest hinein?

Das Skillsystem (Fähigkeitensystem) und was ich unter Waffen oder Rüstungen verstehe, ist ein eigenes großes Thema, das ich im nächsten Text erklären werde. Doch das wäre einen Schritt zu früh. Erst muss ich erklären, nach welchen “Regeln” ich überhaupt meinen Build (Kombination von Klasse, Ausrüstung und Skills) auswähle.

Für die „Orientierung auf ein Ziel“ aus der DBTherapie habe ich eine Metapher gefunden, die einen Eindruck von der Komplexität des realen Lebens vermitteln soll. Sie ist aber nur mein eigenes Modell. Für andere Spieler/Spielleiter könnten andere Systeme besser passen und niemand kann das Leben vollständig in einem Modell abbilden.

Games vereinfachen fast immer. Sie müssen es. Sonst wären sie kaum spielbar. Drei Klassen, ein Talentbaum, ein paar Attribute, klare Mechaniken. Das echte Leben funktioniert nicht so. Das Leben vereinfacht nichts für dich. Es folgt physikalischen, chemischen, biologischen, psychischen, kulturellen und sozialen Gesetzmäßigkeiten und du funktionierst innerhalb dieser Bedingungen.

Deshalb geht es hier nicht darum, die eine perfekte Skillung zu finden. Es gibt keinen universellen Meta-Build (ein Meta-Build gilt in Spielen als eine optimale Zusammenstellung aus Ausrüstung und Skillset).

Und auch hier gibt es wieder eine schöne Analogie zum echten Leben:

Der beste Meta-Build nutzt nichts, wenn du ihn nicht spielen kannst.

Im Game sind solche Leute meist unbeliebt. Sie kommen mit legendärer Ausrüstung in die Gruppe und haben keine Ahnung, wie ihr Build funktioniert.

Damit meine ich im realen Leben, wenn du mit sowas reingehst:

ich bin immer gerecht, ich bin immer entspannt, ich bin immer logisch.

Anmerkung von mir: Das kannst du machen, es ist nichts verboten in diesem Spiel. Du darfst alles machen, du darfst dir selbst auch schaden und so weiter.

Nur in der Realität, wenn wir mal ehrlich sind und du solche Absolutismen von dir denkst, bevor du in ein Gespräch gehst, dann ist das nicht mal wie eine Ausrüstung im Spiel, mit der du nicht umgehen kannst. Das ist eine Ausrüstung, die schlichtweg nicht existiert. Das sind "Des Kaisers neue Kleider".

Doch nun endlich zum Modell der Buildauswahl: Ich nenne es Colorgrading. Nicht weil menschliche Kommunikationsziele Farben sind, sondern weil Farben etwas können, das für die Darstellung dieses Themas erstaunlich hilfreich ist: Aus wenigen Reglern entstehen Millionen möglicher Ergebnisse. Die meisten kennen das aus der Bildbearbeitung, Farbkreisen oder ähnlichen. Wenn ich vor einer wichtigen Quest stehe, dann überlege ich mir, was ist mir bei diesem Ämtergang, bei diesem Gespräch mit dem Vermieter, bei dieser Aussprache mit einem Familienmitglied, bei diesem Streitgespräch usw. wichtig.

Die aktiv bestimmbaren Regler sehen beispielsweise so aus:

Rot = Selbstwert Wie wichtig ist es mir in dieser Situation, mich zu schützen, Grenzen zu setzen oder mich nicht verletzt, gedemütigt oder übergangen zu fühlen?

Grün = Beziehung Wie wichtig ist mir die Beziehung zu diesem Menschen oder die Qualität der Verbindung?

Blau = Ziel Wie wichtig ist mir das konkrete Ergebnis?

Wer sich mit Farben ein ganz klein wenig auskennt, der weiß, dass man allein schon mit diesen drei Reglern Millionen Ergebnisse erzielen kann. Wer lieber andere Analogien nimmt, z.B. mit Tönen oder schlicht den Raumdimensionen... es ist dein Spiel, nimm was DIR hilft, es sollte allerdings vielleicht etwas Komplexes sein, wo man mit drei Dimensionen ganz viele unterschiedliche Ergebnisse erzeugen kann.

Aber jetzt kommt ein wichtiger Unterschied: Im Gegensatz zu echten Farben hast du hier nur 100 %. Du kannst nicht einfach alle Regler voll hochziehen. Du kannst nicht gleichzeitig maximal zielorientiert, maximal beziehungsorientiert und maximal selbstwertorientiert sein. So funktioniert ein Mensch im allgemeinen nicht.

Die Fragen, die man in der DBT lernt zu stellen sind: Was ist mir hier und heute am wichtigsten? Was ist zweitrangig? Und was darf heute vielleicht bewusst zurückstehen? Wenn dir alles exakt gleich wichtig ist, dann gehst du vielleicht mit einer 33/33/33-Mischung hinein. Anmerkung von mir: Du musst gar nichts, auch nicht wählen, aber glaub mir, so was kann das Leben echt erleichtern. Und genau darum geht es.

Wichtig ist, das sind Regler und keine Schalter, bei jeder Einstellung entsteht eine neue Farbe. Wenn man für einen Gang zum Vermieter mal den Selbstwertregler absichtlich weit unten lässt, dann hat man deshalb nicht gleich weniger Selbstachtung, sondern hat einfach klug taktiert. Anmerkung von mir: keine Angst im Spiel RPG Real Life hält dich niemand davon ab mit grell Pink zum Vermieter zu marschieren.

Denn jetzt kommen wir auch noch zu Sättigung, Kontrast und Helligkeit. Da wir hier nicht vom echten RGB-Farbraum reden, sondern von einem Erklärmodell für die Wahl von Kommunikationszielen, bitte nicht wundern, wenn es im Farbraum leicht anders funktioniert.

Diese Regler kann man nicht ganz so aktiv beeinflussen.

Die Helligkeit würde ich vereinfachend als den körperlichen Zustand beschreiben, der (leider) ja immer das Gehirn mit beeinflusst, der Kapitän ist stets Teil des Schiffs. Hunger, Schlafrhythmus, Schmerzen, Substanzen usw. bestimmen hier, ob du grell weiß leuchtend, auf einem gesunden Mittelwert gut erkennbar, oder fast komplett runter geregelt agieren kannst/musst.

Die Sättigung und den Kontrast würde ich als ein Reglergespann sehen hier. Die Sättigung könnte man als Stimmung interpretieren, von überdreht bis zum grellen Anschlag, bis hin zum ausfaden in Graustufen ist hier alles möglich. Der Kontrast hingegen bestimmt wie viel Unterschiede du gerade wahrnehmen kannst, dies würde ich als emotionale Intensität beschreiben, Wut, Trauer, Angst, aber auch überschwängliche Freude, können diesen Regler bedienen. Ein hoher Kontrast bedeutet, du nimmst Unterschiede überdeutlich wahr, möglicherweise zum Beispiel durch Angst beeinflusst. Ein sehr niedriger Kontrast bedeutet, du nimmst alles als verwaschenen Einheitsbrei wahr, das kann zum Beispiel bei Trauer, aber auch überschwänglicher Freude der Fall sein.

Anmerkung von mir (schließlich ist dieses Modell-Konzept noch in Entwicklung): Ich hoffe dieses Bild wird klar. Schreib mir gern falls nicht.

Wenn ich nun abschließend also weiß, was heute meine Ziele sind und gleichzeitig meine körperlichen, emotionalen und psychischen Gegebenheiten kenne, dann kann ich mich für diesen Kampf vorbereiten, also auch entscheiden welche Skills ich überhaupt mitnehme.

Denn der beste Build nutzt nichts, wenn ich ihn heute gar nicht spielen kann oder er für diesen Fight ungeeignet ist.

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this post was submitted on 21 May 2026
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